Jehovas Zeugen verzichten auf Kirchensteuer

Emmerich.  Sekten-Vorwurf, kritische Aussteigerberichte – sie haben keinen leichten Stand, die Zeugen Jehovas. Obwohl nur eine kleine christliche Religionsgemeinschaft, wurde sie im Dritten Reich früh verboten und mit besonderer Härte verfolgt. Vor allem deshalb, weil ihre Mitglieder aus Gewissensgründen den Kriegsdienst ablehnten. Doch selbst im KZ erwiesen sich die „Violetten“ als besonders standhaft. Zu ihnen gehörte auch der Schlosser Friedrich Schütters aus Emmerich, der wegen seiner Kurierdienste und der Verteilung von Schriftmaterial verfolgt wurde.

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Sekten-Vorwurf, kritische Aussteigerberichte – sie haben keinen leichten Stand, die Zeugen Jehovas. Obwohl nur eine kleine christliche Religionsgemeinschaft, wurde sie im Dritten Reich früh verboten und mit besonderer Härte verfolgt. Vor allem deshalb, weil ihre Mitglieder aus Gewissensgründen den Kriegsdienst ablehnten. Doch selbst im KZ erwiesen sich die „Violetten“ als besonders standhaft. Zu ihnen gehörte auch der Schlosser Friedrich Schütters aus Emmerich, der wegen seiner Kurierdienste und der Verteilung von Schriftmaterial verfolgt wurde.

In seiner Ansprache zum Holocaust-Gedenktag auf dem Ehrenfriedhof am 27. Januar 2017 hat Bürgermeister Peter Hinze an das „unermessliche Leid“ erinnert, das auch den Zeugen Jehovas widerfahren sei. Aber auch später in der DDR wurden sie verfolgt.

Nun haben die Zeugen Jehovas eine kleine Genugtuung erfahren: die Anerkennung als Körperschaft des öffentlichen Rechts nun auch in Nordrhein-Westfalen. Als solche könnten sie auch Kirchensteuern erheben, wollen darauf aber verzichten. Als letztes Bundesland hat NRW per Rechtsverordnung vom 21. Januar 2017 Jehovas Zeugen diesen Status zuerkannt. In dem Körperschaftsverfahren wurde unter anderem festgestellt, dass an der Rechtstreue der Religionsgemeinschaft kein Zweifel bestünde. „Mit der formellen Gleichstellung auch in NRW kommen wir endlich zu unseren verfassungsmäßig garantierten Rechten“, sagte Werner Rudtke, Sprecher des Zweigkomitees als leitendem Gremium.

Jehovas Zeugen finanzieren sich laut eigenen Angaben nur durch freiwillige Spenden. Weltweit sind rund 8,3 Millionen Zeugen Jehovas als Bibellehrer aktiv, in Deutschland sind es annähernd 170 000, die in 450 Versammlungen (Gemeinden) organisiert sind. Im Kreis Kleve gibt es 560 Zeugen.

Sie versuchen, über Grenzen hinweg ihre Botschaften weiterzutragen und investieren Zeit und private Mittel darin. Im Raum Kleve etwa versuchen sie derzeit, mit chinesischen Mitstreitern in deren Muttersprache zu kommunizieren. Eine kleine Gruppe von fünf Personen lernt deshalb chinesisch. Jeden Monat werden zwei biblische Vorträge in chinesischer Sprache angeboten.

Jehovas Zeugen sehen sich selbst in der Tradition des Urchristentums. Sämtliche Lehren stützen sich auf die Bibel. Bis zum Jahr 1931 hießen sie „ernste Bibelforscher“. Von ihrer Missionstätigkeit bekannt ist vor allem die Publikation „Der Wachtturm“.

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