Soziales

Hagen Dünzer ist ein beliebter Reeser: Jetzt zieht er um

Hier im HPH an der  Empeler Straße 1 wohnt Hagen Dünzer seit 1998.

Hier im HPH an der Empeler Straße 1 wohnt Hagen Dünzer seit 1998.

Foto: Konrad Flintrop

Rees.   Hagen Dünzer wohnt seit 1998 im HPH Rees. Jeder in der Stadt kennt ihn, denn er hat für alle ein freundliches Wort. Warum er nach Grieth zieht.

Hagen Dünzer zieht weg. Auf die andere Rheinseite. Eine Notiz auf der Facebookseite „Rees am Niederrhein“ zog weit über 100 Kommentare nach sich. Hagen gehört in Rees zu den Menschen, die in ihrer Einzigartigkeit Akzeptanz erfahren, die das Stadtbild prägen und die, wie die vielen Menschen mit Handicap, die in der Rheinstadt leben, nicht ausgegrenzt werden.

Hagen, er mag es, beim Vornamen genannt zu werden, darf gerne als ein Reeser Original bezeichnet werden. Er wohnt im Heilpädagogischen Heim an der Empeler Straße 1 in der zweiten Etage und ist ein Bewohner der ersten Stunde.

Seit 1998, in diesem Jahr wurde das Haus eröffnet, lebt er hier. In jungen Jahren in Bedburg-Hau hinter verschlossenen Türen untergebracht, genießt er in Rees seine Freiheit. Wann immer es geht, ist er in der Stadt unterwegs. Er versteht es charmant, Zigaretten zu schnorren und ein Prötken zu halten. Selten wird er abgewiesen.

Er hat immer ein freundliches Wort auf den Lippen

So schreibt eine Reeserin bei Facebook: „Er wird mir fehlen. Ich habe ihn nur noch selten in der Stadt gesehen, in letzter Zeit saß er meistens auf der Bank vorm HPH. Ich erinnere mich immer gerne an Hagen. Besonders wenn er nach einem Euro gefragt hat und seine nächste Anmerkung war gerne, dass er auch zwei Euro nehmen würde, um nicht morgen nochmal fragen zu müssen.“

Immer wieder ist zu lesen: „Hagen hat immer für alle einen schönen Tag auf den Lippen“ oder „Er gehört zu Rees wie der Kiepenkerl. Wir werden ihn vermissen“, aber auch „einen alten Baum verpflanzt man nicht“.

Probewohnen auf der gönne Kant

Doch warum zieht Hagen um? Da der Landschaftsverband Rheinland, der das HPH betreibt, keine Auskünfte zu Bewohnern geben darf, vermittelte die Pressestelle aber ein Gespräch mit der Schwester von Hagen Dünzer, seiner Betreuerin:

„Ich habe gerade noch mit ihm telefoniert, er möchte nach Grieth. Er kann nur noch schlecht laufen. In Grieth kann er im Erdgeschoss wohnen und gleich in den Garten gehen, der abgesichert ist. Das Aufzugfahren in Rees schafft er nicht mehr. Und er will doch immer an die frische Luft.“ Vielleicht zum Rauchen.

Hier wird er auch Freunde finden

Hagen hat die Einrichtung in Grieth nahe am Rhein mehrfach besucht, hier zwei Tage zur Probe gewohnt und sich selbst gewünscht, dorthin zu ziehen. Der LVR-Wohnverbund an der Schlossstraße ist besonders auf die Betreuung älterer Menschen ausgerichtet.

Ob Hagen sich hier wohl fühlen wird, wird die Zukunft zeigen. Zu wünschen bleibt, dass bei Hagens Kontaktfreudigkeit er auch dort schnell wieder auf Menschen trifft, die ihm nicht nur gerne eine Zigarette oder einen Euro schenken, sondern auch viele freundliche Worte.

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