Unfallopfer

Glück im Unglück hatte die Haldernerin Esther Strutmann

Gottvertrauen hat Esther Strutmann beim Unfall geholfen.

Foto: E. Hanf

Gottvertrauen hat Esther Strutmann beim Unfall geholfen. Foto: E. Hanf

Haldern.   Die Haldernerin ist auf dem Weg zu Senioren gewesen, die sie an dem Tag als Demenzbegleiterin betreuen wollte, als sie bei Blitzeis verunglückte.

Esther Strutmann hatte nach zwei Tagen stationären Aufenthalts im Krankenhaus nur einen Wunsch, allen zu danken, die ihr bei ihrem Unfall zur Seite standen. „Ich bin sehr gläubig und weiß, dass ich einen Schutzengel hatte“, blickt die 52-jährige Haldernerin auf den Unfall zurück, der sich am vergangenen Freitag bei Blitzeis auf der L7 zwischen Bienen und Praest ereignete.

Hinter Bienen wurde die Straße plötzlich glatt

Die Demenzbetreuerin war mit ihrem Mitsubishi Colt von Alt Sonsfeld aus auf dem Weg nach Emmerich. Hinter Bienen wurde die Straße plötzlich glatt, sie fuhr langsamer und wurde sogar noch überholt. In der Hueth’schen Kurve dann passierte es. Der Wagen schlingerte, sie versuchte gegenzusteuern, „und dann flog ich wie in einem Actionfilm im Wagen durch die Luft.“ Kurz wurde alles schwarz, dann hing sie über Kopf in den Gurten. Alles war dunkel, denn der Colt lag festgeklemmt im zwei Meter tiefen Graben. Keine Tür, kein Fenster ließen sich öffnen. „Ob jemand anhält?“, fragte sie sich für einen Moment, doch dann schon hörte sie Stimmen. „Ich hätte nicht geglaubt, dass Menschen so hilfsbereit sind. Ich habe schon anderes erlebt“, dankt sie allen Unfallhelfern und ganz besonders dem lieben Gott.

Ein Ersthelfer legte sich zur Kontaktaufnahme flach in den Graben

Inzwischen hatten mehrere Fahrer angehalten. Ein Ersthelfer legte sich flach in den Graben und fragte vorsichtig durch einen Spalt, ob die Person im Wagen ansprechbar sei. Um so erstaunter waren die zur Hilfe geeilten Passanten, denen der Schreck ebenfalls in den Gliedern steckte und die nach dem Aussehen des Pkw mit dem Schlimmsten rechneten, als eine Stimme im Auto sagte: „Können Sie bitte bei meinem Arbeitgeber anrufen, dass ich verunglückt bin und nicht kommen kann?“ Sogar die Telefonnummer ihrer Chefin vom Pflegedienst Gabriele Janssen gab Esther Strutmann durch. „An diesem Tag musste ich vier Senioren in Emmerich, Kleve und Kellen betreuen. Und die warten doch auf mich und müssen Bescheid wissen“, sorgte sie sich unmittelbar nach dem Unfall.

Die Musik im Auto spielte noch

Inzwischen hatte sie den Gurt gelöst und dadurch ihre Lage im Auto etwas verbessert. Dass sie eine zehn Zentimeter lange Schnittverletzung am Kopf hatte, realisierte sie zu dem Zeitpunkt noch nicht. Dann bat sie den 46-jährigen Ersthelfer darum, doch ihre Handynummer anzurufen. „Das Handy hatte mir gerade meine Freundin geschenkt, worüber ich mich so gefreut habe. Ich wollte es auf jeden Fall finden und sehen, ob es noch funktioniert.“ Mit diesem Handy rief sie dann, immer noch eingeschlossen im Wagen, ihren Mann an, der linksrheinisch unterwegs war. Als sie ihm ihre Situation schilderte, konnte er kaum glauben, was er da hörte. „Kannst du Arme und Beine zu bewegen?“, fragte er besorgt. „Die Zeit zwischen dem Unfall und dem Eintreffen der Feuerwehr empfand ich wie im Nu. Denn alle haben beruhigend auf mich eingeredet und die Musik im Radio lief auch noch.“ Sie trug eine dicke Jacke und auch eine Mütze, die wohl die Kopfverletzung abgefedert hat.

Die Verunglückte ist noch körperlich angeschlagen

Bevor sie aus dem Wagen über den Kofferraum befreit wurde, bat sie dringend darum, die Patientenakten sichern, damit sie nicht in falsche Hände kommen. Der Wagen hat Totalschaden. „Er war sehr alt und nicht mehr versichert.“

Esther Strutmann ist noch angeschlagen, die Schultern schmerzen, die Naht am Kopf ebenso. Silvester hatte sie nur einen Wunsch, „zu schlafen“. Ob sie Hilfe benötigt, den Schock zu überwinden? „Wir hier vom Land sind etwas härter im Nehmen“, meint sie. Doch beim Anblick der Fotos ist ihr, ihrem Mann, Sohn und Tochter klar geworden: Ihr wurde ein zweites Leben geschenkt, nicht nur ein Schutzengel, sondern eine ganze Abordnung war für sie im Einsatz. Der Spruch „Gott gebe mir ... die Kraft aufzustehen und es wieder zu versuchen – nur für heute“ hängt nicht erst seit heute über ihrem Küchentisch.

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