Telefon-Sprechstunde

Leiden am Gesäß: Sprechstunde über unangenehmes Thema

Das Willibrord-Spital und die NRZ-Lokalredaktion Emmerich bieten eine telefonische Sprechstunde für NRZ-Leser an.

Das Willibrord-Spital und die NRZ-Lokalredaktion Emmerich bieten eine telefonische Sprechstunde für NRZ-Leser an.

Foto: Erwin Pottgiesser / FUNKE Foto Services

Emmerich/Rees.  Ernst Dootjes, Oberarzt der Abteilung für Allgemein- und Visceralchirurgie in Emmerich, beantwortet Mittwoch die Fragen der NRZ-Leser am Telefon.

Über Verstopfungen, Abszesse am Gesäß oder Hämorrhoiden sprechen viele nicht so gern. Nichtsdestotrotz haben Menschen Fragen zu diesem Thema. Denn die Leiden können unangenehm sein. Das St. Willibrord-Spital und die NRZ bieten am Mittwoch, 25. November, von 17 bis 18 Uhr eine Telefonsprechstunde an, in der die Leser auch anonym Fragen stellen können.

Begleitet wird diese Sprechstunde, für die unter 02822/924920 angerufen werden kann, von Ernst Dootjes, Oberarzt der Abteilung Allgemein- und Visceralchirurgie am Willibrord-Spital. Er ist Facharzt für Visceralchirurgie mit der Zusatzbezeichnung Proktologie.

Spital deckt komplette Spektrum der konservativen und operativen Proktologie ab

Die Proktologie ist ein eigenes Gebiet innerhalb der medizinischen Fächer und befasst sich mit den Erkrankungen des Afters, des Mastdarmes und der Haut um den Anus herum. Im St. Willibrord-Spital in Emmerich ist die Proktologie in die Abteilung für Allgemein- und Visceralchirurgie mit Koloproktologie und Thoraxchirurgie integriert. So ist gewährleistet, dass die Patienten nach neuestem Erkenntnisstand versorgt und behandelt werden – ambulant ebenso wie stationär.

Im Emmericher Krankenhaus wird das komplette Spektrum der modernen konservativen und operativen Proktologie abgedeckt. Behandlungsschwerpunkte sind Hämorrhoidalleiden, Fissuren (Risse im After), Abszesse, After-Fisteln, Stuhlentleerungsstörungen (Verstopfung und Stuhlinkontinenz) und Erkrankungen des Beckenbodens.

Das besondere Augenmerk liegt dabei auf der Fistel-Chirurgie und der Behandlung von Stuhlentleerungsstörungen. „Fisteln sind meist die Folge eines After-Abszesses, also einer Vereiterung“, erklärt Ernst Dootjes.

Unter Stuhlentleerungsstörungen leiden Frauen häufiger

Unter Stuhlentleerungsstörungen leiden Frauen häufiger als Männer. „Das liegt an der Anatomie des weiblichen Beckenbodens, aber häufig sind sie auch die Folge von Entbindungen“, so der Oberarzt. Und: „Die Verstopfung ist oft eine Folge der Beckenbodensenkung, häufig vergesellschaftet mit einem inneren Mastdarmvorfall und einer Aussackung der Darmwand in die Scheide, der sogenannten Rektozele. Das lässt sich mit sehr guten Ergebnissen durch eine Operation korrigieren.“ Vor allem im höheren Lebensalter kann auch eine solche Senkung zu einer Inkontinenz des Stuhls beitragen, zumal häufig eine Schwäche des Schließmuskels besteht.

Der Schließmuskel lässt sich durch ambulante Verfahren gut trainieren und festigen. Eine Methode ist z. B. das anale Biofeedback-Training per Sonde, mit dem der Patient Schließmuskelfunktionen gezielt beeinflussen und trainieren kann. Das lässt sich mit zusätzlicher Elektro-Stimulation der Schließmuskulatur unterstützen.

Operationen möglichst mit schonenden Verfahren

Die Proktologen setzen überwiegend ambulante Verfahren ein. Dazu zählen z.B. Verödungen bei Hämorrhoidalleiden. Ist eine Operation unumgänglich, werden die Eingriffe, wenn immer möglich, in minimal-invasiver Technik (sowohl durch den After als auch durch die Bauchdecke) ausgeführt. Dafür stehen z.B. verschiedene Klammernahtgeräte und ein Laser-Gerät zur Verfügung. Das Laser-Gerät wird zur gewebsschonenden Behandlung von Analfisteln (FiLac-Verfahren), Steißbeinfisteln (SiLac-Verfahren) und Hämorrhoiden (LHP-Verfahren) eingesetzt.

„Wir sind technisch sehr gut aufgestellt und führen alle proktologischen Eingriffe und die gesamte erweiterte proktologische Diagnostik durch“, betont Ernst Dootjes. „Radiologisch decken wir auch das gesamte Spektrum der Diagnostik ab.“ Weitere Beispiele sind die anale Manometrie (Druckmessung im After), die rektale Manometrie (Druckverhalten im Mastdarm), die Spiegelung von End- und Mastdarm, die Endo-Sonographie (Ultraschall durch den After, um z.B. kleine Defekte am Schließmuskel zu erkennen), der Hinton-Test, mit dem sich die Transportfunktion des Darms ermitteln lässt, und die MR-(Kernspin)-Defäkographie zur Analyse der Darm-Entleerung.

Die Proktologie des St. Willibrord-Spitals zählt im Jahr 1500 ambulante Patienten, überwiegend Frauen. Zur Behandlung von Menschen mit den entzündlichen Darm-Erkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa besteht eine interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Gastroenterologen im Emmericher Krankenhaus. Bereits seit 2012 ist eine fachübergreifende Beckenbodensprechstunde etabliert. Kooperationspartner sind hier Dr. Stefan Dahms, niedergelassener Urologe in Emmerich, und Dr. (TR) Serhat Aker, Ltd. Arzt des Departments Urogynäkologie der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe im Marien Hospital Wesel.

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