Krankenhaus-Strategie

Emmerich: Neue Strategie käme dem Willibrord-Spital zugute

Ein neuer Fokus in der NRW-Krankenhaus-Strategie hin zum Blick auf medizinische Leistungen und weg von der Bettenanzahl käme dem Willibrord-Spital in Emmerich zugute.

Ein neuer Fokus in der NRW-Krankenhaus-Strategie hin zum Blick auf medizinische Leistungen und weg von der Bettenanzahl käme dem Willibrord-Spital in Emmerich zugute.

Foto: Markus Weissenfels / FUNKE Foto Services

Emmerich.  Das Gesetz zur Krankenhaus-Strategie soll geändert werden. Fokus auf medizinische Leistungen statt Betten: Das käme dem Willibrord-Spital zugute.

Die NRW-Regierungskoalition von CDU und FDP hat ein Gesetz eingebracht, das die Krankenhaus-Strategie ändern soll. Diese soll nicht mehr vorrangig die Zahl der Krankenhausbetten in den Fokus nehmen, sondern die medizinischen Leistungen. Auf diese Weise sollen nicht nur die Versorgungskapazitäten in den Ballungsgebieten besser strukturiert werden, auch soll die flächendeckende Versorgung im ländlichen Raum gestärkt werden. Die Änderung des NRW-Krankenhausgestaltungsgesetztes wurde in erster Lesung beraten.

Eine Entwicklung, die dem vergleichsweise kleinen Krankenhaus in Emmerich zugute kommen könnte. So sieht es jedenfalls Johannes Hartmann, Geschäftsführer des St. Willibrord-Spitals Emmerich, den die NRZ um eine Stellungnahme gebeten hat: „Wir begrüßen, dass die ortsnahe Versorgung gestärkt werden soll. Gerade die Corona-Pandemie zeigt, wie wichtig das Krankenhaus in der Nähe für die medizinische Versorgung der Bevölkerung ist. Sollten künftig die medizinischen Leistungen in den Mittelpunkt der Krankenhausplanung gestellt werden, ist das St. Willibrord-Spital gut darauf vorbereitet.“

Strategie des Willibrord-Spitals deckt sich mit geplanter Gesetzesänderung

Offenbar deckt sich die angedachte Herangehensweise mit der strategischen Ausrichtung des Hauses, die „längst darauf ausgerichtet“ sei. So verfüge das St. Willibrord-Spital sowohl in den inneren als auch in den chirurgischen Abteilungen über ein spezialisiertes Leistungsangebot in Diagnostik und Therapie: „Dazu zählen der Einsatz von hochmoderner Laser-Technik sowie innovative Behandlungsverfahren, die nicht jedes Krankenhaus vorhält“, erklärt Hartmann.

„Die Thoraxchirurgie wird in Emmerich als eigene Abteilung geführt“, führt Hartmann fort, „auch das ist in einer Stadt dieser Größenordnung eher selten. Nicht zu vergessen unsere medizinischen Zentren, in denen fachübergreifendes Know-how für eine zielgerichtete Patientenversorgung gebündelt ist. Die Zentren für Endoprothetik sowie für Fuß- und Sprunggelenkchirurgie sind bereits zertifiziert, weitere Zertifizierungen sollen folgen. Und: Spezialsprechstunden in den medizinischen Abteilungen runden das Leistungsspektrum des St. Willibrord-Spitals ab“.

Medizinisches Versorgungs-Zentrum könnte auf Emmerich ausgeweitet werden

Darüber hinaus sei das St. Willibrord-Spital gut mit den niedergelassenen Ärzten vernetzt, es bestehe ein enger und regelmäßiger kollegialer Austausch mit ihnen: „Die neurologische Praxis Dr. Borrmann und die orthopädische Praxis Dr. Regel/Dr. Gruhn befinden sich unmittelbar am Haus, Dr. Borrmann ist zugleich als Chefarzt der altersmedizinischen Abteilung im St. Willibrord-Spital tätig. Außerdem gibt es Überlegungen, das Medizinische Versorgungs-Zentrum, das innerhalb des Verbundes der Pro Homine mit Praxen unter anderem in Wesel und Rees vertreten ist, nach Emmerich auszuweiten.“

Aber Johannes Hartmann hat auch eine Forderung: „Wenn die Politik die künftige Krankenhausplanung nach medizinischen Leistungen ausrichten möchte, muss sie aber auch sicherstellen, dass dies ausreichend finanziert wird. Denn der medizinische Fortschritt erfordert erhebliche Investitionen in Personal, Technik und Gebäude. Hier ist das Land gefordert, den Krankenhäusern mehr Geld zur Verfügung zu stellen. Die aktuelle Pauschale, die unabhängig von der Corona-Pandemie gezahlt wird, reicht schon seit Jahren bei weitem nicht aus. Auch das muss bei den weiteren Beratungen des Gesetzentwurfs berücksichtigt werden.“

>> Ärztekammer NRW begrüßt die Entwicklung

Die Ärztekammer NRW begrüßt die neue Herangehensweise: „Die COVID-19-Pandemie hat uns den Wert unserer starken Krankenhauslandschaft in Nordrhein-Westfalen deutlich vor Augen geführt. Diese Stärke müssen wir ausbauen und zukunftsfest machen. Deswegen ist es richtig, dass die neue Planung auf eine noch bessere Strukturierung, auf sinnvolle Aufgabenteilung und auf mehr Kooperation der Krankenhäuser untereinander und mit den niedergelassenen Ärzten setzt. Mit Blick auf die ländlichen Regionen ist es gut, dass das Land weiter am Prinzip der ortsnahen Versorgung festhält“, sagt Rudolf Henke, Präsident der Ärztekammer Nordrhein.

[In unserem lokalen Newsletter berichten wir jeden Abend aus Emmerich, Rees und Isselburg. Den E-Mail-Newsletter können Sie hier kostenlos bestellen.]

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben