Großübung

Großübung am Spital in Emmerich hält Einsatzkräfte auf Trab

Mit Atemschutz geht’s für die Feuerwehr in die verrauchte Geriatrie. Für eine Großübung am Krankenhaus Emmerich.

Mit Atemschutz geht’s für die Feuerwehr in die verrauchte Geriatrie. Für eine Großübung am Krankenhaus Emmerich.

Foto: Christian Creon

Emmerich.   Brand in der Geriatrie des Willibrord-Spitals Emmerich: Das war das Szenario für eine Großübung am Freitag, die wertvolle Übungseffekte erzielte.

Um Punkt 18 Uhr geht bei der Feuerwehr am Freitag ein Alarm ein. Es brennt in der vierten Etage des Willibrord-Spitals in Emmerich. Rauch tritt aus einem Fenster auch für Passanten sichtbar aus. Es brennt in der Geriatrie.
Doch keine Sorge, es ist alles nur eine große Übung. Alle Einheiten der Freiwillige Feuerwehr Emmerich, die Johanniter aus Emmerich und Umgebung, der Rettungsdienst des Kreises Kleve und Mitarbeiter des Spitals wussten, dass sie zu Übungszwecken gefordert sein würden. Nur das Szenario war ihnen noch nicht bekannt.
Vorbereitet haben dies zwei Studentinnen der Hochschule Rhein-Waal: Antonia Kindshofer und Jessica Deppermann, die Qualität, Umwelt, Sicherheit und Hygiene studieren, haben sich mit der Räumungs- und Evakuierungsübung befasst: „Wir haben acht Wochen mit der Vorbereitung verbracht. 32 Statisten gesucht, Rollenkarten erstellt, das Szenario entwickelt“, schildert Kindshofer. Unterstützt wurden sie dabei von André Jansen, Leiter Löschzug Stadt.

Geheingeschränkte Patienten werden anders begleitet

Die derzeit leerstehende vierte Etage wurde zur Station für Altersmedizin. Die Statisten mimten 21 bettlägerige Patienten. Elf weitere Statisten befanden sich in den Therapieräumlichkeiten. Hier brach das Feuer aus. „Die Besonderheit ist die Geheinschränkung der Patienten. Sie sind anders zu begleiten“, ergänzt Dr. Thomas Bertrams, Leiter der Unfallchirurgie.

„Für uns als Spital ist es auch interessant zu sehen, wie schnell der Krisenstab einsetzbar ist“, sagt Dr. Ralf Wibbeling, Oberarzt der Anästhesiologie und Intensivmedizin. Ganz gezielt würden bei der Übung die jüngeren Kollegen in verantwortliche Rollen gestellt, „die bestimmt taktische Fehler machen werden“.

Nah an der Realität, aber ohne Blaulicht

Für Martin Bettray, Emmerichs Stadtbrandinspektor, ist so eine Großübung, die zuletzt vor sechs Jahren möglich war, ein Glücksfall. Die Krankenhaus-Mitarbeiter bekommen regelmäßig Brandschutz-Unterweisungen, die sie nun in der Praxis testen konnten. Die Übung sollte möglichst „nah an der Realität“ durchgeführt werden. Nur, dass diesmal auch eine vertikale Räumung geübt wurde. Sonst würden Patienten in der Regel erstmal horizontal evakuiert.
Die Einsatzkräfte sind nicht mit Blaulicht und Warnsignal zum Krankenhaus gebraust: „Wir müssen nicht den Verkehr üben, sondern das Szenario vor Ort“, sagte Bettray, der keine unnötige Verkehrsgefährdung verursachen wollte.

Unter Beobachtung ist es ein größerer Stress

Hektisch geht’s zu, als die Übung dann im vollen Gange ist. Die Statisten mimen jammernd ihre Rollen. Unheimlich viele Menschen sind beteiligt. Es wirkt wie ein geordnetes Chaos. „Für die Einsatzkräfte ist eine solche Übung mehr Stress, als ein echter Einsatz, weil sie unter Beobachtung stehen. Im echten Einsatz blenden sie das alles aus“, weiß Bettray.
Die wichtigsten Minuten sind die ersten, in denen die Feuerwehr noch gar nicht vor Ort ist. Die Mitarbeiter bringen alle Patienten aus der Station heraus. „Als wir ankamen, waren schon alle evakuiert, nur eine Person galt als vermisst“, berichtet Martin Kroll. Der stellvertretende Wehrleiter übernahm die Einsatzleitung. Die vermisste Person hat die Wehr dann retten können.

Die größte Gefahr geht vom Rauch aus

Der kritische Punkt war es, die Tür zum Raum zu öffnen, wo es brannte. Weil in dem Augenblick der gefährliche Rauch den Flur der Station erreichen und weitere Menschenleben gefährden würde. „Die heilige Kuh ist das Treppenhaus, da darf bloß kein Rauch hinein“, sagt Martin Bettray.
Der Brand wurde über die Drehleiter von außen fix gelöscht. Nachdem tatsächlich die Tür zum Therapieraum geöffnet wurde, steht der Flur unter Rauch: „Mit noch belegten Zimmern wäre das Szenario jetzt ein Worst Case“, so Bettray. Also der schlimmste anzunehmende Fall. Gut, dass die Patienten schon raus sind.

Die Registrierung ist wichtig

Wichtig ist auch die Registrierung. Alle Patienten bekommen Karten: „Im Ernstfall machen sich die Angehörigen auf zum Krankenhaus, stehen unten und fragen: ‘Wo ist meine Oma?’.“ Da will man nicht achselzuckend stehen müssen.
Die Patienten liegen auf der Nebenstation, wurden zunächst horizontal evakuiert. Die Betreuung der Patienten wird nach Dringlichkeit – Rot, Gelb, Grün – geordnet. Immer wieder sieht man Pflegekräfte, die zu auf Matratzen am Boden liegenden Patienten sprechen: „Geht’s Ihnen gut?“

Mit Evakuierungstüchern durchs Treppenhaus ziehen

Die vertikale Evakuierung, eigentlich nicht notwendig, aber eine hilfreiche Übung, wird über das Treppenhaus bewerkstelligt. Ein Fehler, der vor sechs Jahren auch schon gemacht wurde: Mehrere Kräfte trugen anfänglich Patienten gemeinsam auf einer Matratze. Das ist nicht nötig. Die Matratzen sind mit Evakuierungstüchern ausgestattet. Maximal zwei Kräfte können Patienten die Treppe herunter ziehen. Als das einmal läuft, kommt die Evakuierung fix voran.
In der Liegendanfahrt haben die Johanniter einen Behandlungsplatz aufgebaut, eine Art Lazarett. Statisten, die vorgaukeln nicht auf zwei Beinen laufen zu können, werden zu zweit untergehakt, um sie in einen Rettungswagen zu bringen.
Ganz wichtig für eine solche Übung ist die Lagebesprechung im Anschluss, wo Fehler, die zweifelsohne immer passieren würden, besprochen werden. „So weit, so gut“, war Martin Krolls erster Eindruck. Aber das wird noch vertieft.

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