Probealarm

Kreis Kleve sagt den Probealarm am 7. Oktober in Emmerich ab

Im Bombenhagel vom 7. Oktober 1944 ging das alte Emmerich unter.Das Luftbild vom 14. Oktober 1944 zeigt das Ausmaß der Zerstörung in der Altstadt.Emmerich wurde zu ca. 97 Prozent zerstört.

Foto: Emmericher Geschichtsverein

Im Bombenhagel vom 7. Oktober 1944 ging das alte Emmerich unter.Das Luftbild vom 14. Oktober 1944 zeigt das Ausmaß der Zerstörung in der Altstadt.Emmerich wurde zu ca. 97 Prozent zerstört. Foto: Emmericher Geschichtsverein

Emmerich.   Ein geplanter kreisweiter Probealarm am Samstag hat Protest ausgelöst. Der Grund liegt 73 Jahre zurück und ist noch vielen im Gedächtnis.

Nach Protesten hat der Kreis Kleve den für Samstag, 7. Oktober, angesetzten kreisweiten Probealarm einstweilen abgeblasen. Das teilte Kreissprecherin Elke Sanders gestern der NRZ mit: „Es wird an diesem 7. Oktober keinen Probealarm geben, der Termin wird verschoben.“ Ein neuer Termin steht noch nicht fest. Für die Kreisleitstelle sei die Verschiebung „kein Riesenaufwand“.

Walter Axmacher, Vorsitzender des Geschichtsvereins, hatte daran erinnert, dass Emmerich bei einem Luftangriff am 7. Oktober 1944 zu 97 Prozent zerstört worden sei. In den Trümmern hätten rund 600 Tote gelegen, etwa 1000 Menschen seien verwundet worden. Angesichts dieser traurigen Fakten stellt Axmacher die Frage: „Ist es dann angebracht, den ersten Probealarm in Emmerich nach fast 20 Jahren ohne Probealarm genau an diesem Tag zu veranstalten? Was mögen die Menschen denken, die diesen Tag in Kellern und Bunkern erleben mussten und Familienangehörige, Verwandte, Bekannte und Freunde verloren haben?“

Eindringliche Bitte an den Landrat

Axmacher forderte die Emmericher Stadtverwaltung dann auf, „alles zu unternehmen, dass dieser sicherlich sinnvolle und notwendige Probealarm in Emmerich nicht am 7. Oktober 2017, sondern an einem anderen Tag durchgeführt wird.“

Die Emmericher SPD-Fraktionsvorsitzende Andrea Schaffeld wandte sich an Landrat Wolfgang Spreen und bat ihn „ganz eindringlich“, auf den Probealarm der Sirenen am 7. Oktober zu verzichten und einen anderen Termin festzulegen: „Der 7. Oktober ist der Erinnerungstag an die nahezu vollständige Zerstörung der Städte Emmerich und Kleve. In Emmerich läuten um 14 Uhr alle Kirchenglocken, um an die Stunde der Zerstörung zu erinnern. Die Kirchengemeinde betet mit einem interreligiösen Gebet für Frieden und erinnert an die vielen Toten des Krieges. Mich sprechen viele Menschen an, die heute noch als unmittelbar betroffene Zeitzeugen diesen schrecklichsten Tag in ihrem Leben erinnern und angehörige betrauern. Die Situation wird in Kleve nicht anders sein. Es gibt keine unbedingte Notwendigkeit, den Probealarm an diesem Tag durchzuführen. Eine Woche später ist das auch möglich. Ich hoffe sehr auf Ihr Verständnis.“

Appell der Emmericher Senioren-Union

Auch die Emmericher Senioren Union appellierte unterdessen an Stadt und Kreis : „Keine Sirenen am 7. Oktober!“ SU-Vorsitzender Herbert Ulrich, zugleich Erster stellvertretender Bürgermeister, schreibt, man habe mit Erstaunen zur Kenntnis genommen, dass erstmals seit langer Zeit wieder Feueralarmsirenen probeweise zu hören sein werden: „Diese Tatsache ist einerseits erfreulich, weil sie der Sicherheit der Bevölkerung dienlich sind, andererseits aber auch instinktlos angesichts des Datums.“

Zumal auch Kleve am 7. Oktober 1944 durch alliierte Luftangriffe in Schutt und Asche gelegt wurde: „Es gibt auch noch Überlebende, die nicht nur liebe Angehörige verloren haben, sondern selber auch an Verletzungen und Traumatisierung leiden und bis heute an diesen Tag denken. Deshalb ist es für uns unverständlich, dass der Kreis Kleve und die Stadt Emmerich so unsensibel sind und die Erinnerungen der älteren Menschen an das Grauen dieses Tages in Stadt und Kreis unberücksichtigt lassen.“

Keine Reaktionen in Kleve

Aus Kleve seien keine negativen Reaktionen wegen des umstrittenen Termins am 7.Oktober bekannt, wie Kreissprecherin Elke Sanders auf Nachfrage mitteilte

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