Bildung

Emmericher Gymnasium startet Niederländisch ab Klasse 6

Stefan Wetschewald schaut den Schülerinnen Laura, rechts, und Jana im Unterricht über die Schulter.

Foto: Thorsten Lindekamp

Stefan Wetschewald schaut den Schülerinnen Laura, rechts, und Jana im Unterricht über die Schulter.

Emmerich.   Ab dem neuen Schuljahr bietet das Willibrord-Gymnasium in Emmerich Niederländisch-Unterricht ab der 6. Klasse. Als zweite Schule in NRW.

Leben in einer Grenzregion ist eine spannende Sache. Nur ein paar Kilometer entfernt beginnt eine neue Welt: andere Menschen, andere Sitten, andere Produkte im Supermarkt und natürlich auch eine andere Sprache. Deutsche und Niederländer haben sich in den vergangenen Jahren immer besser kennengelernt und die Rivalität hat selbst auf dem Fußballplatz deutlich abgenommen.

Den Horizont erweitern

Leben in einer Grenzregion kann aber auch problematisch sein. Denn die Grenze ist oftmals immer noch eine Barriere. Studieren im Nachbarland? Geht nicht ohne gute Sprachkenntnisse. Arbeiten im Nachbarland? Dafür braucht es auch die Sprache. Und Urlaub machen im Nachbarland? Besser ist’s, wenn man ein paar Brocken versteht.

Genügend Gründe also, sich mit der niederländischen Sprache intensiver zu beschäftigen und seinen regionalen Horizont deutlich zu erweitern. Das Emmericher Gymnasium bietet daher jetzt ein neues Pilotprojekt. Als zweites Gymnasium in Nordrhein-Westfalen überhaupt bietet das Willibrord bald Niederländisch ab der 6. Klasse an.

Ab dem neuen Schuljahr können die jungen Pennäler zwischen Latein, Französisch und Niederländisch wählen. Und damit eine bewusste Entscheidung für ihren Lebensalltag treffen: Wer bis zum Abitur Niederländisch wählt, der kann sich in Zandvoort nicht nur fehlerfrei ein paar Fritjes bestellen, sondern sich auch mit den wunderbaren Gedichten von Remco Campert oder sogar mit den Rederijkers des 15. Jahrhunderts beschäftigen.

Niederländisch ist nicht Plattdeutsch

Aber man muss ja nicht gleich mit der niederländischen Hochkultur ins Haus fallen. Stefan Wetschewald ist schon froh, wenn seine Schüler die niederländischen Tageszeitungen studieren können. Gemeinsam mit den Lehrerinnen Suzanne van Kampen, Astrid Heumer und Ann-Kathrin Schwering unterrichtet er Niederländisch am Gymnasium.

Er weiß, dass viele seiner Schüler die Sprache gerne auf die leichte Schulter nehmen. Niederländisch? Das klingt doch wie Plattdeutsch. „Aber es ist ein Unterschied, ob man Inhalte passiv verstehen kann oder sie aktiv anwenden muss“, sagt Wetschewald – und freut sich immer, wenn ein Schüler zu ihm sagt, dass er „zelfsverstandelijk“ alles verstanden habe.

Der Arbeitsmarkt bietet enorme Möglichkeiten

Niederländisch ab Klasse 6 ist ungewöhnlich. Für Schulleiterin Inge Hieret-McKay aber eine ganz normale Entwicklung: „Wären wir in Saarbrücken, würde keiner hinterfragen, dass wir Französisch als zweite Fremdsprache anbieten. Und an der dänischen Grenze in Schleswig-Holstein ist natürlich das Dänische ganz wichtig.“

Der Bildungs- und Arbeitsmarkt entlang der Grenze bietet enorme Möglichkeiten, wenn man sie denn nutzen kann. Auch das ist ein wichtiger Hintergrund für das neue Angebot: „Viele Schüler möchten gerne in den Niederlanden studieren, weil hier die Bedingungen sehr gut sind“, sagt Stefan Wetschewald, der selbst in Arnheim wohnt.

Falsche Freunde gibt’s auch im Niederländischen

Da das Emmericher Gymnasium quasi Neuland betritt, werden die ersten Jahrgänge auch für die Lehrer spannend. Zwar gibt es bereits hervorragendes Lehrmaterial, aber ob ein Schüler in der 6. oder in der 9. Klasse unterrichtet wird, ist doch ein Unterschied.

„Die Grammatik bildet meistens nicht die große Herausforderung, sondern eher die vielen falschen Freunde“, sagt Wetschewald: Aardig (nett) und artig etwa, baan (Arbeitsplatz) und Bahn oder proeven (schmecken) und prüfen. Es gibt eine ganze Reihe Wörter, die man nicht eins zu eins übersetzen kann: „Auch für das Niederländische muss man Vokabeln lernen und sich anstrengen“, sagt Wetschewald.

>> INFO-ABEND AM 3. MAI

Einen ersten Informationsabend zu dem neuen Angebot am Willibrord-Gymnasium gibt es am Donnerstag, 3. Mai, ab 18 Uhr in der Schule.

Niederländisch ersetzt dann als zweite Fremdsprache die Klassiker Latein oder Französisch.

Da viele Studienfächer mittlerweile das Latinum nicht mehr vorschreiben, könne man auch ruhigen Gewissens auf die Nachbarsprache setzen.

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