Bürgermeisterwahl

FDP-Kandidat Johannes Epping sieht sich als Außenseiter

Johannes Epping möchte Bürgermeister von Isselburg werden.

Johannes Epping möchte Bürgermeister von Isselburg werden.

Foto: Konrad Flintrop

Isselburg.   Am 14. Januar 2018 wählen die Isselburger ein neues Stadtoberhaupt. Für die FDP wirft Johannes Epping aus Heelden seinen Hut in den Ring.

Johannes Epping möchte Bürgermeister werden. Der 52-Jährige tritt am 14. Januar für die FDP an, für die er auch im Stadtrat sitzt.

Herr Epping, Sie als Ur-Heeldener zu bezeichnen, ist wohl keine Übertreibung?

Stimmt. Schon mein Vater ist in Heelden geboren. Ich bin hier als jüngstes von sieben Kindern aufgewachsen und lebe noch heute in meinem Elternhaus. Ich habe mal versucht, ein Wochenende irgendwo anders zu leben, aber – nein – das war nichts. Ich gehöre hier hin.

Zur Bürgermeisterwahl treten drei Kandidaten aus drei verschiedenen Ortsteilen an: Isselburg, Anholt und Heelden.

Richtig. Das ist ganz spannend. Ich bin nicht nur körperlich der kleinste, sondern auch der unerfahrenste, ich wohne im kleinsten Ort und ich habe die kleinste Partei hinter mir. Also bin ich der absolute Außenseiter.

Wann ist die Entscheidung bei Ihnen gereift, bei der Bürgermeisterwahl anzutreten? Wie ist es überhaupt dazu gekommen?

Wie es ja in den Medien stand, wollte die FDP ursprünglich eine öffentliche Debatte zwischen Olaf Roßmüller und Michael Carbanje haben. Ich persönlich fand diese Entscheidung falsch.

Wieso?

So an sich war der Gedanke schon gut, aber es hieß, danach entscheidet sich die FDP, ob sie einen eigenen Kandidaten aufstellt oder nicht. Da war ich, auch unter dem Vorbehalt, dass ich gar nicht der Kandidat bin, sondern irgendjemand anders – wenn überhaupt – der Meinung, dass diese Entscheidung falsch ist. Wenn wir erst nach der Diskussion gesagt hätten, wir haben da einen besseren Kandidaten, macht das nach außen ein schlechtes Bild. Zudem hätte der FDP-Kandidat dann ja auch eine Debatte weniger.

Dieses Argument hat dann offensichtlich überzeugt.

Stimmt, es hieß dann von Seiten der Partei, dass ich mich ja seit Jahren für Heelden und Isselburg einsetze. Auch schon als Nicht-Politiker. Und ich wurde gefragt, willst Du es nicht machen?

Haben Sie sofort zugesagt?

Ich habe mir eine Bedenkzeit erbeten. Nach Rücksprache mit der Familie habe ich mich dann entschlossen, dass ich antrete.

Sie sind erst in relativ hohem Alter in die FDP eingetreten. Warum?

Ich bin so etwas wie ein Quereinsteiger. Mitglied in der FDP bin ich seit dem 11. Dezember 2013. Hermann Gebbing hat da viel Überzeugungsarbeit geleistet, weil ich mich nicht als typischen Politiker sehe. Ich kann nicht lange um den heißen Brei herumreden. Vor diesem Hintergrund hat mich dann auch das Wahlergebnis bei der letzten Kommunalwahl total überrascht, als ich 21 Prozent in meinem Bezirk geholt habe und noch vor der SPD gelandet bin.

Jetzt sind Bürgermeisterwahlen immer sehr spannend, da es ja keine Umfragen und Prognosen gibt. Wie schätzen Sie dieses Mal ihre Chance ein?

33 Prozent – rein statistisch (lacht).

Wie sind die Reaktionen aus Ihrem Umfeld, dass sie Bürgermeister werden wollen?

Bisher durchweg positiv. Die einzige Frage, die mir immer gestellt wird, ist, ob ich das gesundheitlich schaffe. Ich hatte im Februar einen Herzstillstand, aber ich bin wieder voll auf der Höhe. Im Nachhinein war das wie ein Jungbrunnen für mich und ich sehe überhaupt kein Problem, dass ich die sieben Jahre nicht durchhalten könnte.

Wo würden Sie als Bürgermeister als erstes den Hebel ansetzen?

Man muss sagen, dass man als Bürgermeister in vielen Punkten auf den Rat angewiesen ist. Ich denke, die Hauptaufgabe eines Bürgermeister besteht darin, sich selbst erst einmal eine Meinung zu bilden und auch Innovationen zu haben. Er sollte eine Vorstellung haben, wie die Stadt Isselburg vorankommt. Diese, seine eigene Meinung muss er dann dem Rat so darlegen. Das habe ich so im Rat noch nicht erlebt. Ich will niemanden schlecht machen, ich meine nur, ich würde es anders machen.

Wie sähe es dann konkret aus?

Wenn ich zum Beispiel sage, wir brauchen den Hochwasserschutz unbedingt, weil wir sonst Schwierigkeiten kriegen mit weiteren Baugebieten. Dann muss ich, auch wenn es eine Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden gibt, trotzdem als Bürgermeister gucken, wie ich die Stadt trocken halte. Da können wir keine langen Debatten im Rat führen. Jede Fraktion hat ihre Meinung, aber wir brauchen trotzdem jetzt eine Entscheidung. Ich würde dann in die einzelnen Fraktionen hineingehen und sie überzeugen, dass wir handeln müssen. Das passiert aber aktuell nicht.

Können Sie noch ein weiteres Beispiel nennen?

Gerne. Wenn ich ein Großprojekt habe und ich jemanden diese Aufgabe übertragen habe – also die Arbeit delegiert habe, würde ich aber trotzdem als Bürgermeister in regelmäßigen Abständen nicht nur zu meinem Mitarbeiter gehen, sondern auch auf die Baustelle und fragen, liegt ihr im Zeitplan, wo gibt’s Schwierigkeiten, liegt ihr im Kostenrahmen? Und nicht auf einmal nach Jahren feststellen, oh da läuft ja alles schief.

Sie haben Baugebiete angesprochen, wie wichtig ist das für Isselburg?

Das Thema Baugebiete möchte ich auf jeden Fall vorantreiben. Ich hätte es allerdings schon ganz gerne, dass da nicht nur alles Einfamilienhäuser gebaut werden. Ich hätte es gerne, dass Isselburg für alle Bürger attraktiv ist, auch für Neubürger, die sich vielleicht nicht für ein Einfamilienhaus interessieren. Von daher hätte ich gerne auch Mehrfamilienhäuser. Nicht, dass wir uns falsch verstehen, ich rede hier jetzt nicht von Hochhäusern, sondern von Mehrfamilienhäusern für vier bis sechs Familien. Ich weiß nicht, ob das die Bürger so wollen, aber wenn sie es ähnlich sehen, sollten sie mich wählen, weil meine beiden Mitwerber das wohl nicht so sehen.

Der Bürgermeister ist nicht nur erster Repräsentant der Stadt, sondern auch Chef der Verwaltung. Wie würden Sie diese Aufgabe denn angehen?

Ich bin seit 52 Jahren Bürger der Stadt und ich bin in allen möglichen Lebenslagen immer wieder mit der Stadtverwaltung konfrontiert worden. Ich bin immer positiv behandelt worden. Ich persönlich kann nichts negatives über die Stadtverwaltung sagen. Aber es gibt Schwierigkeiten, wie wir im Rat immer wieder sehen. Kein Außenstehender kann sagen, woran es liegt. Deswegen würde ich als neuer Bürgermeister erst einmal die Leute so machen lassen, wie sie es meinen – also so, wie sie es bisher schon immer taten. Wenn ich dann sehe, da und da hapert es, dann führe ich Gespräche und sehe zu, dass dafür Lösungen gefunden werden.

Sie sind ja auch bekanntlich digital sehr affin.

Ja, Digitalisierung ist für mich immer ein großes Thema. Da hat Rudi Geukes ja in Zusammenarbeit mit den vielen Multiplikatoren, von denen auch ich einer war, schon einiges geschafft. Doch da bin ich sehr enttäuscht von der Deutschen Glasfaser, weil ich ja in Heelden in Eigenregie, ich bin selbst von Haus zu Haus gegangen, mehr als 40 Prozent geholt habe. Man hatte mir damals telefonisch zugesagt, dass dann in Heelden auf jeden Fall Glasfaser verlegt wird. Hinterher sind dann alle möglichen Nachfragen nur ganz vage beantwortet worden. Und plötzlich hieß es nein. Wenn ich das von vornerein gewusst hätte, hätte mich nicht dermaßen engagiert.

Falls Sie nicht gewählt würden, wie sieht ihr Alltag ab dem 15. Januar aus?

Genau so wie jetzt. Ich würde dann sicherlich nicht in eine Depression verfallen.

>> DER WERDEGANG

Johannes Epping lebt mit seinem Ehemann noch heute in seinem Elternhaus in Heelden. Aus seiner ersten Ehe hat er drei mittlerweile erwachsene Kinder.

Der 52-Jährige ist gelernter Bäcker, arbeitete anschließend unter anderem als Lagerleiter und machte sich dann selbstständig mit einem Unternehmen für Druck- und Werbetechnik. Mittlerweile ist er Privatier. „Ich habe keine Langeweile“, sagt der engagierte Heeldener, der unter anderem den Weihnachtsmarkt im Ort organisiert.

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