Gerichtsprozess

Hohe Haftstrafen im Emmericher Pudding-Prozess

In der Klever Schwanenburg fand die Verhandlung statt.

In der Klever Schwanenburg fand die Verhandlung statt.

Foto: Astrid Hoyer-Holderberg

Emmerich/Kleve.   Kleverin geht für fünf Jahre und zehn Monate ins Gefängnis. Mittäter muss drei Jahre und drei Monate hinter Gitter. Rentner mit Dessert betäubt.

„Suche liebevolle Frau mit Auto“. Diese Zeitungsannonce löste ein verbrecherisches Geschehen aus, das einige Zeit später mit der gierig hingeworfenen Frage „Haste? Haste?“ endete – damit wollte der im Auto wartende Komplize in Erfahrung bringen, ob seine Mittäterin das Geld hatte.

Das war ihr in der Tat gelungen, mit mehr als 12 000 Euro sowie tschechischen Kronen in bar und einer EC-Karte samt dazugehöriger Geheimzahl, mit der tags darauf weitere 2000 Euro abgehoben werden konnten, war der Raubzug der Kleverin bei dem 93 Jahre alten Rentner aus Emmerich aus Sicht der Täter erst einmal ein voller Erfolg. Doch es dauerte nicht lange, bis die Polizei die Räuber ermitteln konnte.

An zwei Verhandlungstagen arbeitete die 2. große Strafkammer des Landgerichts Kleve unter Vorsitz von Richter Gerhard von Gemmeren das Verbrechen auf – gestern fielen die Urteile.

Maßregelvollzug nach elf Monaten Gefängnis

Die Frau, die in der Wohnung das Geld einsammelte, wurde wegen schweren Raubes und gefährlicher Körperverletzung zu einer Haftstrafe von fünf Jahren und zehn Monaten verurteilt. Elf Monate davon muss sie absitzen, danach wechselt sie in den Maßregelvollzug, um eine Drogentherapie zu beginnen, deren Aussichten der psychiatrische Sachverständige Dr. Jack Kreutz positiv beurteilte. Der zweite Täter, ebenfalls drogenabhängig, muss für drei Jahre und drei Monate hinter Gittern.

Das Verfahren gegen die dritte Mittäterin wurde abgetrennt und wird voraussichtlich im November neu verhandelt, nachdem die Frau am Ende an einem Verhandlungstags eine Panikattacke erlitten hatte und sich in ärztliche Behandlung begeben musste.

Das Geld war knapp bei allen drei Klevern, so dass die Idee, den alten Mann um seine Ersparnisse zu erleichtern, äußerst verlockend erschien. Doch die dritte Frau hatte das Vertrauen des Rentners aus Emmerich bereits verspielt, nachdem sie ihm einige hundert Euro für angebliche Autoreparaturen aus dem Kreuz geleiert hatte.

Das kriminelle Trio entwickelte einen perfiden Plan. Die dem Rentner bisher unbekannte Frau sollte sich auf die Annonce melden, obwohl sie weder über einen Führerschein noch über ein Auto verfügte. Dafür sollte sie dem Greis seinen geliebten Vanillepudding mit Frucht-Topping mitbringen. Das Glas, das dem Rentner serviert wurde, hatten die Täter zuvor mit Valium und anderen Beruhigungsmitteln versetzt.

Angeklagter erschien im Unterhemd

Zwei Monate nach der Tat wurde sie allerdings von der Reue gepackt. Sie schrieb einen Brief an das Opfer: „Ich möchte mich aufrichtig für das Leid, dass ich Ihnen angetan habe, entschuldigen. Ich wusste nicht, dass dem Pudding etwas beigemischt war.“ Sie versprach Wiedergutmachung.

Die Kammer glaubte allerdings nicht, dass von dem Trio jemand ahnungslos handelte. Jedoch folgte sie bei dem Mann der Auffassung seines Rechtsanwaltes Dr. Haas, dass es sich bei dessen Tatbeteiligung nur um eine Beihilfe gehandelt habe. Deshalb fiel seine Strafe deutlich geringer aus als von der Staatsanwaltschaft gefordert.

Der Angeklagte, der zur Urteilsverkündung in einem schwarzen Unterhemd und mit schweren Ketten behängt erschien, demonstrierte während der Verlesung der Strafe demonstrativ seine Gelassenheit und drehte mit verschränkten Händen Däumchen. Seine Mittäterin dagegen brach in Tränen aus. Sie hatte zuvor nochmals ihre Reue bekundet und gesagt, sie möchte „ein gutes Leben führen, arbeiten gehen, im Friseurbereich“.

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