Musik

Emmericher tauchen bei Convivum musicale in andere Welt ab

Das Convivium Musical spielte am Sonntag in der St. Martini-Kirche in Emmerich.

Foto: Thorsten Lindekamp

Das Convivium Musical spielte am Sonntag in der St. Martini-Kirche in Emmerich. Foto: Thorsten Lindekamp

Emmerich.   Das Ensemble Convivum musicale bot in der Emmericher St. Martini-Kirche zu Ehren von Heinrich Isaac geistliche und weltliche Mittelaltermusik.

Angesichts der Besonderheit des Konzerts fanden nur knapp 40 Gäste den Weg in die St. Martini-Kirche, um sich dem ungewöhnlichen Projekt des elfköpfigen Weseler Ensembles Convivum musicale zu widmen.

Unter den Interessierten fanden sich auch die Emmericher Rosemarie und Michael Hövelmann. „Mich interessieren alte Instrumente. Ich habe in Frankreich Blockflöte studiert“, freute sie sich auf die kommenden 80 Minuten. „1517 ist nicht nur das Jahr der Thesen Luthers, sondern auch des Todes von Heinrich Isaac“, dankte der Organisator und Moderator des Konzerts, Guido Sold, den Gästen dafür, „sich dieser frühen Musikzeit zu widmen.“

Zwischen den einzelnen musikalischen Vorträgen zeichnete er immer wieder zwischendurch den Lebensweg des in den Niederlanden geborenen Komponisten nach, der zunächst am Florentiner Dom und später in der Hofkapelle Kaiser Maximilians gewirkt hatte und gab Infos zu den Stücken.

Instrumente aus dem Mittelalter

Was musikalisch folgte, war ein Streifzug durch die damalige Musikwelt mit fünfzehn Kompositionen von Isaac und seinen Zeitgenossen. Vorgetragen wurde das Ganze von den Musikern Sabine Bierhaus, Stefan Burs, Ulrike Diekmann, Eli Haberstroh, Gerhard Maiwald, Wolfgang Werner und den Sängern Stefan Thierfeldt. Anne Wefelnberg, Andrea Szrama und Karin Hertzog-Frese.

Die Faszination entstand dabei durch die Anwendung der mittelalterlichen Instrumente wie Gambe, Dulzian, Krummhorn oder Orgelpositiv, die den für die Zeit typische Renaissance-klang erzeugten.

Leicht-tänzelnde Kompositionen

Den Anfang machte das dreistimmig vorgetragene „Fortuna desperata iniqua e maledicta“ von Antoine Busnois, abgelöst von „T’ meisken was jonck“ von Jacob Obrecht – dem Ausgangspunkt einer von Jacob Isaac komponierten Messe, dessen „Kyrie“ und „Christe“ folgten.

Leicht-tänzelnd dagegen wirkten Isaacs Kompositionen „Ne piu bella di queste“ und „Donna di dentro di tua casa“ – gedämpfter dagegen das von Szrama und Hertzog-Frese intonierte „Quis dabit capiti meo aquam“ zum Tode Lorenzos des Prächtigen. Hymnisch geriet das „Laudate Dominum“ von Philipp Verdelot.

Welches Stück nicht fehlen durfte

Zwischendurch warf das Ensemble mit „in Gottes Namen faren wir“ auch weltliche Stücke Isaacs mit ein, in dem eine Frau ihrem Mann Hörner aufsetzt: „Wie gefällt Dir, dass ich bei Deinem Buhlen sitze?“ heißt es da in einer Zeile. Das „Fortuna desperata/Sancte Petre“ wirkte fast wie ein gesungenes Gebet, bewegt-atmosphärisch dagegen das „De Sacto Martini“.

Natürlich durfte auch das bekannte Werk „Innsbruck ich muss Dich lassen“ in der Version Isaacs und in der „Fantasia“ von Paul Lütkemann nicht fehlen. Nach gut 80 Minuten endete ein ungewöhnlicher Musiknachmittag, den eine Zuhörerin beim Hinausgehen mit den Worten kommentierte: „Das ist eine ganz andere Welt.“

>> DAS IST DAS CONVIVUM MUSICALE

Das Ensemble Convivum musicale aus Wesel konstituierte sich in seiner heutigen Form Ende der 90er-Jahre. Erstmals öffentlich trat es im Jahr 2000 im Rahmen einer kirchlichen Konzertreihe auf.

Ihre Mitglieder sind teils professionelle Musiker, mehrheitlich aber Amateure. Sie kommen aus dem Ruhrgebiet, München, Xanten und Wesel – erweitert auch aus dem Münsterland und den Niederlanden.

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