Handynutzung

Emmerich startet Aktion gegen Smartphone-Nutzung von Eltern

Gaby Niemeck vom Netzwerk ProKids  (von links), Maria van Husen-Röhrig und Ulla Klossek, Leiterin des Familienzentrum Arche Noah, stellen die Postkartenaktion „Sprich mit deinem Kind“  vor.

Gaby Niemeck vom Netzwerk ProKids (von links), Maria van Husen-Röhrig und Ulla Klossek, Leiterin des Familienzentrum Arche Noah, stellen die Postkartenaktion „Sprich mit deinem Kind“ vor.

Foto: Thorsten Lindekamp

Emmerich.   Das Smartphone stört die Kommunikation zwischen Eltern und Kind. Die Stadt Emmerich will mit einer Postkarten-Aktion entgegenwirken.

„Habe ich was falsch gemacht?“, „Bin ich dir wichtig?“ oder der schlichte Aufruf: „Mama, leg’ doch mal das Handy weg!“ – sie sind auf den Postkarten und Plakaten zu lesen, die das Netzwerk Pro Kids Emmerich gemeinsam mit dem Fachbereich Schule, Jugend und Sport der Stadt Emmerich nun auf dem Weg bringt. Unter dem Titel „Sprich lieber mit deinem Kind“ sollen Eltern mit der Aktion darauf aufmerksam gemacht werden, ihren Kindern mehr Beachtung zu schenken und sich nicht vom Smartphone oder Tablet ablenken zu lassen.

Smartphone im Kreißsaal lenkt Eltern von der Geburt ab

Weil es ein wichtiges Thema ist, hat sich Gaby Niemeck, Koordinatorin von Pro Kids und stellvertretende Fachbereichsleiterin, entschieden, es in einer Pressekonferenz vorzustellen. Mit dabei sind Ulla Klossek vom Familienzentrum Arche Noah und die Hebamme Maria van Husen-Röhrig. Beide berichten von fehlender Kommunikation zwischen Eltern und Kind und fragwürdigen Ausmaßen der Handynutzung:

„Wir sind bald soweit, dass wir sagen müssen: Handyfrei im Kreißsaal!“, erläutert Maria van Husen-Röhrig. Denn mittlerweile dokumentierten werdende Eltern jedes Detail der Geburt und teilen es via Social Media anstatt sich auf sich selbst, den Partner und das Baby zu konzentrieren.

Eltern können Bedürfnisse der Kinder nicht mehr deuten

Dabei sei der Blick- und Körperkontakt, besonders in der ersten Zeit nach der Geburt, sehr wichtig für die Bindung zwischen Eltern und Kind. Und auch in der Zeit danach, insbesondere während des Stillens, hat das Smartphone nichts in der Hand zu suchen. „Auf Babyniveau passiert schon Kommunikation“, mahnt sie, „bedingungslose Zuwendung“ sei beispielsweise beim Füttern immens wichtig.

Welche Auswirkungen die ständige Smartphone-Benutzung auf die Kinder hat, beschreibt Ulla Klossek. Ihr Kindergarten betreut in der Regel Kinder ab einem Jahr. „Wir stellen fest, dass die Kinder ab dem Alter das Smartphone auf jeden Fall kennen“, sagt sie. Gleichzeitig könnten viele Eltern die Bedürfnisse ihrer Kinder nicht mehr deuten. Kommunikation fehlt und bleibt auch erst einmal problematisch, denn die Kinder sprechen und lernen schlechter.

Fachfrauen raten zu mehr Qualitätszeit mit den Kindern

Probleme sehen die beiden Fachfrauen sowohl in der Mediennutzung der Eltern, als auch darin, dass Kinder mittlerweile sehr früh Smartphones zur Verfügung haben, damit mitunter beschäftigt werden. In den Schlaf gesungen würden Kinder heutzutage kaum noch, sagt Maria van Husen-Röhrig.

Verteufeln wollen sie das Smartphone aber auch nicht. Die Technik sei nun einmal da und lasse sich auch nicht wegdiskutieren. Aber sie raten zu mehr Qualitätszeit mit den Kindern, in der das Handy keine Rolle spielt. „Die Kinder müssen erleben, dass das Teil auch mal weggelegt wird“, betont Ulla Klossek.

>>>PROJEKT HAT VORREITER IN KLEVE

Hintergrund der Postkartenaktion ist eine bundesweite Kampagne, deren Layout in Emmerich allerdings auf wenig Gegenliebe stieß. Stattdessen hat man die Motive aus der Nachbarstadt Kleve übernommen, wo die Kampagne erfolgreich läuft und nun in den Nachdruck geht.

In Emmerich werden die Plakate und Postkarten nun an einschlägige Stellen – zum Beispiel Kindergärten, Grundschulen, Kinderärzte oder Beratungsstellen – verteilt und dort aufgehängt und ausgelegt. Die Einrichtungen entscheiden selbst, ob sie mitmachen wollen.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben