Geflügelpest

Geflügelbauern im Kreis Kleve sorgen sich wegen Geflügelpest

Mit Gänsen verdienen manche Geflügelbauern ihr Geld. Greift die Geflügelpest um sich, müssen die Tiere womöglich gekeult werden. Und das auch noch zu Corona-Zeiten.

Mit Gänsen verdienen manche Geflügelbauern ihr Geld. Greift die Geflügelpest um sich, müssen die Tiere womöglich gekeult werden. Und das auch noch zu Corona-Zeiten.

Foto: Christian Charisius / dpa

Kreis Kleve.  Kreisbauer Michael Seegers äußert sich besorgt um grassierende Geflügelpest. Erster Fall im Kreis Kleve vom Donnerstag in Emmerich schreckt auf.

Nach dem ersten Fall von Geflügelpest im Kreis Kleve in Emmerich bangen alle Geflügelhalter im Kreis Kleve. Vor allem natürlich jene, die mit Gänsen, Hühnern und Co. ihr Geld verdienen: „Wir müssen jetzt noch wachsamer sein“, sagt Michael Seegers, der noch recht neue Vorsitzende der Kreisbauernschaft Kleve aus Kalkar.

Er sei in großer Sorge, schließlich zögen jährlich 180.000 bis 200.000 Gänse über die Äcker und Grünflächen im Kreis Kleve. Wenn die den Virus H5N8 nun in einen landwirtschaftlichen Betrieb tragen würden, dann könnte der schlimmste Fall eintreten: Das Geflügel müsste gekeult werden. Ganze Existenzen hängen daran.

Noch herrscht keine Stallpflicht

Die drohende Geflügelpest kommt zur Unzeit. Die Landwirte sind durch die Corona-Pandemie schon geplagt, kriegen zum Beispiel ihre Gänse, die jetzt dick und rund sind nur zu Dumping-Preisen an den Mann. Hier gebe es keine staatliche Unterstützung. Seegers hoffe, dass man „Hand in Hand mit den Restaurants“ viele Gänse-Menüs zum Ausliefern oder Abholen verkaufen könne. Seegers hat die Sorge, dass wegen solcher Nachrichten noch mehr Menschen Abstand vom Verzehr von Geflügel nehmen, obwohl nicht davon auszugehen sei, dass geschlachtete Tiere infiziert waren.

Noch herrscht noch nicht einmal eine Stallpflicht für hiesige Geflügelhalter. Die eine am Deich aufgefundene tote Wildgans, die infiziert war, wurde zum Glück in einem Gebiet aufgefunden, wo die Geflügeldichte gering ist. Dennoch appelliert Michael Seegers an seine Kollegen: „Jeder, der die Möglichkeit hat, sollte seine Tiere im Stall halten.“ Präventiv.

Trend zur Freilandhaltung vergrößert das Problem

Seegers weiß, dass ein Trend der letzten Jahre dem völlig entgegen steht: Der Trend zu mehr Freilandhaltung. „Das ist ein großes Problem für diese Landwirte.“ Sie haben gar nicht die Anlagen, um all die Tiere entsprechend im Stall zu halten.

Die Zahl der Geflügelbauern ist nach NRZ-Informationen in den vergangenen Jahren im Kreis Kleve zurück gegangen. Ein Emmericher Landwirt, der nicht namentlich genannt werden möchte, berichtet, dass die Geflügellandwirtschaft Richtung Polen abgewandert sei. In Emmerich und Rees gebe es kaum noch Geflügelbauern. Michael Seegers konnte die Zahl der Geflügellandwirte im Kreis Kleve bzw. wie viele Tiere diese halten spontan am Telefon nicht nennen.

Der Kreisbauer Seegers hatte übrigens schon, wie er sagt, häufiger dafür plädiert, ausgewiesene Gebiete frei von Wildgänsen zu halten, indem etwa dort verstärkt vergrämt werde durch Flatterbänder und Vogelscheuchen.

>> Nachbarkreis Borken bereitet der Emmericher Fall Sorgen

Die Nachricht aus Emmerich hat auch schon den Nachbarkreis Borken aufgeschreckt. Der Landwirtschaftliche Kreisverband Borken appelliert nochmals an alle Geflügelhalter – sowohl Landwirte wie auch Hobbyhalter – zu überprüfen, ob ihre Haltungsform ausreichend Schutz vor einer Übertragung des Geflügelpest-Erregers bietet.

Seit Ende Oktober war der Erreger H5N8 bei verendeten Wildvögeln in mehreren norddeutschen Bundesländern festgestellt worden. Auch in Nutzgeflügelbeständen wurde der für Menschen wohl ungefährliche, aber für Geflügel hochpathogene Influenza-A-Subtypschon nachgewiesen – Anfang November auch in einem Hühnerbetrieb nahe Nimwegen in der niederländischen Provinz Gelderland .

„Das Risiko wird noch einige Monate lang hoch bleiben“

Vertreter des Landwirtschaftsministeriums in Düsseldorf und auch der Veterinärbehörde des Kreises Borken halten das Risiko des Eintrags der Erkrankung in Geflügelhaltungen und Vogelbeständen in zoologischen Einrichtungen für hoch. Kreisveterinär Dr. Manfred Ulrich: „Mit Blick auf das Geschehen der letzten Geflügelpestwelle 2017 befürchte ich, dass es jederzeit auch uns treffen kann. Das Risiko wird noch einige Monate lang hoch bleiben.“

Der Stellvertretende Kreisverbandsvorsitzende Heinz-Josef Elpers, selbst Geflügelhalter, sagt: „Jeder Geflügelhalter sollte alles noch mal auf den Prüfstand stellen, um die betrieblichen Vorsorgemaßnahmen zu optimieren. Besonders auch die Hobby-Geflügelhalter bitte ich, sich jetzt intensiv Gedanken über das Thema Biosicherheit zu machen.“

Wo das Risiko am höchsten ist

Über allem stehe es, die Kontaktmöglichkeiten zwischen Wildvögeln und im Freiland gehaltenem Hausgeflügel möglichst zu verhindern. Zu Bereichen, die ein hohes Risiko für eine mögliche Einschleppung darstellen, gehören offene Futterstellen ebenso wie Einträge von Exkrementen von Wildvögeln in die Ausläufe oder in die Ställe durch Futter, Werkzeug und Schuhe.

Als wichtigste Biosicherheitsmaßnahmen empfiehlt das Kreisveterinäramt:

  • Betreten des Stalls/Auslaufs nur in betriebseigener Schutzkleidung mit stallspezifischem Schuhwerk.
  • Gründliches Händewaschen mit Wasser und Seife vor und nach Betreten des Stalls/Auslaufs.
  • Füttern des Geflügels im Stall und Tränken mit Leitungswasser (nicht mit Regenwasser oder anderem Oberflächenwasser).
  • Futter, Einstreu und weitere Gegenstände, die mit dem Geflügel in Berührung kommen, müssen für Wildtiere unzugänglich aufbewahrt werden.

Darüberhinausgehende Hilfestellung bietet die Geflügelpest-Risikoampel unter www.risikoampel.uni-vechta.de .[In unserem lokalen Newsletter berichten wir jeden Abend aus Emmerich, Rees und Isselburg. Den E-Mail-Newsletter können Sie hier kostenlos bestellen .]

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