Einzelhandel

Eine polnische Geschäftsgründerin macht den Emmerichern Mut

Malgorzata Schabe, rechts in polnischer Tracht, begeisterte in Emmerich die rund 60 Besucher auf der „Germania“ mit ihrem Elan als Gründerin.

Foto: Jens Uwe WachterStorm

Malgorzata Schabe, rechts in polnischer Tracht, begeisterte in Emmerich die rund 60 Besucher auf der „Germania“ mit ihrem Elan als Gründerin. Foto: Jens Uwe WachterStorm

Emmerich.   Rund 60 Besucher lauschten der Gesprächsrunde „Gründergeist wecken – Potentiale bewegen: Der örtliche Handel braucht junge Ideen“ in Emmerich.

Sie habe „1000 Ideen pro Minute“ und hat den Abend gerockt! Von Malgorzata Schabe könnte sich manch ein Einzelhändler oder Gründungsinteressierter eine Scheibe abschneiden. Die Betreiberin des Geschäfts Polnische und schlesische Spezialitäten an der Steinstraße in Emmerich mit zwei Ladenlokalen sowie in Kleve an der Hagschestraße begeisterte die rund 60 Gäste auf der „Germania“.

Diese folgten der Einladung der Kreis-Wirtschaftsförderung zu der Gesprächsrunde „Gründergeist wecken – Potentiale bewegen: Der örtliche Handel braucht junge Ideen“. Und dieses Motto verkörperte die Polin, die sogar in traditioneller Tracht ans Mikro trat, vollends.

Polnisches Restaurant möglich

Schabe eröffnete 2014 ihren ersten Lebensmittelhandel an der Steinstraße. Mit den vielen Polen in Emmerich erkannte sie das Potenzial, fragte schlichtweg Menschen auf der Straße, ob so ein Geschäft sie interessiere und ergriff dann mutig die Initiative. Mit Erfolg. Wurst, Bier und Co. aus Polen kommen gut an. Sie punktet auch durch lange Öffnungszeiten. Weil kein größeres Ladenlokal verfügbar war, übernahm sie gegenüber ein zweites Lokal.

Später eröffnete sie in Kleve ein Geschäft und schielt inzwischen schon nach Bocholt und Wesel. „Ich möchte in Emmerich auch ein polnisches Restaurant eröffnen“, zeigte sich Schabe voller Elan. Ein gewisses Risiko gebe es immer. Auch Schabe stolperte über manch eine Hürde. Etwa „als sich das Finanzamt meldete“. Aber das warf sie nicht um. Als Inhaber, so ihre Erfahrung, müsse man im Geschäft selbst mitarbeiten, die Mitarbeiter mitnehmen.

Machen Online-Preise den stationären Handel kaputt? Moderator Christoph Kepser wollte dies von Michael Terstegen, geschäftsführender Gesellschafter von Alexander Herrenmoden, wissen. Der Herrenausstatter mit sechs Filialen in Emmerich, Rees, Kleve, Goch, Bocholt und Hamminkeln sagte: „Nein. Es ist nicht eine Preisfrage. Verfügbarkeit ist der Punkt.“ Dabei helfe ein eigener Online-Shop auch dem stationären Händler: „Der ist die Visitenkarte.“

Nicht immer nur den Leerstand thematisieren

In der Unternehmensgründung wird auch im Kreis Kleve keiner allein gelassen. Dies verdeutlichte die erste Gesprächsrunde mit Emmerichs Wirtschaftsförderer Sascha Terörde; Jens Bartel, stellvertretender Leiter des Fachbereiches Stadtentwicklung der Stadt Emmerich; Jan-Frens Bergman, Vorsitzender der Emmericher Werbegemeinschaft; und Dieter Jungfer vom Einzelhandelsverband Kreis Kleve. „Wenn Gründer zu mir kommen, kann ich vermitteln“, sagte Terörde. IHK und Kreis-Wirtschaftsförderung bieten Beratungen, die auch gefördert würden. Gründungskonzepte würden auf Herz und Nieren geprüft. In jüngsten Jahren, hatte Wirtschaftsförderer Hans-Josef Kuypers eingangs festgestellt, sei „die Qualität der Gründungen gestiegen“.

Moderator Kepser versuchte den Beteiligten dieser Runde immer wieder konkrete Initiativen aus der Nase zu locken, wie der Handel in Emmerich aufgewertet werden könnte. Doch hier wurde deutlich, es kommt auf die Initiative der Gründer an. Der Trend zu steigenden Leerständen trifft viele Städte, nicht nur Emmerich. Dazu Terörde: „In der Wahrnehmung fokussieren sich viele auf den Leerstand. Vielleicht sollte man mehr darauf achten, welch qualitativ guter Handel da ist.“

>>>CITY-MANAGER SOLL AUSGESCHRIEBEN WERDEN

Kreis-Wirtschaftsförderer Hans-Josef Kuypers freute sich, dass der Saal auf der „Germania“ so voll besetzt war. Die Wifö habe einen Leitfaden für die Gründungsplanung herausgegeben. Interessierte könnten hier wichtige Informationen kompakt vorfinden.

Über Factory Outlet für Emmerich wurde immer mal wieder nachgedacht. Die Begeisterung, die manch einer für solche Standorte pflegt, teilt Kuypers für den Kreis Kleve nicht: „Dieses Ziel sollten wir nicht in den Fokus nehmen. Es passt nicht in unsere Region.“

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