Havariebecken

Klimawandel in der Praxis: Havariebecken in Elten ist fertig

Mark Antoni (li.) und Tobias Dilkaute sitzen im Havariebecken am Fortuna-Sportplatz in Elten. An dieser Stelle würden die Wassermassen im Falle eines Starkregen-Ereignisses in das Becken fließen.

Mark Antoni (li.) und Tobias Dilkaute sitzen im Havariebecken am Fortuna-Sportplatz in Elten. An dieser Stelle würden die Wassermassen im Falle eines Starkregen-Ereignisses in das Becken fließen.

Foto: Erwin Pottgiesser / FUNKE Foto Services

Elten.  Bei Starkregenereignissen kann das neue Havariebecken in Elten helfen. 20-jährige Regen-Massen können aufgefangen werden. Der Schutz hat Grenzen.

Viele haben noch die Bilder vor Augen als 2015 das Wasser stiefelhoch in den Straßen stand. In der Nachbarschaft Im Haag, Europastraße, Fortunastraße und Co. waren natürlich etliche Keller vollgelaufen. Von Jahrhundertregen war die Rede. Nur: Nach zwei solcher Ereignisse in den 90ern, Mai 2012 und September 2013 und einem weiterein in 2015 war dies der sechste Vorfall.

Emmerich ist aktiv geworden. Und hat für diese besonders betroffene Nachbarschaft zumindest zum Teil Abhilfe geschaffen. Neben dem Fußballplätzen von Fortuna Elten haben die Technischen Werke (TWE) und Gelsenwasser ein sogenanntes Havariebecken errichtet. Bis auf letzte Kleinarbeiten ist das 1,1 Millionen Euro teure Projekt fertig. „Es ist ein gutes Beispiel für Maßnahmen zur Klimaanpassung“, sagt Mark Antoni, TWE-Geschäftsführer.

Als 120 Liter pro Quadratmeter in 15 Minuten kamen

Was Elten damals passiert ist, wird als 100- bis 150-jährliche Regenereignisse erachtet, was auf Statistiken vergangener Tage beruht. „Damals kamen in 15 Minuten rund 120 Liter pro Quadratmeter herunter. Das entspricht ein Achtel des Jahresniederschlages“, schildert Antoni. Kein normales Kanalnetz könne diese Wassermassen aufnehmen. Städtische Kanäle werden sonst für zwei- bis fünfjährige Regenereignisse ausgerichtet. „Kanäle für 150-jährigen Regen kann man nicht bauen. Das wäre viel zu groß und zu teuer“, so Antoni.

Also hat man 20 Alternativen untersucht, um im kritischen Gebiet Abhilfe zu schaffen. Da die genannten Straßen der tiefste Punkt Eltens sind, war es keine Option den Sportplatz im Krisenfall einfach volllaufen zu lassen, schildert Tobias Dilkaute, Projektingenieur von Gelsenwasser. Eine Tieferlegung kam aufgrund des Grundwasserspiegels nicht in Frage. Denn hier würde Mischwasser abfließen, was nicht ins Grundwasser geraten soll. Auch die Belange des Vereins und der Feuerwehr, deren Gerätehaus auch dort liegt, galt es bei den Varianten zu berücksichtigen.

Havariebecken kann 2000 Kubikliter Wasser aufnehmen

Das Problem ist, dass der Hauptkanal, der vom Ortskern die Europastraße entlang, unter der Bahnlinie her gen Hauberg führt, an der Kopfseite der Straße Im Haag zu einem Rückstau des Wassers führt, das aus dem Kanal südlich kommt. Ein neuer Drosselschacht bremst das Wasser vom Hauptkanal aus und gebe dem Wasser der kritischen Straßen sozusagen Vorfahrt, so Antoni.

Kommt es zu einem Starkregen-Ereignis öffnet sich am Hauptkanal eine Art Sollbruchstelle, durch die das Wasser in großen Mengen in das Havariebecken bei Fortuna fließen kann, das unter der Erde abgedichtet ist. Die 2000 Kubikliter Wasser, die hier aufgenommen werden können, sollten dazu führen, „dass ein 20-jähriges Starkregenereignis schadfrei ablaufen kann“, erklärt Antoni. Ein Puffer von weiteren 50 Zentimeter biete das Becken noch. Mehr ist aus öffentlicher Hand nicht zu stemmen. „Aber das ist schon eine besondere Maßnahme“, unterstreicht der TWE-Chef.

Die Gebäude-Eigentümer sind auch gefordert

Heißt also, ein 150-jähriger Starkregen würde trotzdem zu Überflutungen führen, aber die Schäden wären geringer. Für noch besseren Schutz ist jeder Hauseigentümer selbst verantwortlich: „Wir haben damals allen Bürgern ein kostenloses Gutachten angeboten, um aufzuzeigen, welche Maßnahmen an den Gebäuden möglich sind“, sagt Mark Antoni. Etwa ein Drittel der Nachbarschaft machte von dem Angebot Gebrauch.

Was passiert im Havariebecken nach einem Starkregen? Wie in einer Badewanne läuft das Wasser über einen Schacht langsam ab, der mit einer Rückschlagklappe versehen ist. Danach sind Pflegearbeiten des Grüns im Becken erforderlich. Und auch sonst muss das Becken stets unterhalten werden.

Insgesamt wenige kritische Stellen in Emmerich

Auch an der Bottenkuhl in Elten sind TWE und Gelsenwasser aktiv geworden. „Hier musste eine Garage versetzt werden, damit das Wasser in Richtung alter Friedhof ablaufen kann“, so Tobias Dilkaute. Punktuell bleibt auch schon mal Wasser an der Unterführung Gerhard-Storm-Straße stehen, aber das sei unkritisch. Weitere kritische Stellen seien in Emmerich ansonsten derzeit nicht erkennbar. „Insgesamt liegt Emmerich auf einem guten Niveau“, meint Dilkaute. Alles zwölf Jahre muss der Generalentwässerungsplan erneuert werden.

Übrigens: Bei Ingenieur Dilkaute schlagen gewissermaßen zwei Herzen in einer Brust: „Auf der einen Seite würde ich das Havariebecken gerne mal in Aktion sehen. Aber auf der anderen Seite wünsche ich den Eltenern natürlich keinen Starkregen.“

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