Paketzustellung

Emmericher werden täglich mit fremden Paketen zugeschüttet

Dagmar und Andreas Kroh bekommen seit Anfang Januar zig Pakete am Tag zugestellt. Zwei Chinesische Online-Händler missbrauchen ihre Adresse für Retour-Sendungen.

Dagmar und Andreas Kroh bekommen seit Anfang Januar zig Pakete am Tag zugestellt. Zwei Chinesische Online-Händler missbrauchen ihre Adresse für Retour-Sendungen.

Foto: Thorsten Lindekamp / Funke Foto Services GmbH

Hüthum.  Familie Kroh bekommt seit Januar Dutzende Retour-Pakete wildfremder Menschen zugestellt. Zwei chinesische Händler missbrauchen ihre Adresse.

Die vergangenen zwei Wochen waren hart für Andreas und Dagmar Rosemarie Kroh. Jeden Tag klingelt es mehrmals an der Haustür: Der Paketbote steht mit mehreren Päckchen im Arm auf der Matte – Retourensendungen aus ganz Deutschland. Die Emmericher sind verzweifelt: „Zwei Händler aus China missbrauchen unsere Adresse für unliebsame Rücksendungen“, erzählt Andreas Kroh. Seit Anfang Januar wurden so über 200 Pakete an die Adresse in Hüthum zugestellt.

Dagmar Rosemarie Kroh ist mittlerweile mit den Nerven am Ende. Jeden Tag das gleiche Spielchen. Mittlerweile kennt sie die Wagen von Post, Hermes, DPD, UPS und GLS. Sie alle wollen die Rücksendungen wildfremder Menschen bei ihnen abgegeben. „Wir haben unseren Winterurlaub abgesagt, aus Angst, dass nach zwei Wochen hier alles voll liegt mit Paketen“, sagt Dagmar Rosemarie Kroh. Sie verlässt seit Wochen nicht mehr das Haus.

Warum gerade ihre Adresse von zwei chinesischen Online-Händlern als Retourenannahme missbraucht wird, weiß das Emmericher Ehepaar nicht. Andreas Kroh hat zuletzt vor einem Dreivierteljahr etwas bei Ebay mit seinem Namen bestellt. Der Spediteur firmiert im Internet zudem auch unter der Firmenbezeichnung KPT-Kroh. „Dies hat vermutlich den Adressenmissbrauch begünstigt“, vermutet er. Sicher wissen tut er es nicht.

Emmerich: Händler wollen die Retouren nicht zurückhaben

Fest steht, dass die ersten Päckchen mit Schuhen, Kleidung, Dildos und sonstigen China-Waren Anfang Januar eintrudelten. Um festzustellen, warum auf einmal so viele Sendungen nach Hüthum geschickt werden, haben die Krohs zwei Pakete geöffnet und konnten so die chinesischen Händler ausfindig machen, die ihren Kunden die Emmericher Adresse für Rücksendungen angegeben haben. Für Andreas Kroh steht fest: „Die Händler wollen die Billigwaren auf keinen Fall zurück haben. Die Retouren nach China wären für sie viel zu teuer, da ist es billiger, sie abzuschreiben und in Europa zu belassen.“

Die Krohs aus Hüthen müssen mit dem Ärger leben

Mit dem Ärger müssen sich die Krohs auseinandersetzen. Denn die Kunden, erhalten die von ihnen verweigerten Pakete wieder zurück: „Die rufen dann bei uns an und werden ausfallend“, schildert die 54-Jährige. Ihre größte Sorge: „Was ist, wenn ein Käufer mal wutentbrannt vor unserer Tür steht? Wie soll ich dem das denn überhaupt erklären?“

Finanziell entsteht offenbar weder den Krohs noch den Kunden ein Schaden, da die Waren entweder vom Händler beglichen werden oder das Geld erstattet wird. „Die Waren könnten wir theoretisch behalten, aber was sollen wir mit dem Billigschrott“, fragt sich Kroh.

Eine Anzeige hat wenig Aussicht auf Erfolg

Bei der Emmericher Polizei mussten sie schnell feststellen, dass eine Anzeige relativ wenig Aussicht auf Erfolg hat, da die Händler in China zu weit weg sind, um für solche Bagatellen belangt zu werden. Die Emmericher Polizei habe den Fall dennoch der Staatsanwaltschaft Kleve übergeben, so Kroh.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben