Pudding-Prozess

Im Pudding-Prozess gibt sich die Angeklagte ahnungslos

In Praest wurde ein Rentner mit einem vergifteten Pudding überlistet. Er wurde ausgeraubt. Nun steht eine Kleverin als drittes Bandenmitglied vor dem Klever Landgericht.

In Praest wurde ein Rentner mit einem vergifteten Pudding überlistet. Er wurde ausgeraubt. Nun steht eine Kleverin als drittes Bandenmitglied vor dem Klever Landgericht.

Foto: Masanne

Praest/Kleve.   Wer rührte das Schlafmittel in den Pudding, den der Rentner aus Praest verspeiste? Der Prozess gegen das dritte Banden-Mitglied hat begonnen.

Es wird vermutlich für immer ein Rätsel bleiben, wer die beiden Schlafmittel in den Pudding rührte, den der 93 Jahre alte Mann aus Praest am Mittag des 26. September 2017 verspeiste. Das Dessert beraubte den Mann seiner Sinne, so dass die Frau, die sich zu einem Vorstellungsgespräch zu ihm begeben hatte, in Ruhe die Wohnung durchsuchen und am Ende mit rund 12.000 Euro Bargeld und einer Bankkarte zu ihren beiden Komplizen zurückkehren konnte.

Der Fall hatte bundesweit für Schlagzeilen gesorgt

Der Teil ist unstrittig, der Fall hatte seinerzeit bundesweit Schlagzeilen gemacht, und mittlerweile hat die Justiz zwei der drei Täter verurteilt: Die 32 Jahre alte Bewerberin erhielt eine fünfjährige Freiheitsstrafe und unterzieht sich derzeit einer Drogentherapie, der 54 Jahre alte Mann sitzt eine dreijährige Haftstrafe ab.

Am Donnerstag begann nun vor dem Landgericht Kleve vor der zweiten großen Strafkammer unter Vorsitz von Richter Gerhard van Gemmeren der Prozess gegen die dritte an dem Verbrechen beteiligte Person – eine 48 Jahre alte Frau aus Kleve.

Es wird sicherlich nur mühsam Klarheit Einzug halten

Vier weitere Verhandlungstage sind angesetzt, doch schon zum Verhandlungsauftakt zeichnete sich ab, dass – abgesehen von der allseits eingeräumten Gesamtverstrickung in das Geschehen – nur mühsam Klarheit Einzug halten wird.

Die beiden bereits verurteilten Mittäter waren als Zeugen geladen. Als erster trat Peter B., genannt Pit, vors Gericht. Sein Auftritt hatte die Grandezza des überheblichen Ganoven, der sich für ganz schlau hält, aber immer wieder in Handschellen endet.

Hat der Zeuge alles im Knast vergessen?

Vom Vorsitzenden Richter befragt, was an jenem Tag geschehen sei, antwortete er: „Ja, was war da los? Das ist lange her. Da weiß ich gar nichts mehr. Keine Ahnung, ich hatte auch ein bisschen Wodka getrunken. Dat weet ik nit mehr. Die Knastaufenthalte waren auch nicht so schön, da vergisst man einiges. Ich bin unglaubwürdig, warum soll ich überhaupt aussagen?“

Er teilte noch mit, dass er seinen Hund weiterhin besitze, seine Mutter versorge ihn und es gehe ihm gut, bevor er sich mit einem freundlichen „Auf Wiedersehen!“ von allen Besuchern im Saal A 105 der Klever Schwanenburg verabschiedete.

Das große Puddingglas war für das Opfer

Die Angeklagte selbst hatte zuvor ihren Anwalt eine Erklärung zur Person und zum Tatgeschehen verlesen lassen. Demnach sei sie schwer psychisch krank und zuletzt nicht mehr in der Lage gewesen, ihren Beruf als Altenpflegerin auszuüben. Mit Jobs als Haushaltshilfe hielt sie sich über Wasser.

Opfer hatte Kleinanzeige geschaltet

So lernte sie auch den hochbetagten Mann aus Praest kennen, der im Klever Wochenblatt eine Kleinanzeige geschaltet hatte: „Suche liebe Frau mit Auto“. Weil er darauf bestanden habe, dass die liebe Frau mit Auto auch bei ihm einziehe, sei der Job nichts für sie gewesen. Daraufhin stellte sie den Kontakt zu der 32 Jahre alten Kleverin her. Von dem Tatkomplott habe sie jedoch nichts gewusst, in der verlesenen Erklärung sagte sie dazu: „Ich habe erst durch die Polizei erfahren, dass ein vergifteter Pudding im Spiel gewesen ist.“

Dem widersprach die dritte Täterin. Als Zeugin berichtete sie, von der Angeklagten eine Tüte mit zwei Puddinggläsern bekommen zu haben, verbunden mit dem deutlichen Hinweis, dass das größere der beiden Gläser für den Rentner bestimmt sei. Der Hinweis aber ergibt nur einen Sinn, wenn ein Wissen um die besondere Zutat in der Nachspeise bestanden hat.

Der Prozess wird mit weiteren Zeugen fortgesetzt

Davon ging auch die Polizei nach ihren Ermittlungen aus. Eine Kriminalkommissarin schilderte die Ermittlungsarbeiten und deren Fazit: Alle drei Täter seien sich darüber im klaren gewesen, dass etwas in dem Pudding gewesen sei. Jedoch habe man keine Klarheit darüber erlangen können, wer die Süßspeise mit dem Schlafmittel versetzt habe.

Der Prozess wird am Montag mit der Vernehmung weiterer Zeugen fortgesetzt.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben