Verkehr

Eltenberg: Minister wollen moderieren

Die Bergretter haben neue Plakate aufgehängt. Diese können unter rettet-den-eltenberg.de

Die Bergretter haben neue Plakate aufgehängt. Diese können unter rettet-den-eltenberg.de

Foto: Privat

Elten.   Das Gutachten der Bürgerinitiative Rettet den Eltenberg zeigt auf, dass ihre Gleisbettvariante der bergnahen Variante der Bahn vielfach überlegen ist.

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Die Bürgerinitiative (BI) Rettet den Eltenberg ist glücklich. Das von ihr in Auftrag gegebene Gutachten zu den Betuwe-Varianten für Elten kommt eindeutig zu dem Schluss, dass die von den Bergrettern gewünschte Gleisbettvariante offenbar eindeutig die bessere Variante ist. In mehrfacher Hinsicht. Bundesumweltministerin Dr. Barbara Hendricks (SPD), schildert BI-Sprecher Hans-Jörgen Wernicke, habe sich mit NRW-Verkehrsminister Michael Groschek (SPD) verständigt: „Es gibt dringenden Gesprächsbedarf zwischen der Bahn, Straßen.NRW, den Ministerien und uns. Hendricks und Groschek haben zugesagt ein solches Gespräch zu moderieren.“

Durchgeführt hat das Gutachten Dipl.-Ing. Walther Hensel vom Hensel Infrastruktur Steuerung & Planungsbüro aus Düsseldorf – er ist seit über 30 Jahren mit solchen Projekten beschäftigt. Zunächst sei festzustellen, dass die Gleisbettvariante technisch (gleis- und straßengeometrisch) und umweltfachlich machbar sei.

Dass es zwei Planfeststellungsverfahren gibt, Bahn und Straßen NRW, erachtet Hensel als rechtlich fragwürdig: „Jedes Verfahren für sich schafft Fakten.“ Er plädiert für eine ganzheitliche Betrachtung. Ungewöhnlich sei, dass die Bahn nirgends die Kosten ihrer Variante aufzeige und die bautechnische Umsetzung erklärt: „Ein Bau unter Betrieb ist in der Regel sehr kostenträchtig“, erinnert Hensel.

Für die Ermittlung der Kosten hat Hensel den Kostengruppenkatalog der Bahn angewandt: Die Variante der Bahn kostet demnach ca. 129 Mio. Euro – ohne Haltepunkte Elten und ohne Planung der Bundesstraße, wie sie die BI vorsieht. Deren Variante kommt inklusive dieser Straßenplanung auf 128 Mio. Euro. Für weitere fünf Mio. Euro wäre die Weiterführung der neuen B 8 bis zur Zevenaarer Straße kurz vor der Grenze gebaut – die Finanzierung dafür wäre aber nicht Teil dieses Verfahrens.

Das sind die Varianten

Die bergnahe Variante sieht vor, dass der neuen B 8 entlang des Berges eine Schneise freigeschlagen wird. Das alte Viadukt bleibt erhalten. Zugleich würde an der Lobither Straße auf der Fläche der Sportplätze eine Unterführung unter den Gleisen her geführt, um Richtung Lobith zu gelangen. Eine Entlastung des Ortskernes vom Verkehr wäre nicht vorgesehen.
Die BI sagt, legt die B 8 auf die Bahntrasse und baut die dreigleisige Bahnstrecke südlich davon neu. So bliebe der Berg verschont, Elten bekäme eine Ortsumgehung, Sportplatz sowie Mühle würden erhalten, und die Anbindung des dann zentralen Bahnhaltepunktes zum Ortskern wäre gut. Jegliche abgebundenen Straßen wie die Sonderwykstraße würden an der B 8n wieder angebunden. Ein Sicherheitsaspekt: Die B 8n ist entlang der Bahntrasse geplant; im Unglücksfall hat man leichteren Zugang als in der Bahn-Variante.

Büro Hensel zerpflückt Gutachten der IVV

Das Büro Hensel hatte auch den Auftrag, das von der Stadt Emmerich in Auftrag gegebene Gutachten zum Vergleich der verschiedenen Betuwe-Varianten durch das Büro IVV Smeets zu überprüfen. Die Bürgerinitiative Rettet den Eltenberg hatte damals schon Skepsis geäußert, dass die Ergebnisse zutreffend seien. Fazit: Verkehrszahlen ok, Schallschutz-Ermittlung ok, „aber die Kosternermittlung entbehrt jeglicher Grundlage“, sagt Walther Hensel.

IVV Smeets hat im Prinziep immer Äpfel mit Birnen verglichen. Bei den Kosten der Gleisbettvariante wurden auch immer die Kosten für die B 8 einbezogen. Nicht so in der bergnahen Bahn-Variante. Da wurde die B 8 sozusagen als Angelegenheit des zweiten Planfeststellungsverfahren von Straßen NRW nicht berücksichtigt. Auch ein Ersatz für die überplanten Sportanlagen wird unter anderem finanziell nicht berücksichtigt.

Aus umweltfachlicher Sicht seien beide Varianten ungefähr von gleichem Umfang. Allerdings weise die Bahn-Variante am Berg „erhebliche Planungsdefizite beim Artenschutz. Es gibt artenschutzrechtliche Verbotszustände“, so Hensel. Ausnahmeregelungen dafür würde es nur geben, wenn es keine Alternative gebe: „Wir weisen nach, dass es eine Alternative gibt!“ Außerdem seien die Artenkartierungen älter als fünf Jahre, was nicht erlaubt sei.

Was die Flächenbilanz angeht, so habe die IVV in der Bahn-Variante nur die Flächen berücksichtigt, die in das PFV der Bahn fallen, aber bei der BI-Variante wurde zudem auch noch der Flächenbedarf des PFV Straßen NRW drauf gerechnet. Da sind sie wieder, die Äpfel und die Birnen...

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