Kirchturm

Millinger Kirchturm wird wieder das Kreuz zieren

Hoch über den Dächern von Millingen wird hier am Kirchturm gearbeitet.

Hoch über den Dächern von Millingen wird hier am Kirchturm gearbeitet.

Foto: Thomas Verbeet

Millingen.   Das Kirchturmkreuz von St. Quirinus Millingen wurde saniert, der Wetterhahn neu vergoldet. Das Kreuz aufzustellen wird ein großer Akt.

Schon in weiter Ferne glänzt die Spitze des Kirchturms von St. Quirinus in der Sonne. 52 Meter hoch fährt ein Ausleger die Arbeitsbühne. Am Mittwoch wurden die wichtigen Vorarbeiten getätigt. Wenn am Donnerstag die Wettervoraussetzungen stimmen, wird das alte Kreuz mit dem goldenen Wetterhahn auf die Turmspitze gesetzt.

Ein geschichtsträchtiger Moment

Immer wieder schauten Millinger vorbei, um dieses ungewöhnliche Bild mit der Kamera festzuhalten. Und wann kann man schließlich ein Kirchturmkreuz aus der Nähe betrachten?

Noch steht das Kruzifix, mit Wetterhahn und Unterteil -- 6,50 Meter hoch und knapp drei Meter breit – im Seitenschiff von St. Quirinus. Am Samstag wurde es in der Messe gesegnet. Kinder haben das Kreuz mit buntem Krepppapier mit Segenswünschen verziert, sie sollen von der Kirchturmspitze in alle Winde verwehen.

Kreuz wurde restauriert

Wie berichtet, stand lange im Raum, was mit dem Kreuz passieren soll, das dringend restauriert oder erneuert werden sollte. Da der Denkmalschutz eine Erneuerung ablehnte, kam es schlussendlich zu der nun erfolgten Sanierung. Denn wie man sah, als das Kreuz abgenommen wurde, fehlten zirka 70 Prozent der ursprünglichen Verzierungen.

Die vorhandenen Bestandteile des Original-Kreuzes wurden überarbeitet, die fehlenden Verzierungen erneuert, damit es wieder sein ursprüngliches Aussehen hat. Die Schmiedearbeiten führte Bernd Buschmann aus Wesel aus, die Vergoldung des Hahns Goldschmied Udo Goertz, der aus Millingen stammt und in Wesel seine Werkstatt hat.

Am Mittwoch wurden von der Arbeitsbühne aus Bleianschlüsse angebracht und Schiefer befestigt, bis dann auf das Grundgestell die Hülle mit dem Kupferaufbau und zum Schluss am Donnerstag das Kreuz aufgesetzt werden.

Was in die Zeitkapsel gefüllt wurde

Die kupferne Kirchturmspitze stand am Mittwoch noch auf dem Boden, ebenso die Zeitkapsel. Diese hat Karl-Heinz Sliwa vom Kirchenvorstand mit einer Urkunde, Münz- und Bargeld und Zeitungsausschnitten gefüllt. „Alles, was über unser Kreuz in der Presse stand, habe ich ebenfalls in die Kapsel gefüllt“, berichtet Sliwa.

Auf der Urkunde steht geschrieben, wer im Jahr 2019 Bundespräsident, Bundeskanzlerin, Bischof, Regionalbischof, Bürgermeister und Pastor war und welche Gewerke an der Restaurierung beteiligt waren. Diese wurden namentlich aufgelistet und die Visitenkarten der Handwerksbetriebe ebenfalls der Kapsel beigefügt. Nicht fehlen durften die aktuellen Pfarrnachrichten von St. Quirinus. Dieser NRZ-Artikel schafft es nicht mehr in die Kapsel. Sie ist bereits verlötet.

Nur alle 100 Jahre

Thomas Verbeet aus Millingen, Leiter der Feuerwehr in Wesel, mag gar nicht hochrechnen, wie viele Blitze das Kreuz in den vergangenen 100 Jahren getroffen haben. Schließlich hat St. Quirinus weit und breit den höchsten Turm. Thomas Verbeet wird seine Fotostrecke für die Internetseite des Heimatvereins zur Verfügung stellen. Und sicher werden sich am Donnerstag nochmals viele Millinger das Spektakel ansehen. Denn so etwas geschieht nur alle 100 Jahre einmal.

>>KIRCHE IST AUS DEM 15. JAHRHUNDERT

Die romanische Pfarrkirche St. Quirinus ist eine dreischiffige Pseudobasilika mit Querhaus. Sie entstand in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Ende des 15. Jahrhunderts erfolgte eine spätgotische Umgestaltung. Unter dem mit Natursteinschiefer gedecktem Satteldach befindet sich das Kreuzrippengewölbe. Im Westen überragt der mächtige viergeschossiger Westturm mit Helmdach das Bauwerk.

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