Straßenverkehr

Handy am Steuer: Fallzahlen steigen im Kreis Kleve an

Michael Ermers, Sprecher der Polizeibehörde in Kleve, stellt einen zunehmenden Handygebrauch im Auto fest. 

Michael Ermers, Sprecher der Polizeibehörde in Kleve, stellt einen zunehmenden Handygebrauch im Auto fest. 

Foto: Andreas Gebbink

Kreis Kleve.   Die Benutzung des Handys im Auto ist fast schon zur Normalität geworden. Das Ärgernis treibt im Straßenverkehr immer ungewöhnlichere Blüten.

Auf einmal bleibt der Wagen auf der Spyckbrücke stehen. Was ist los? Auto kaputt? Braucht die Fahrerin möglicherweise Hilfe? Es ist Hauptverkehrszeit, die Autos stauen sich. Doch was sieht man bei der Vorbeifahrt: Die Fahrerin hat keine Panne, sie tippt auf ihrem Handy. In Allerseelenruhe werden WhatsApp-Nachrichten geschrieben – mitten auf der Straße.

Einen Tag später in Düffelward: Wiederum hält eine Frau an der unübersichtlichen Kreuzung Röstendaalstraße/Deichbogen unvermittelt an. Ein Überholen ist wegen einer Hecke kaum möglich. Und auch hier: Die Fahrerin tippt auf dem Handy, der Verkehr wird nicht mehr beachtet.

Gefährliche Regelverstöße

An Autofahrern, die vor der Ampel aufs Handy blicken und Kurznachrichten schreiben, hat man sich mittlerweile schon gewöhnt. Gedankenversunken wird der Kopf gesenkt. In der Regel muss der nachfolgende Autofahrer kurz hupen, damit man die Grünphase nicht verpasst. Wer aufmerksam am Straßenverkehr teilnimmt, dem fallen immer häufiger Beispiele für Regelverstöße auf: Handy am Steuer, bei Rot über die Ampel, Stoppschild überfahren, Rechts-vor-Links-Regelung missachtet, Geschwindigkeitsbegrenzungen sowieso: „Das Regelbewusstsein hat im Straßenverkehr deutlich nachgelassen“, sagt Manfred Opgenorth von der Kreispolizeibehörde Kleve. Dazu zähle auch immer häufiger das Überfahren roter Ampelschaltungen.

Regelverstöße sind nicht nur ärgerlich, sondern auch richtig gefährlich. Die Klever Kreispolizeibehörde kann mittlerweile aus eigener Anschauung viele Beispiele liefern, bei denen sich Menschen offenbar keiner Schuld bewusst sind. Sprecher Michael Ermers berichtet von einer Kontrollstelle, an der ein Fahrradfahrer telefonierend vorbeigefahren ist: „Der hat gar nicht gemerkt, dass wir am Straßenrand stehen“, sagt Ermers.

1413 erwischte Autofahrer bis Anfang Oktober

Doch wie gefährlich ist das Handy am Steuer wirklich? Bei schweren Unfällen ist im Polizeibericht oft zu lesen: „Aus ungeklärter Ursache kam der Fahrer von der Fahrbahn ab...“ Hat da jemand aufs Smartphone geschaut? „Den Eindruck haben wir auch immer häufiger, allerdings kann man dies nur schlecht beweisen“, sagt Ermers. Denn eine standardmäßige Auswertung des Mobiltelefons gibt es nach Unfällen nicht. Gleichwohl sind die registrierten Fälle beeindruckend genug. 2017 wurden 552 Radfahrer und 1689 Autofahrer mit Handy erwischt. In diesem Jahr stand der Zähler am 1. Oktober bei 425 Radfahrern und 1413 Autofahrern mit Handy am Steuer.

Doch tut die Polizei auch genug zur Verkehrsüberwachung? Ermers tritt dem Vorwurf entgegen, dass die Polizei kaum noch den Verkehr überwache: „Wir sind präsent“, sagt er. Allerdings könne man auch nicht alles abdecken.

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