Maria 2.0

Frauen protestieren in Emmerich gegen Kirchen-Strukturen

Die Frauen hatten einen eigenen Wort-Gottesdienst vorbereitet.

Die Frauen hatten einen eigenen Wort-Gottesdienst vorbereitet.

Foto: Thorsten Lindekamp

Emmerich.   Über 50 Männer und Frauen nahmen an der Protestaktion der Frauen unter dem Motto „Maria 2.0“ vor der Heilig-Geist-Kirche in Emmerich teil.

Wie gewohnt läuteten um 9.45 Uhr die Glocken der Heilig-Geist-Kirche. Kirchgänger, die sich daraufhin auf den Weg zum Gotteshaus machten, standen am Sonntagmorgen vor geschlossener Tür. Nicht ohne Grund: Emmericher Katholikinnen machten vor der Kirche gegen alte Kirchen-Strukturen mobil.

Mit T-Shirts, Armbändern, Postkarten, Transparenten und einem eigenen Wort-Gottesdienst begingen sie ihre Form der Protestaktion unter dem Titel „Maria 2.0“. Und diese blieb nicht unbeachtet: Rund 50 Frauen und auch Männer kamen, um sich solidarisch zu zeigen. Darunter auch Pfarrer Bernd de Baey.

„Unerträglichen Zustände“ im Gotteshaus

„Wir Frauen sind ein wichtiger Teil der Kirche. Ohne uns ist die Kirche leer“, so Anne Puttkammer seitens der kfd St. Christophorus, die zusammen mit ihrem achtköpfigen Team den Kirchenstreik organisiert hatte. Ausgangspunkt dessen war ein Brief an den Papst, den einige Frauen aus dem Münsterland im Februar geschrieben hatten.

Sie monierten die „unerträglichen Zustände“ im Gotteshaus und riefen zum Protest auf.

Klagen und Forderungen Nachdruck zu verleihen

Sie beklagten nicht nur die vielen Fälle von Missbrauch in der römisch-katholischen Kirche, deren Vertuschung und Verdunkelung durch Amtsträger, sondern forderten auch den Zugang von Frauen zu allen Ämtern der Kirche.

Um diesen Klagen und Forderungen Nachdruck zu verleihen, sollten Frauen vom 11. bis 18. Mai in den Kirchenstreik treten, keine Kirche betreten und ihre Dienste niederlegen.

Die eigentlichen Messen entfielen

Auch Emmericher Katholikinnen wollten sich beteiligen. „Gemeinsam haben wir dann überlegt, wie eine solche Aktion in Emmerich laufen kann, ohne die falschen Signale zu senden“, so Pfarrer Bernd de Baey am Sonntagmorgen. Keiner sollte sich entscheiden müssen, ob er nun den Gottesdienst besucht oder lieber draußen „mitprotestiert“.

„Ich hätte einfach ein ungutes Gefühl gehabt“, so de Baey. Daher wurde am Sonntag um 10 Uhr vor der Kirchentür von Heilig-Geist und um 18 Uhr von St. Martini gesungen und gebetet. Und auch informiert und Unterschriften gesammelt. Die eigentlichen Messen entfielen.

Frage zur Rolle der Frau in der Kirche klären

Positiv sah auch Pfarrer Bernd de Baey die Protestaktion der Frauen. „Frauen in der Kirche ist ein Thema, das die Kirche schon lang beschäftigt“, erklärte der Geistliche. Die Frage zur Rolle der Frau in der Kirche stelle sich verschärfter den je.

„Die Frage muss nun ganz dringend seitens der Kirche einheitlich geklärt werden“. Er gab aber auch ganz klar zu: „Ich selbst weiß auch keine Lösung. Vor allem darf es nicht zu einer Kirchenspaltung kommen“, so de Baey.

Frauen in der Kirche seien eigentlich unerlässlich. „Und tun auch der Kirche gut“.

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