Gerichtsverhandlung

Körperverletzung an Karneval: Reeser in Emmerich vor Gericht

Der junge Mann soll nach dem Emmericher Karnevalsumzug 2018 einen anderen mit einer Kerze geschlagen haben. Staatsanwaltschaft hat Zweifel.

Der junge Mann soll nach dem Emmericher Karnevalsumzug 2018 einen anderen mit einer Kerze geschlagen haben. Staatsanwaltschaft hat Zweifel.

Foto: Dirk SCHUSTER

Emmerich/Rees.  Ein 24-jähriger Reeser stand wegen gefährlicher Körperverletzung vor Gericht in Emmerich. Er soll einen anderen mit einer Kerze geschlagen haben.

Es war ein kurioser und zugleich kniffeliger Fall mit dem sich das Emmericher Amtsgericht am Montagmorgen beschäftigen musste. Angeklagt war ein 24-Jähriger aus Rees wegen gefährlicher Körperverletzung. Er sollte nach dem Karnevalsumzug 2018 in Emmerich einen anderen Mann mit einer Kerze geschlagen haben. Dieser erlitt eine Gesichtsfraktur, musste operiert werden und stationär im Krankenhaus verbleiben.

Ärger zwischen Geistmarkt und Kapaunenberg

Kniffelig war es nun, den Tathergang zu ermitteln. Der Angeklagte konnte sich an nichts erinnern, auch nicht daran, dass die Polizei ihn abgeführt hatte. Er hatte eine Atemalkoholkonzentration von 0,81 Milligramm pro Liter, was juristisch 1,6 Promille entspricht. Einzig sicher war er sich, dass er keine Kerze in der Hand gehabt hätte.

Auch der Geschädigte, ein 20-jähriger Reeser, hatte die Kerze nicht gesehen. Den Vorfall schilderte er so: Nach Ende des Karnevalsumzugs hätten er und seine Freunde sich auf den Weg vom Geistmarkt in Richtung Kapaunenberg gemacht. Unterwegs sei die Gruppe dem Angeklagten begegnet, dieser habe „Stress gemacht“. Der Geschädigte selbst habe aber mit einem seiner Freunde etwas abseits gestanden und gestritten. Als er auf den Pöbelnden aufmerksam wurde, sei er mit den Worten „verpiss dich“ auf ihn zugegangen. Daraufhin habe er den Schlag gespürt und das Bewusstsein verloren. Erst später im Krankenhaus sei er wieder aufgewacht.

Widersprüchliche Aussagen

Von hier aus hatte er vier Tage nach dem Vorfall die Polizei angerufen und angegeben, dass der Freund, mit dem er sich gestritten hatte, ihn geschlagen habe. Vor Gericht revidierte er dies aber wieder. Dieser Freund sowie drei weitere Mitglieder der Gruppe wurden ebenfalls angehört. Zwar schilderten alle den Vorfall ähnlich, wichen aber in den Details voneinander ab. Nur einer von ihnen erkannte den Angeklagten wieder, zwei erinnerten sich an die Kerze.

Zweifel am Hergang schürte die Halbschwester des Geschädigten. Ihr Bruder habe ihr im Krankenhaus gesagt, dass der Freund ihn geschlagen habe. Er sei aber von diesem und der Gruppe bedroht worden.

Eine weitere Zeugin gab an, den Schlag gesehen zu haben, er sei ihr aber „wie eine Reaktion“ erschienen. Zuvor habe sie einen Tumult bemerkt, an dem mehrere Personen beteiligt gewesen seien – bis dahin war nur von zwei Personen die Rede gewesen.

Zweifel im Gerichtssaal: Staatsanwältin fordert Freispruch

Ihre Aussage brachte die Staatsanwältin ins Zweifeln. Der Tathergang sei für sie nicht mehr ermittelbar, führte sie aus, und forderte Freispruch. Das tat auch der Verteidiger. Einerseits wegen der Widersprüche in den Aussagen der Freunde, aber auch, weil er die Schuld des Angeklagten bezweifelte: „Er hatte über 1,6 Promille, er war gar nicht mehr in der Lage zu schlagen.“

Die Richterin beurteilte die Sache anders. Sie verurteilte den Angeklagten zu 40 Tagessätzen à 12 Euro wegen Körperverletzung. Gefährliche Körperverletzung läge nicht vor. Die Verteidigung signalisierte, in Berufung gehen zu wollen.

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