Haldern Pop Serie Teil 2

Haldern Pop Bandporträts: Opus M spielt das Ende am Anfang

Das Streicher Ensemble Opus M wird das Haldern Pop Festival eröffnen.

Das Streicher Ensemble Opus M wird das Haldern Pop Festival eröffnen.

Foto: MARKUS VAN OFFERN / Opus M

Haldern.  Opus M wird das Haldern Pop Festival in diesem Jahr eröffnen. Das Ensemble spielt ein nervenaufreibendes Stück, das eigentlich ans Ende gehört.

Weiter geht’s mit der zweiten Folge unserer Serie Haldern Pop-Bandporträts. Los geht’s mit dem einzigen Ensemble aus Rees:

Opus M

Der Komponist Heiner Frost durfte 2016 schon das Haldern Pop Festival in der Kirche eröffnen. Nun kommt der gebürtige Halderner als Dirigent des Streicher-Ensembles Opus M erneut in den Genuss. Sie spielen Dmitri Schostakowitschs Opus 110a, ein Streicherquartett, das ein Schüler des Komponisten für ein Streicher-Ensemble arrangiert hat. „Ich finde, das ist ein ganz wichtiges Stück. Hat viel mit moderner Musik zu tun, ein Klassiker des 20. Jahrhunderts“, sagt Frost.

Der in Kranenburg lebende Musiker habe Haldern Pop-Chef Stefan Reichmann schon länger gesagt, dass dies ein Stück sei, das ideal zum Haldern Pop passe. „Vielleicht gefällt es keinem, aber es hat eine unheimliche Energie. Ein Lieblingsstück, das wir immer mal wieder aufgreifen. Normalerweise spielt man das immer am Ende, weil danach nicht sehr viel geht. Das geht so an die Nerven.“ 20 bis 27 Minuten durchgehend dauere das Stück.

Das Ensemble wurde vor 27 Jahren gegründet und sollte ursprünglich tatsächlich Opus 110a heißen, was aber bedingt durch die Rechte verworfen wurde. Im Laufe der Jahre wechselte die Besetzung, seit acht bis zehn Jahren spielen relativ stabil die selben Musiker mit. Viele sind Musikstudenten, zum Teil ehemalige Haldern Strings-Schüler: „Fast alle spielen noch in anderen Orchestern“, so Frost. Opus M ist schon etwas mehr als ein Laienensemble.

Musik wie: die Champions-League-Hymne vor dem Spiel. Erlebnispotenzial: 4/5 Sterne.

Khruangbin

Das texanische Trio ist derzeit sehr angesagt, meint Festivalchef Stefan Reichmann. Die soulige, meist instrumentale Gitarren-Musik im 70er-Retro-Stil kommt ausgereift ins Ohr. Die Band selbst nennt den Thai-Funk der 60er als Inspiration. Psychedelic Rock und Dub fließen mit ein.

Die gefühlvollen Gitarrensoli wirken fast hypnotisierend und erzählen die Geschichten. Eine tanzbare, groovige Musik, wie etwa das Stück „Maria También“.

2018 ist das Album „Con todo el Mundo“ erschienen. Wie schon das Debütalbum 2015 werden ihre Lieder millionenfach geklickt, wobei das jüngste Werk kompositorisch noch einen Tick runder wirkt.

Musik um: alles um sich herum zu vergessen. Erlebnispotenzial: 4/5 Sterne.

Hörprobe: „Cómo me Quieres“

Whitney

Mit ihrem Debütalbum „Light upon the Lake“ (2016) setze die Band aus Chicago eine starke Duftmarke. Der Guardian schrieb: „Denk an Bon Iver mit Folk- und Country-Elementen, aber mit Chicago-Soul überarbeitet.“ Das Bild passt. Wie stimmig das klingt, erlebten Haldern Pop-Besucher beim Festival 2016.

Die Gruppe ist nicht nur Kritikers Liebling, auch die Musikfreunde finden in den leicht zugänglichen Sound schnell gefallen. Die Kompositionen sind derart elegant, dass sie auch im Detail unheimliche viele Facetten dem Zuhörer geradezu unterjubeln. Daran kann man sich auch langfristig noch sättigen.

Musik für: die Leichtigkeit des kollektiven Seins. Erlebnispotenzial: 5/5 Sterne.

Hörproben: „Golden Days“, „Giving Up“.

Stella Donnelly

Die Australierin bringt verspielte Pop-/Folk-Melodien zu Gehör. Barrierefrei, der schnellen Orientierung dienlich ohne kompositorische Umwege. Ihre helle, angenehme Stimme kommt besonders in den Balladen zur Geltung, wie in „Boys Will Be Boys“. Ihre Texte greifen politische Themen auf, die sie neu durchdenkt – also eher ernste Gedankenspiele.

Im März ist ihr erstes vollwertiges Album „Beware of the Dogs“ erschienen, dem in 2018 die EP „Thrush Metal“ vorausging.

Musik zum: Träumen im Augenblick, aber nicht nachhaltig. Erlebnispotenzial: 3/5 Sterne.

Hörprobe: „Tricks“.

Sophie Hunger

2013 war die Schweizerin die Überraschung des Festivals. Eine großartige Stimme, enorme Spielfreude und sehr abwechslungsreiche Lieder prägten den Auftritt.

Diesmal werden die Haldern Pop-Fans eine andere Sophie Hunger kennenlernen. Mit der Erfahrung einer Trennung ist 2018 das Album „Molecules“ auf den Markt gekommen. Es ist elektronischer, emotional verdichtet und präzise, kompositorisch reif und genial, es bringt alle Stärken ihrer Stimme zur Geltung. Lieder wie „Sliver Lane“, „She Makes President“, „Electropolils“ oder „Oh Lord“ halten viele Schichten vor, die der Zuhörer für sich erstmal entfalten kann. Auch singt die nun in Berlin lebende Künstlerin nun komplett auf Englisch, verzichtet diesmal auf Französisch, Deutsch und Schwiitzerdütsch.

Musik: im Spannungsfeld zwischen Emotionen und Perfektion. Erlebnispotenzial: 5/5 Sterne.

Robocobra Quartett

Die Nordiren aus Belfast gönnen sich ein „Tauziehen zwischen Hardcore- und Free-Jazz“, wie Haldern Pop es nett umschreibt. 2018 ist das Album „Plays Hard to Get“ erschienen. Mit dem Werkzeug eines Jazz-Musikers – vor allem dem dem Saxophon, auch Streicher und Piano – wird aber eher eine Musik geschaffen, die einen alternativ orientierten Rock-Fan anspricht, wie etwa in „I Shouldn’t Have Watched the Film What Lies Beneath“. Mitunter hat der Sound etwas Düsteres.

Sänger und Schlagzeuger Chris Ryan driftet auch mal in den Sprechgesang ab, hat aber auch dabei noch einen schönen Klang.

Musik für: Rock’n’Roll-Freigeister. Erlebnispotenzial: 3/5 Sterne.

Hörproben: „You’ll Wade“.

Kirill Richter

Der russische Pianist ist gefragt bei Filmemachern. Auch für die Fußball-WM 2018 in Russland sorgte er für die Titelmusik „Where Angels Fear to Tread“. Er prägt die russische Neoklassik. Tatsächlich lassen seine emotionsgeladenen Stücke gleich Filme im Kopf abspielen. Ob hoffnungsvoll oder bedrohlich: Den Stimmungen kann man sich kaum entziehen.

Sicherlich ist Richter ein heißer Kandidat für einen Auftritt in der St. Georg-Kirche, wo die übliche Ruhe des Publikums der Sensitivität seiner Piano-Klänge gerecht werden könnte. Vielleicht ist auch die ein oder andere Kollaboration denkbar.

Musik für: Klaviergänger. Erlebnispotenzial: 3/5 Sterne.

Hörprobe: „Zeitgeist“ (live).

Pictures

Es ist eine filmreife Geschichte, die die Band Pictures hinter sich hat. Tatsächlich erzählt die Doku „Könige der Welt“ vom rasanten Aufstieg der deutschen Band Union Youth, der die Indie-Rock-Band bis nach Amerika brachte. Doch der Druck bringt Drogen-, Alkohol- und Gewaltexzesse mit sich. Alles zerbricht.

Als Pictures gelingt die Auferstehung. 2017 veröffentlichen sie ihr Debütalbum „Promise“ – vielversprechend. Beim Kaltern Pop Festival 2018 werden sie gefeiert. Vor dem Konzert wird sogar die schonungslos ehrliche Doku gezeigt. Das Publikum kann sich für die auferstandene Band freuen.

Im Februar ist das zweite Album „Hysteria“ erschienen. Ihre poppig-rockigen Stücke bieten einen barrierefreien Einstieg, wie bei „Lovely Baby“ oder „Roll Up“. Gitarre, Bass, Schlagzeug, Keyboards, eine typische Indie-Rock-Stimme - das Rezept ist ein bewährtes. Ganz bodenständig. Und das ist bei der Vorgeschichte wohl ein Erfolgsrezept.

Musik für: Heldenzeiten. Erlebnispotenzial: 4/5 Sterne.

Greg Saunier & Stargaze play Beethoven

Der US-Musiker und Komponist Sanier ist dem Haldern Pop-Publikum schon als Schlagzeuger der Band Deerhoof bekannt. Und das Künstlerkollektiv Stargaze hat in Haldern schon etliche Konzerte veredelt. Auch Beethoven dürfte selbst Freunden der Unterhaltungsmusik ein Begriff sein. Dennoch darf man gespannt sein, was diese Ankündigung tatsächlich beinhaltet.

Stargaze und Saunier haben bereits Erfahrungen miteinander gesammelt, haben in diesem Jahr etwa bei dem Album „Instruments“ zusammengearbeitet, auf dem Stücke von Fugazis „In on the Killtaker“ neu arrangiert wurden. Wenn Beethoven nachher so wenig zu erkennen sein wird, wie Fugazi, dann gibt’s eine Überraschung.

Musik für: meditative Momente. Erlebnispotenzial: 3/5 Sterne.

Michael Kiwanuka

Der Londoner hat mit seinem Classic Soul in Haldern schon einige Besucher überzeugt. Wobei der erste Auftritt in der Haldern Pop Bar, der deutlich rockiger daher kam, als die Zeitreise auf der Hauptbühne beim Festival 2016 vielleicht noch mehr Magie versprühte. Sei es drum: Die Bariton-Stimme Kiwanukas ist klasse. Die Stimmungen gehen ins Mark. Die Musik, sie mag ihre Wurzeln in den 70ern haben, ist zeitlos, universell.

Kiwanuka, dessen Eltern aus Uganda stammen, hält sowohl schmachtende Soul-Balladen vor wie etwa „Always Waiting“. Aber auch groovig-tanzbare Lieder hat er im Repertoire wie „One more Night“. Beide bisherigen Alben „Home Again“ (2016) und „Love & Hate“ (2016) feierten Charterfolge. Mit der Single „Money“ deutet er schon ein neues Album an. Das Lied hat einen leichtfüßigen Flow.

Musik nicht nur für: Soul-Jünger. Erlebnispotenzial: 4/5 Sterne.

Thirsty Eyes

Sie nennen ihre Musik Rawk’n’Roll. Die Wiener Gruppe mischt Rockabilly, Country und Blues – und das alles ungehobelt und sich nicht porentiefrein. „Hier gibt es keine Gewissheiten, nur momenthaftes Eintauchen in rollende Surf Riffs und polternde Trommelwirbel“, schreibt Haldern Pop treffend. Live vermitteln sie einen schönen Groove und eine überzeugende Bühnenpräsenz.

Die musikalische Verewigung der Band hält sich noch in Grenzen. Es gibt bisher nur einige vereinzelte Lieder: „Slothchild“, „838“ und „Touch the Weather“ etwa. Vielleicht haben sie bis zum Haldern Pop ja ein Album parat.

Musik für: Untergrund-Schwärmer. Erlebnispotenzial: 3/5 Sterne.

Palace

Die Londoner sorgten mit ihrem Debütalbum „So long Forever“ 2016 für Furore. Demnächst erscheint ihr nächstes Album. Erste Songs kursieren im Netz, wie etwa „Running Wild“ oder „Face in the Crowd“. Stilistisch wird das erfolgreiche Konzept des Debüts fortgesetzt, das mit Liedern wie „Bitter“ überzeugte. Das Trio springt auf den Zug der stillen Revolution, die Haldern Pop ja gerne propagiert, auf.

„Die wehmütigen Vocals von Leo Wyndham gleiten über lichtwarme Rocklandschaften, feine Gitarren treiben wellenartig ineinander und entladen sich sodann in schimmerndem Pop. Diese melancholische Verdichtung ist Balsam für die Musikliebhaber-Seele, ein königlicher Palast voll verträumter Absichten“, umschreibt es Haldern Pop treffend.

Musik für: die anonymen Melancholiker. Erlebnispotenzial: 3/5 Sterne.

The Chats

Die australische Punk-Rock-Formation haben sich einen Namen damit gemacht, dass ihre Live-Shows laut und chaotisch eskalieren. Das junge Trio Josh Price (Gitarre), Matt Boggis (Schlagzeug) und Eamon Sandwith (Bass und Gesang) hat mit „Get this in Ya“ erst ein Album 2017 veröffentlicht. Ihr Song „Smoko“ mit einem Low-Budget Video ging völlig überraschend im Internet viral durch die Decke. In diesem Jahr sind die Singles „Do what I Want“ und „Pub Feed“ als Vorgeschmack auf ein weiteres Album hinzu gekommen.

Einflüsse von den Dead Kennedys und den Ramones mag manch ein Punk-Fan raushören, auch weniger bekannte australische Gruppen wie Cosmic Psychos, Saints und Drunk Mums haben ihren Einfluss auf The Chats.

Musik für: die alltäglichen wilden fünf Minuten. Erlebnispotenzial: 3/5 Sterne.

Barns Courtney

Das 2017 veröffentliche Debüt-Album „The Attraction of Youth“ verkaufte sich gut. Ein Durchbruch. Jüngst ist die Single „You and I“ erschienen, die recht poppig daher kommt, aber im Ohr bleibt. Auf dem Album bewies der Engländer, dass es auch mit Rock-Hymnen ging, wie bei dem Song „Fire“. „Die reife, tiefe Stimme gedenkt dem Blues alter Tage, um sich sodann zu flamboyanten Indie-Hymnen aufzuschwingen“, umschreibt es Haldern Pop.

Musik zum: Mitgröhlen, ohne den Text zu kennen. Erlebnispotenzial. 4/5 Sterne.

Karten fürs Festival gibt es unter www.haldern-pop.com. Preis: 125,40 Euro.

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