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Im Millinger Jugendhaus lernen Kinder Herzensbildung

Vesila Sürücü (2.v. links) trainiert im Boxraum vom JiM mit Jugendlichen. Ihre Schwester Meggy Sürücü (2.v.rechts) arbeitet ehrenamtlich im Millinger Jugendhaus.

Foto: Thorsten Lindekamp

Vesila Sürücü (2.v. links) trainiert im Boxraum vom JiM mit Jugendlichen. Ihre Schwester Meggy Sürücü (2.v.rechts) arbeitet ehrenamtlich im Millinger Jugendhaus. Foto: Thorsten Lindekamp

Millingen.   Meggy Sürücü arbeitet seit acht Jahren ehrenamtlich im JiM. Mit ihrer Schwester Vesila begleitet sie junge Mensch auf den Weg ins Leben

Im Idealfall ist der Beruf Berufung. So empfindet es auch Vesila Sürücü, die seit elf Jahren das Jugendhaus JiM in Millingen hauptamtlich leitet. Als Berufung sieht auch ihre Schwester Meggy ihre ehrenamtliche Tätigkeit dort.

Meggy Sürücü kam anlässlicher einer Tages der offenen Tür erstmals ins JiM

Das kam so: Meggy Sürücü (36) arbeitet bei der Ambulanten Pflege der Caritas in Rees. Vor zirka acht Jahren besuchte sie anlässlich eines Tages der offenen Tür ihre Schwester im JiM. Und merkte dabei schnell, dass ihr der Kontakt zu den Kindern und Jugendlichen gefällt. „Es ist ein toller Kontrast zu meiner hauptamtlichen Arbeit“, sagt sie damals wie heute.

Seitdem ist kaum eine Woche vergangen, in der sie nicht mehrere Nachmittage im JiM verbracht hat. „Die Kinder sind mir ans Herz gewachsen. Meine Schwester und ich hatten eine wunderschöne, befreite Kindheit, ohne Sorgen. Dafür bin ich sehr dankbar. Dass die von uns betreuten Kinder, die nicht alle so sorglos aufwachsen, sich hier unbeschwert aufhalten können, ist unser Anspruch“, zeigt sich Meggy Sürücü engagiert.

Ein Trägerverein finanziert Arbeit und Haus

Das Jugendhaus ist nicht in städtischer Trägerschaft, ein Trägerverein finanziert Arbeit und Haus über die Mitgliedsbeiträge und Spenden. Verständlich, dass das Geld nicht locker sitzt. „Ich habe die besten Arbeitgeber, die man sich wünschen kann“, lobt Vesila Sürücü die Verantwortlichen. Sie weiß, dass viele vom Vorstand privat Geld zuschießen, sich persönlich einbringen, damit das Jugendhaus Bestand hat.

Meggy Sürücü ist mit fünf Geschwistern aufgewachsen

Meggy Sürücü fühlt sich im Kreis der Kinder und Jugendlichen richtig wohl. „Ich bin hier in Rees mit fünf Geschwistern aufgewachsen. Ins JiM kommen am Tag zwischen 15 und 20 Kinder, davon sechs Jugendliche bzw. junge Erwachsene, die hier sich seit Jahren zuhause fühlen. Wie in einer Großfamilie.“ Was jeden, der im JiM vorbeischaut, wundert: Es läuft kein Fernseher, die Monitore bleiben meistens schwarz, statt dessen spielen die Kinder draußen Verstecken, toben auf der Wiese und mitten unter ihnen rennen Meggy und Vesila mit ihnen um die Wette.

Die Kinder haben Vertrauen gefasst

„Wir haben es geschafft, dass die Kinder Vertrauen zu uns fassen und sich auf den Weg ins Leben begleiten lassen“, so die 36-Jährige. All’ die Dinge, die man ungern mit Eltern bespricht, Fragen, die Heranwachsenden peinlich sind, hier finden Mädchen wie Jungen Ansprechpartnerinnen, die Verständnis zeigen. „Bildungsauftrag heißt ja auch, Herzensbildung zu vermitteln“, hat sich Meggy Sürücü zur Aufgabe gemacht. „Mobbing, über andere herzuziehen, das wird hier nicht geduldet“, gibt sie vor. Miteinander anständig umgehen, das sollen die Kinder im JiM lernen. Auch soziale Unterschiede dürfen hier keine Rolle spielen. „Wir nehmen die Kinder so, wie sie sind. Und wir haben die Erfahrung gemacht, dass Kinder, die aus sozial schlechter gestellten Familien kommen, die dankbarsten sind. Weil wir selbst allen mit Anstand und Respekt begegnen, leben wir das den Kindern vor.“

Wenn es Probleme bei den Hausaufgaben gibt, wird Mathe, Englisch oder Deutsch geübt, oder eine Geschichte abgefragt. „Wenn jemand sich nicht traut, in einer Firma wegen eines Praktikumsplatzes anzurufen, dann coachen wir ihn, und stehen auch mal daneben, wenn er anruft, um Sicherheit zu vermitteln. Oder wir helfen dabei, eine Bewerbungsmappe zu erstellen.“ Wenn dann ein Kind ein Blümchen als Dankeschön überreicht, dessen Kauf es von seinem Taschengeld abgeknapst hat, dann geht den Schwestern das Herz auf.

Das Gespräch ist den Kindern am wichtigsten

„Natürlich wäre es schön, wenn wir hier Geld für bestimmte Projekte hätten, so dass die Kinder auch mal raus kämen. Aber wir haben die Erfahrung gemacht, dass ihnen das Gespräch am wichtigsten ist“, hat die Ehrenamtlerin beobachtet.

Meggy Sürücü hat stets Leckereien in ihrer Handtasche, die oftmals Kinder über traurige Momente hinwegtrösten. „Und wenn der Kühlschrank leer ist und wir gerne kochen möchten, dann kaufen Meggy oder Vesila von ihrem eigenen Geld Lebensmitel bei Edeka ein“, verrät eine Besucherin im JiM.

Meggy Sürücü fehlt etwas, wenn sie es nicht zweimal die Woche ins JiM schafft

Wenn es Meggy nicht schafft, wenigstens zweimal in der Woche im JiM zu sein, fehlt ihr was. Wie den Jugendlichen: „Wir brauchen doch jemanden, um Dampf abzulassen“, geben sie gerne zu.

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