Apfelernte

Marlen Baumann ist jetzt Chefin der Reeserwarder Obstanlagen

Marlen Baumann ist jetzt Chefin auf dem Wardmanshof in Reeserward. Die diesjährige Ernte in den Reeserwarder Obstanlagen ist nicht so üppig ausgefallen, der Kunde in der Verkaufsstelle werde dies aber nicht merken, verspricht die Gartenbau-Ingenieurin.

Marlen Baumann ist jetzt Chefin auf dem Wardmanshof in Reeserward. Die diesjährige Ernte in den Reeserwarder Obstanlagen ist nicht so üppig ausgefallen, der Kunde in der Verkaufsstelle werde dies aber nicht merken, verspricht die Gartenbau-Ingenieurin.

Foto: Konrad Flintrop

Reeserward.   Marlen Baumann führt den Obstbetrieb weiter. Ihr Vater steht ihr noch mit Rat und Tat zur Seite. Die neue Ernte kommt ab Freitag in den Verkauf.

Die frostigen Temperaturen im April sind – wie befürchtet – für die Apfelernte nicht ohne Folgen geblieben. „Wir erwarten europaweit eine kleine Ernte“, sagt Marlen Baumann. „Aber der Kunde in unserer Verkaufsstelle wird das nicht merken“, verspricht die Gartenbau-Ingenieurin. Die Baumanns werden wegen der kleineren Ernte aber weniger Äpfel über den Handel absetzen können. Der Preis vom letzten Jahr wird damit nicht gehalten werden können.

Feines helles Apfelmus

Am morgigen Freitag startet der Obstverkauf mit drei Sorten. Die Sommeräpfel Delbar und James Grieve werden in der Verkaufsstelle an der Wardstraße 2 zu finden sein, zudem die Williams Christ-Birne. „Der James Grieve wird meist verarbeitet und ergibt ein feines helles Apfelmus, wogegen Delbar als aromatischer, süß-mildsäuerlicher, knackiger und saftiger Tafelapfel beliebt ist“, sagt Marlen Baumann. Beide Sorten seien nur bedingt lagerfähig. „Sie sind im Gegensatz zu den späteren Äpfel für den sofortigen Verzehr geeignet“, erklärt die 31-Jährige.

Seit Montag sind die deutschen und polnischen Pflücker in den Obstanlagen tätig. „Vier Wochen vorher, wenn der Erntezeitpunkt absehbar wird, informieren wir die Pflücker“, sagt Marlen Baumann. Wie auch im Verkauf setzen die Baumanns auf langjährige Kräfte. „Manche Pflücker sind schon 30 Jahre bei uns“, weiß Marlen Baumann.

Gerade ist sie auf der Suche nach einer zusätzlichen Kraft im Obstverkauf, weil die älteste Mitarbeiterin etwas kürzer treten möchte. „Bei uns zu arbeiten, das hat etwas Familiäres, da ist es nicht so einfach, die Richtige oder den Richtigen zu finden, das muss schon passen“, weiß sie.

In rund drei Wochen wird der beliebte Elstar in den Verkauf kommen. „Dann geht es Schlag auf Schlag“, sagt sie. Mit dem Elstar kämen auch die Sorten Rubinette und Cox Orange in den Handel. Es folgen Topaz, Jonagold, Boskoop, Pinova, Wellant und Braeburn. Alle Sorten würden dreimal gepflückt, damit jeder Apfel zum optimalen Zeitpunkt geerntet und somit Zeit habe, sein volles Aroma zu entwickeln.

Vom Hochstamm zum Spindelbaum

Seit 1. Juni ist Marlen Baumann die Chefin auf dem Wardmanshof. „Das Umschreiben hat eine unglaubliche Welle von Bürokratie ausgelöst“, hat sie überrascht. Ihr Vater Everhard Baumann stehe ihr aber noch mit Rat und Tat zur Seite. „Und beim Organisieren – das kann er richtig gut“, lobt sie.

Begründet hat den Betrieb Marlen Baumanns Urururgroßvater mit dem Erwerb des zuvor gepachteten Landes. Die letzten Zahlungen dafür hat noch ihr Urgroßvater Otto Baumann leisten müssen.

Übrigens: Marlen Baumann ist die zweite Chefin auf dem Wardmanshof nach Oma Anneliese, (*1914) die den Betrieb mit Wechsel vom Hochstamm zum Spindelbaum in die Moderne führte.

>> VERHANDLUNGEN MIT NAPOLEONS MANNEN

Der Wardmanshof ist seit über 200 Jahren im Familienbesitz. Gekauft hat ihn der Urururgroßvater von Marlen Baumann von Napoleon. Dieser hatte sich die Ländereien als Staatsdomänen angeeignet und verpachtet. Auf seinem Rückzug veräußerte er diese Staatsdomänen, um liquide zusein. Die Verhandlungen – und das ist verbrieft – waren zeitlich begrenzt. Eine Kerze wurde entzündet und die Verhandlungen mussten unter Dach und Fach sein, wenn diese abgebrannt war.

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