Konzert

Konzert in Emmerich erinnerte an die Zerstörung der Stadt

Die Vielzahl der Mitwirkenden bot ein beeindruckendes Bild in der Aldegundiskirche in Emmerich.

Die Vielzahl der Mitwirkenden bot ein beeindruckendes Bild in der Aldegundiskirche in Emmerich.

Foto: Jens Uwe Wachterstorm / Funke Foto Services GmbH

Emmerich.  Ein würdiges Gedenkkonzert wurde am Samstagabend in der Aldegundiskirche in Emmerich dargeboten. Am Ende gab es zunächst Minuten der Stille.

Als am 7. Oktober 1944 Bomber der Royal Air Force die Stadt Emmerich und auch in den Tagen danach den Niederrhein in eine Steinwüste verwandelten, war das Elend groß – und hinterließ noch lange Zeit seine Spuren.

Inzwischen sind 75 Jahre vergangen. Erinnerung an die schreckliche Zeit sind da, aber auch an die 75 Jahre, in denen Deutschland und die Welt von Weltkriegen verschont wurden. Die Hoffnung auf eine Zukunft in Frieden ist zudem unverzichtbar.

Vielen Mitwirkende in der Aldegundiskirche

Erinnern und Hoffen waren zwei wichtige Eckpunkte eines Gedenkkonzertes, das aus Anlass der Zerstörung des Niederrheins vor 75 Jahren am Samstag in der Aldegundiskirche viele Zuhörer in seinen Bann zog. Mitwirkende waren die Städtische Singgemeinde Kleve, die Chorgemeinschaft St. Christophorus und der Chor der Eltener Stiftskirchenkonzerte.

Als Solisten wirkten mit Gabriele Natrop-Kepser, Sopran, Hans Scholing, Bariton und Philipp Hövelmann, Orgel. Die Camerata Louis Spohr begleitete Solisten und Chor. Kantor Stefan Burs hatte die Gesamtleitung des Konzertes.

Angst und Schrecken über das Geschehene

Die Kompositionen waren so gewählt, dass Angst und Schrecken über das Geschehene zunächst deutlich wurde, die Zuversicht auf Gottes Hilfe und Ratschläge aber zum Schluss überwogen. Sehr beeindruckend war die Besetzung des Chores, der einen großen Anteil an dem denkwürdigen Konzert hatte.

Solisten und Orchester passten sich ausgezeichnet der Atmosphäre eines Gedenkkonzertes an. Da wegen der großen Zahl der Mitwirkenden eine Platzierung im Bereich des Chorraumes nicht möglich war, fand man einen auch akustisch günstigen Platz im Bereich des Turmes. Die Zuhörer verfolgten das Geschehen auf einer Leinwand im Chorraum.

Aufteilung von Chor und Orchester gefiel

Felix Mendelssohn-Bartholdy schrieb acht Choralkantaten, von denen zwei ausgewählt wurden. „Wer nur den lieben Gott läßt walten“ und „Verleih uns Frieden gnädiglich“ spiegeln die Sorge der Menschen um Gottes Hilfe und die Bitte um Frieden. Bei der letzten Kantate gefiel besonders die Aufteilung von Chor und Orchester in den drei Strophen.

Wesentlich aktueller ist die Trauerkantate von Kreuzkantor Rudolf Mauersberger, die er nach der Zerstörung Dresdens und der Liebfrauenkirche im Zweiten Weltkrieg komponierte und die viel aussagt auch über Emmerichs Situation. Er übernahm aber nur einen Teil der Klagelieder des Jeremias. Es fehlen das Schuldeingeständnis an Gott und auch Sündenbekenntnisse. Mauersberger war wohl der Meinung, hier sei viel Unrecht an unschuldigen Menschen verübt worden.

Lange Stille am Ende

Das erklärt auch das mehrfache „Warum?“ – vom Chor gut interpretiert. Gabriel Faure hatte persönliche Gründe für sein „Requiem“. Er schrieb es nach dem Tod des Vaters und kurz vor dem seiner Mutter. Er wollte ein friedliches Bild des Todes entwerfen. Daher vertonte er beim ‘Dies irae’ nur den letzten Vers: ’Pie Jesu’. Natrop-Kepser sang ihn sehr textkonform mit einem verklingenden Schluss.

Nach dem letzten Ton verharrten alle Anwesenden mehrere Minuten in Stille, ehe ein langer und herzlicher Beifall die Leistung der Interpreten belohnte.

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