Hanse-Realschule

Ende der Hanse-Realschule: ein komisches Gefühl für Emmerich

Schulleiter Jürgen Straetmans schließt symbolisch als letzter die Tür an der Hanse-Realschule in Emmerich ab. Foto: Christian Creon / FUNKE Foto Services

Schulleiter Jürgen Straetmans schließt symbolisch als letzter die Tür an der Hanse-Realschule in Emmerich ab. Foto: Christian Creon / FUNKE Foto Services

Foto: Christian Creon

Emmerich.  Die Hanse-Realschule in Emmerich läuft aus. Schulleiter Jürgen Straetmans ist seit 1966 fast durchgehend mit der Schule verbunden. Feier geplant.

Im Dezember 1966 hatte er selbst hier seinen ersten Schultag an einer weiterführenden Schule. Wenn Jürgen Straetmans im Juli die Tür der Hanse-Realschule abschließt, dann schließt sich für den heutigen – kommissarischen – Schulleiter der Kreis. Die beliebte Realschule läuft aus. Ein komisches Gefühl für ganz Emmerich, für die Schüler und Lehrer vor allem und ganz besonders für Jürgen Straetmans: „Die Realschule in Emmerich hatte immer eine besondere Seele.“ Ob auf dem weiteren Schulweg oder in der Berufswelt: „Unsere Schüler wurden immer gerne genommen.“

124 Schüler zählt der letzte fünfzügige Jahrgang der Realschule. Nach deren Abschlussprüfung etwa zwei Wochen vor den Ferien, wird es schon sehr ruhig im Realschul-Trakt am Grollscher Weg. Die Verabschiedung wird wie sonst auch im Stadttheater, das ja auch die Aula der Realschule darstellt, durchgeführt.

Damals waren Mädchen und Jungen noch getrennt im Unterricht

Nachdem die Realschule 1963 unter der Leitung von Erich Risse in dem Eckgebäude an der Gerhard-Storm-Straße/Ecke ‘s-Heerenberger Straße gegründet wurde, zog sie 1966 zum Grollscher Weg. Durch einen Wechsel der Taktung mit zwei Kurzjahren wurde somit auch Jürgen Straetmans im Dezember 1966 hier in Klasse 1 eingeschult. Das entsprach an der Realschule damals Klasse 5. „Jungs und Mädchen wurden damals noch getrennt“, so Straetmans.

Als Straetmans als Lehrer zurück zur Realschule kam, waren nun fünf seiner Ex-Lehrer zu seinen Kollegen geworden. Schulleiter Gerd Ashauer, der 1972 übernahm, lockte den Emmericher zurück in seine Heimat, nachdem er vorher eigentlich recht entspannt nur Erwachsene an der Abendrealschule in Essen unterrichtet hatte. So kam der damals 33-Jährige im Jahre 1986 zurück zur Realschule: „Hier tobte das Leben“, sagt Straetmans.

Auf einer Radtour als Konrektor ausgeguckt

Als Ashauer 1991 in Rente ging, folgte ihm Jochen Stemmer, aber nur bis 1993. Dann übernahm Alfred Peil kommissarisch die Schulleitung. Auf einer Radtour der Lehrer meinte er, es wäre schön, wenn ein Lehrer ihn in der Leitung unterstützen könnte. „Es war meine Kollegin Marita Neu, die sagte: ‘Jürgen, kann das doch schön machen’.“ So wurde Straetmans bequatscht und übernahm die Konrektoren-Stelle.

Wenige Monate später im Jahr 1994 wurde Brigitte Schulze-van der Waal Schulleiterin. Straetmans war ihr als Konrektor sehr recht, denn er kannte sich im Gegensatz zu ihr, vor Ort gut aus.

Jürgen Straetmans wechselt zur Leni-Valk-Realschule in Goch

2011 wurde Christiane Feldmann neue Schulleiterin. Nachdem der Rat dann für ein Auslaufen von Real- und Europaschule und für die Gründung der Gesamtschule stimmte, wurde Feldmann 2014 hier neue Leiterin. „Ich bin gefragt worden, ob ich als kommissarischer Leiter die Realschule abwickeln würde“, sagt Straetmans, der ab dem kommenden Schuljahr nochmal für drei Jahre Konrektor der Leni-Valk-Realschule in Goch wird. Bedingung war für ihn, dass Doris Hemsing-Vogl auch Konrektorin werden würde. Bis zu ihrem Tod 2015 stand sie Straetmans zur Seite.

Zweite Bedingung: „Mir war es wichtig, dass jeder Schüler bis zum letzten Tag das Gefühl hat, an einer vollwertigen Schule zu sein.“ Erst jüngst habe er von Eltern das Lob bekommen, das genau dies gut geklappt habe. Es sei wenig Unterricht ausgefallen und alle Fächer konnten Aufrecht gehalten werden.

Keine Klübchen, keine Einzelkämpfer im Kollegium

Die Entscheidung zum Ende der Realschule war zwar für alle ein Schock, aber Straetmans blieb gerne: „Das Klima war immer äußerst ausgeglichen. Wir hatten immer ein gut funktionierendes Kollegium.“ Es gab keine Klübchen, keine Einzelkämpfer, Neulinge seien mit offenen Armen empfangen worden.

Bewerbungen auf Schulleiterstellen waren über die Jahre immer an der Quote gescheitert. Irgendeine weibliche Bewerberin hatte immer einen Vorteil. „Ich bin aber eigentlich immer gerne hier geblieben“, trauert Straetmans keinen verpassten Chancen nach. Wie viele andere auch: Es sei kein Zufall, dass zum Beispiel ein Mike Hawes als Rentner immer noch aus Bochum anreise, um seine Englisch-Klassen zu unterrichten. Auch Französisch-Lehrerin Ortrud Ijben habe aus Spaß am Job weiter gemacht.

Große Abschiedsfeier für alle am 6. Juli

Alle, die jemals etwas mit der Realschule zu tun hatten, können am Samstag, 6. Juli, ab 19 Uhr auf einem großen Abschiedsfest Tschüss sagen. Mit Musik, Getränken, Flammkuchen und alles, was ein Pommes-Wagen zu bieten hat, wird nochmal gefeiert. Für viele ein großes Wiedersehen. Ein letztes Mal an ihrer alten Schule.

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