Nach dem Hochwasser

In der Emmericher Ward hat der Rhein viel Müll hinterlassen

Nach dem Hochwasser kam bei der Sammelaktion von Nabu und Jagdgesellschaft Hüthum in der Emmericher Ward viel Müll zusammen.

Foto: Konrad Flintrop

Nach dem Hochwasser kam bei der Sammelaktion von Nabu und Jagdgesellschaft Hüthum in der Emmericher Ward viel Müll zusammen.

Emmerich.   Nabu, Jäger und Helfer gingen in der Emmericher Ward nach dem Hochwasser auf Müllsuche. Sie haben viel gefunden. Sogar einen Personalausweis.

Vorbei an hoch gestapelten Klinkersteinen der Firma Muhr trifft man am Ende der Fackeldey­straße auf einen ganz anderen Berg. Einen Müllberg, der sich innerhalb von gerade einmal vier Stunden am Samstag ansammelte.

Doch als es kurz vor 14 Uhr ist, ist dieser schon fein säuberlich in einem großen Container und vielen blauen Säcken verstaut. Auf einer kleinen Fläche von gerade einmal 300 mal 20 Metern Fläche haben Nabu, Hüthumer Jagdgesellschaft und Freiwillige aufgeräumt.

Cannabis-Tütchen und ein Ausweis

„Ein exemplarischer Tropfen auf den heißen Stein“, weiß Jäger Bernhard Lensing mit Blick auf Reifen, Plastik und Glas. Denn, so ergänzt Nabu-Mann Klaus Markgraf-Maué, das Naturschutzgebiet Emmericher Ward erstrecke sich auf einer Länge von drei Kilometern: „Da kämen wohl insgesamt zehn bis 15 Container zusammen.“ Es ist der erste Frühjahrsputz, der entlang des Rheines nach dem letzten Hochwasser durchgeführt wurde.

Auch wenn zeitgleich die jährliche Säuberungsaktion des Heimatvereins Hüthum-Borghees läuft, so sind es immerhin knapp 20 Helfer, die in der neuen Auenlandschaft im Einsatz sind. Der jüngste ist mit vier Jahren Henry. Bei dieser Müllsuche macht sich einmal wieder, wie vielerorts, der riesengroße Plastikanteil bemerkbar. Darunter jede Menge Einwegfeuerzeuge. „Ich habe alleine bestimmt 100 davon gesammelt“, so Rüdiger Helmich.

Auch ein leeres Cannabis-Tütchen, gehörte zu den Plastikteilen. Gefunden von Marita Weit. Gerade die kleinen Plastikteile sind die schlimmsten, erklärt Bernhard Lensing. Besonders für Rehe und Hasen: „Die sterben dann elendig.“

Sohni Wernicke geht zur Polizei

Als Klaus Markgraf-Maué auf die neu angelegte Nebenrinne in der Ward schaut, erklärt er: „Der Rhein gilt als der plastikverseuchteste Fluss weltweit.“ Auch wenn es von Duisburg, Rees in Richtung Landesgrenze weniger würde.

Die Tage tritt Sohni Wernicke den Gang zur hiesigen Polizeistation an. Nein, nicht um einen möglich ertappten Müllsünder zu melden. Bei der Aufräumaktion hat er einen Personalausweis einer jungen Frau aus der Pfalz gefunden. „Der ist noch bis 2020 gültig. Ich werde ihn auf der Wache abgeben.“

Flaschenpost einer Hochzeit aus dem Jahre 2006

Auf einmal klimpert es im Hintergrund. Die fleißigen Helfer laden Glas auf einen Hänger. Sieben Mal Flaschenpost haben sie ebenfalls gefunden. Darunter eine, die von einer Hochzeit aus dem Jahre 2006 stamme. Just kommt die Frage auf, ob die Ehe wohl noch Bestand habe. „Sicherlich“, heißt es von mehreren Seiten unisono.

Bei all den Müllbergen konnten die Naturfreunde auch die tolle Entwicklung der Auenlandschaft live und in natura erleben. Der Eisvogel hat den Winter überlebt! Jetzt hoffen alle, dass er an den Wänden der neuen Nebenrinne in diesem Jahr erstmals brüten wird. „Aufladen und bis zum nächsten Mal“, so die Schlussworte beim Frühjahrsputz entlang des Vaters Rheins. Eine Aktion, sie sicherlich keine Eintagsfliege bleiben wird.

>> ALLE SETZEN AUF EINE WIEDERHOLUNG

Für eine Neuauflage könne man Kinder und Jugendliche begeistern, ist sich Rüdiger Helmich sicher: „Wir müssen das nur früh genug wissen.“ Dann ließen sich Sportvereine und Schulen auch für einen größer angelegten Frühjahrsputz 2019 gewinnen. Gesucht wird dann auch ein Gastwirt, der die Stärkung der Helfer übernimmt. „Wir haben ebenfalls Interesse, die Aktion zu wiederholen“, so Jäger Bernhard Lensing.

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