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ICE-Halt in Emmerich könnte sich laut Studie durchaus lohnen

Prof. Dr. Wilhelm Kirchner hat die finanziellen Auswirkungen eines ICE-Halts in Emmerich durchgerechnet.

Foto: Johannes Kruck

Prof. Dr. Wilhelm Kirchner hat die finanziellen Auswirkungen eines ICE-Halts in Emmerich durchgerechnet. Foto: Johannes Kruck

Emmerich.   Die Initiative „ICE-Halt in Emmerich am Rhein“ will, dass der Niederrhein besser an das Schienennetz angeschlossen wird. Jetzt hat ein Institut verschiedene Szenarien durchgerechnet. Selbst bei einer pessimistischen Schätzung wäre mit dem zusätzlichen ICE-Stop noch ordentlich Geld zu verdienen.

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Unwiderstehlich findet Prof. Dr. Wilhelm Kirchner von der Initiative „ICE-Halt in Emmerich am Rhein“ die Offerte an die Nederlandse Spoorwegen (NS). Sein Institut für angewandte Betriebswirtschaft hat vor allem die finanziellen Auswirkungen eines ICE-Halts in Emmerich für die NS durchgerechnet. Das Ergebnis ist eindeutig: Die NS müsste mit dem Klammerbeutel gepudert sein, wenn sie sich zusätzliche Einnahmen in Millionenhöhe durch die Lappen gehen ließe.

„Es sind aus unserer Sicht Vorschläge, bei denen alle Beteiligten nur gewinnen können“, gibt Kirchner die optimistische Stimmung wieder. Seit dem 3. November 2000 ist der Grenzbahnhof nicht mehr regulärer ICE-Haltepunkt. Weil die Geschwindigkeit wegen der Umschaltung der ICE auf die jeweils unterschiedliche Spannung ohnehin gedrosselt werden müsse, entstünde bei einem zusätzlichen Halt keine bemerkenswerte Zeitverzögerung, argumentiert die ICE-Initiative. Zudem bleiben die Züge häufig auf freier Strecke stehen, bis sie sich einfädeln können.

Die Zuversicht gründet sich darauf, dass bei allen drei durchgespielten Szenarien unterm Strich einige Millionen für die NS zu verdienen sind. Die Summen haben eine Spanne von 4,7 Millionen Euro bei einem pessimistischen, 6,1 bei einem realistischen und 8,0 bei einem optimistischen Szenario.

Bürgerbefragung ist Basis für die Berechnungen

Für die ersten vorsichtigen Kalkulationen hatte das Kirchner-Team die Ergebnisse der Bürgerbefragung herangezogen. 1500 Fragebögen wurden bislang ausgewertet, wobei die Fragebögen der Hochschule Rhein-Waal und aus Kleve noch ausstehen.

Es wurden mehrere Einflussfaktoren abgefragt und berücksichtigt: Die Frequenz, das ist die Anzahl der Fahrten im Jahr, die Preise der 1. und 2. Klasse im Kurz-, Mittel- und Langstreckenbereich und die voraussichtliche Anzahl der Fahrgäste. Daraus wurden die prognostizierten jährlichen Einzelerlöse für die Bahnbetreiber sowie die kumulierten jährlichen Erlöse berechnet. Dem gegenüber stehen Entwicklungskosten für die Aufnahme des ICE-Halts in den elektronischen und den Papier-Fahrplan. „Diese Kosten müssen die Erlöse decken, was in allen drei Szenarien erfüllt wird“, so Kirchner.

Das Zahlenwerk sei seriös, sagt der Professor

Viel Arbeit also für den Taschenrechner, der dann unbestechliche Zahlen ausspuckte, die Kirchner & Co. nun hoffen lassen, dass auch Mijnheer T. Huges von NS in Utrecht sie nachvollziehen kann und ihn letztendlich überzeugen: „Das ist ein Angebot, das die Bahn nicht ablehnen kann.“ Kirchner spricht von einem seriösen Zahlenwerk: „Mein Institut macht so etwas professionell.“

Es wurde ein Gebiet von 50 km rund um den Emmericher Bahnhof mit einer Einwohnerzahl von 1,2 Mio. betrachtet.

Legt man einen Umkreis von nur 20 km zu Grunde, sind es 300.000 Personen. „Für die NS ist hier also ein erhebliches Kundenpotenzial zu sehen“, so Kirchner an T. Huges von Nederlandse Spoorwegen Utrecht.

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