Schule

Emmericher Schüler bauen Palettenmöbel und renovieren Mensa

Die Achtklässler Selim, Adrian und Oskar schrauben Räder unter die selbstgebauten Palettenmöbel  für die Mensa.

Die Achtklässler Selim, Adrian und Oskar schrauben Räder unter die selbstgebauten Palettenmöbel für die Mensa.

Foto: Thorsten Lindekamp

Emmerich.   Im Rahmen des Technik-Kurses renovieren Achtklässler der Emmericher Gesamtschule ihre Mensa. Aus Paletten bauen sie sogar die Möbel selbst.

Sie sägen, sie schleifen, sie bohren und stemmen – wenn die Achtklässler aus dem Technik-Kurs der Gesamtschule derzeit in ihrer Mensa sind, wird es dort richtig laut. Denn die 21 Schüler bauen sie gerade völlig um. Hauptaugenmerk dabei: Möbel aus alten Europaletten.

„Im vorderen Bereich kann man weiterhin essen, der hintere Bereich wird eine Lounge, wie so eine Art Schülercafé“, erklärt Techniklehrer Frederik Lach (31) die zukünftige Aufteilung. Unter seiner Aufsicht werden die Schüler hier handwerklich aktiv, schrauben Paletten zusammen oder sägen sie durch, konstruieren daraus Sitzmöbel, die gleichzeitig als Raumtrenner fungieren. Dank angeschraubter Räder sind sie flexibel, können schnell verschoben oder herausgerollt werden.

Nachhaltigkeit ist ein großes Thema an der Schule

Der Bau der Möbel für die Mensa hat verschiedene positive Aspekte. Zum einen betreiben die Jugendlichen mit dem Möbelbau aus gebrauchten Paletten Upcycling – machen aus etwas, was eigentlich im Müll gelandet wäre, noch etwas brauchbares und schonen dadurch Ressourcen.

Dieser Nachhaltigkeitsaspekt sei ihm wichtig, sagt Frederik Lach, der unter anderem auch die Schülerfirma „Rheinhaltig“ betreut, die Treibgut aus dem Rhein verarbeitet: „In der Regel cyclen wir alles up.“ Er würde nur selten neues Holz für die Technikprojekte kaufen – oftmals werden alte Dinge hier wiederverwertet.

Auch die Renovierung übernehmen die Schüler

Für die Planung ihrer neuen Mensa hatten die Schüler sich Unterstützung von einer Innenarchitektin geholt. Diese hat auch die Paletten organisiert. Um die 35 haben die Jugendlichen bereits benutzt, nun muss Nachschub her. Die Tische, die bisher prägend für den Raum waren, dürfen zum Teil bleiben. Für alle reicht jedoch der Platz nicht, was nicht mehr herein passt wandert ins angrenzende Forum, weggeworfen wird nichts.

Neben dem Bau der neuen Möbel, fällt auch die sonstige Neugestaltung der Mensa den Schülern zu: An eine Wand haben sie bereits eine große, weiße Fläche in Form einer Gedankenblase gestrichen, die als Projektionsfläche für den Beamer gedacht ist. Dazu gehört noch ein Kopfmodell, das die Jugendlichen aus den bisher angefallenen Holzresten geschaffen haben. Bald soll es die Wand ebenfalls schmücken.

Außerdem wird gerade eine Holzplatte mit Tafellack gestrichen. Später soll darauf das Mensaangebot zu lesen sein. Die Säulen, die aktuell noch den gleichen beigefarbenen Anstrich haben, wie die Wände, werden zeitnah in einem freundlichen Grünton erstrahlen und auch eine Galerie für aktuelle Kunstprojekte ist angedacht. In der hinteren rechten Ecke des Raumes entsteht bereits ein Podest – ebenfalls aus Paletten und verkleidet mit alten Küchenrückwänden – das einen separierten Sitzbereich schaffen soll.

Unterricht hat praktischen Nutzen

„Die Kinder lernen Dinge, die im wirklichen Leben auch benutzt werden“, betont Schulleiterin Christiane Feldmann einen weiteren praktischen Nutzen dieses Unterrichts. Dass die Schüler nun die Mensa umbauen sei „eine Win-Win-Situation“. Zum einen lernen die Schüler dabei ein Projekt zu planen und umzusetzen, zum anderen gibt es Anbindung an die regulären Schulfächer.

Und: „Bei so etwas übernehmen die Schüler Verantwortung!“ Das bestätigt auch Frederick Lach. Mit Dingen, die sie selbst geschaffen hätten, gingen die Schüler stets besonders sorgsam um.

Technikprojekte gibt es ab der siebten Klasse

Für die hier werkelnden Achtklässler ist der Mensa-Umbau nicht das erste Projekt. In Frederik Lachs Technik-Kursen gibt es Projekte von der siebten bis zur zehnten Klasse. Dabei müssen die Schüler jeweils auch eine Facharbeit anfertigen, in der sie das Projekt beschreiben, erklären welche Werkzeuge sie brauchen und wie das ganze umgesetzt wird. Diese Arbeit fließt dann genauso in die Note ein, wie eine Klassenarbeit.

„Das würde alles nicht funktionieren, wenn die Kollegen für die aktuelle Art des Projektlernens nicht offen wären“, ist Schulleiterin Christiane Feldmann sicher.

Ein Führerschein für die Bohrmaschine

Gerade erst haben Lachs Siebtklässler Vogelhäuschen und Insektenhotels für die Schulgärten gebaut und von den jetzigen Neuntklässlern wurden im vergangenen Schuljahr Seifenkisten gebaut, die in diesem Schuljahr weiter verfeinert werden.

Bevor sie an Säge, Schleifer und Bohrer dürfen, bekommen die Schüler natürlich erst einmal Sicherheitseinweisungen. So steht beispielsweise bereits in der siebten Klasse der „Bohrmaschinen-Führerschein“ an. Schutzbrille und Gehörschutz sind ebenfalls Pflicht bei der Arbeit mit den lauten Geräten, wie zum Beispiel der Handkreissäge.

Projektlernen kommt bei Schülern gut an

Bei den Schülern kommt diese Form des Unterrichts gut an. „Ich hab mir gleich gedacht, das wird ein tolles Projekt. Es wird aber bestimmt lange dauern“, erzählt der 14-Jährige Kacper. Recht hat er damit. Das Projekt ist zwar voll im Gange wird aber mindestens noch bis Mitte Mai andauern.

Bei Kacper hat der praktische Technikunterricht schon zu ersten Berufsorientierungsüberlegungen geführt. Er könnte sich durchaus vorstellen, später einen technischen Beruf zu ergreifen. Ähnliches habe sich auch schon bei den jetzigen Neuntklässlern gezeigt, die im vergangenen Jahr die Seifenkisten gebaut haben. „Ganz viele davon machen jetzt ihr Praktikum in einer KFZ-Werkstatt“, weiß Frederik Lach.

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