Prozess am Landgericht

Kindesmissbrauch: Vater aus Rees muss ins Gefängnis

Mindestens 22 Mal hat ein Mann aus Rees seine minderjährige Tochter sexuell missbraucht. Während der Verhandlung am Landgericht Kleve suchte er die Schuld dafür verstärkt bei anderen.

Mindestens 22 Mal hat ein Mann aus Rees seine minderjährige Tochter sexuell missbraucht. Während der Verhandlung am Landgericht Kleve suchte er die Schuld dafür verstärkt bei anderen.

Foto: Niklas Preuten

Rees / Kleve.  Ein 53-Jähriger aus Rees muss wegen sexuellen Missbrauchs an seiner Tochter ins Gefängnis. Trotz Haftbefehls bleibt er zunächst auf freiem Fuß.

Weil er sich über Jahre an seiner minderjährigen Tochter sexuell verging, muss ein 53-jähriger Mann aus Rees für siebeneinhalb Jahre ins Gefängnis. Das entschied am Dienstag am Landgericht Kleve die Strafkammer um den Vorsitzenden Richter Christian Henckel. Der Mann muss seiner Tochter außerdem ein Schmerzensgeld in Höhe von 50.000 Euro zahlen.

Gericht: Täter handelte skrupellos

Als „erschreckend“ bezeichnete Henckel die Dauer und Schwere der Übergriffe. Der Mann habe das Urvertrauen seiner Tochter schamlos ausgenutzt. Die Missbrauchshandlungen, bei deren Beginn das Mädchen gerade einmal vier Jahre alt war, hatten sich über einen Zeitraum von acht Jahren ereignet. Der Vater fertigte mitunter auch Videos und Fotos davon an, die dem Gericht im Laufe des Prozesses als Beweismaterial dienten. Für die Strafkammer sei es nicht leicht gewesen, das explizite Bildmaterial zu begutachten, so der Vorsitzende Richter bei der Urteilsverkündung.

Richter sprach von ungesteuerter, skrupelloser Triebhaftigkeit

Die Versuche des Vaters, andere Personen und Lebensumstände für seine Taten verantwortlich zu machen, stießen beim Gericht erwartungsgemäß auf Unverständnis. Seine Erklärungen hätten vielmehr „sprachlos“ gemacht. „Verantwortlich war nur Ihre ungesteuerte, skrupellose Triebhaftigkeit“, sprach der Richter zu ihm. Auch zu einer möglichen Therapie des 53-Jährigen sagte Henckel: „Die Voraussetzung dafür ist, dass Sie die Verantwortung für ihre Taten sowohl gegenüber sich selbst als auch gegenüber anderen übernehmen.“

Reeser gab ab, weder pädophil noch kriminell zu sein

Im Laufe des Verfahrens hatte der Vater die Ansicht vertreten, er habe eine einvernehmliche Liebesbeziehung mit seiner Tochter geführt. Er sagte von sich selbst, weder pädophil noch kriminell zu sein. Er habe bei seiner Tochter die Erfüllung der Bedürfnisse gesucht, die er in der Ehe nicht mehr gefunden habe.

Von 2003 bis 2011 hat sich der Mann mindestens 22 Mal an seiner Tochter vergriffen. Die meisten der Taten ereigneten sich an den Wohnsitzen der Familie in und um Kleve, aber auch an seinem Arbeitsplatz sowie in einer Ferienunterkunft auf den Kanarischen Inseln. Für seine pornographischen Aufnahmen ließ er einmal auch den noch jüngeren Sohn posieren.

Erst 2016 kam der Missbrauch ans Licht

Erst 2016 kam der Missbrauch ans Licht. Die Ehefrau verständigte damals sofort die Polizei und reichte die Scheidung ein. Der Vater gestand sofort, was ihm bei der Urteilsbildung zu Gute kam. Auch der Umstand, dass er den Missbrauch 2011 von sich aus beendet hat, fand Berücksichtigung, sodass die Freiheitsstrafe letztlich unter den von der Staatsanwaltschaft geforderten neun Jahren blieb.


Der Haftbefehl wurde außer Vollzug gesetzt

Gegen den 53-Jährigen wurde zwar ein Haftbefehl erlassen, gleichzeitig jedoch unter Auflagen außer Vollzug gesetzt. Er muss sich jetzt zweimal wöchentlich bei der Polizei melden und ist verpflichtet, einen etwaigen Umzug umgehend zu melden. Über den Zeitpunkt des Haftantritts wird er auf schriftlichem Weg informiert.

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