Kriminalität

Mit Gaunerzinken markieren Einbrecher Häuser

Pressesprecherin der Polizei Kleve: Manuela Schmickler

Pressesprecherin der Polizei Kleve: Manuela Schmickler

Foto: NRZ Emmerich

Emmerich/Rees.   Mit Gaunerzinken informieren Verbrecher sich gegenseitig. Die NRZ sprach mit der Polizei und erklärt, wie Eigentümer im Fall der Fälle vorgehen sollten.

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Wenn an ihrer Hauswand plötzlich so eine Kritzelei zu sehen ist und es waren nicht jüngst die Sternsinger bei Ihnen – dann sind das womöglich Gaunerzinken. Gaunerzinken? Ja, das sind Hinweise, die Verbrecher ihren Kollegen hinterlassen. Ihr Haus wurde sozusagen markiert.

Ein großes „X“ könnte zeigen, dass Sie im Urlaub sind. Ein „M“ verrät, dass man hier morgens gut einbrechen kann, ein halber Mond steht für die abendlich günstige Gelegenheit. Drei vertikale Striche – das wäre eine gute und eine schlechte Nachricht. Gut, weil die Einbrecher nicht zu Ihnen kommen. Schlecht, weil die Hausbewohner nicht so gut betucht sind: Es gibt nichts zu holen. Einge ganze Liste mit Symbolen bietet die NRZ in der Printausgabe am Freitag, 24. Juli.

Scherz beiseite. Gaunerzinken sind eine ernste Angelegenheit. Jüngst gab es in Borken Fälle, wo diese Markierungen zum Einsatz kamen. Die NRZ sprach mit der Polizei darüber. „Vor allem osteuropäische Täter nutzen Gaunerzinken“, bestätigt Polizeisprecherin Manuela Schmickler. Manche nutzen Kreide, andere ritzen die Symbole in die Klinkersteine.

Was ist zu tun, wenn man an der eigenen Hauswand, am Briefkasten oder an der Zuwegung Gaunerzinken entdeckt? „Wenn man sowas sieht, sofort fotografieren, die Polizei informieren und dann das Symbol entfernen“, unterstreicht Schmickler.

Neue und alte Generation

Zu unterscheiden ist zwischen älteren und neueren Symbolen. Das „M“ und der Halbmond gehören zur neueren Generation. Weitere Zinken verweisen auf bissige Hunde, auf Alleinstehende, auf Haushalte ohne Männer, auf alte Leute oder auch auf Häuser, wo jeder Einbruchsversuch zwecklos ist.

Prinzipiell rät die Polizei: Wer Verdächtige sieht, sollte sofort die 110 anrufen und nicht erst überlegen. Vor allem dann, wenn Unbekannte das Haus fotografieren. Auch bei fremden Fahrzeugen sollte man dies beherzigen, so Schmickler: „Wenn es dann nur der Besuch des Nachbarn ist, dann ist das doch kein Problem.“ Der Anrufer muss im Falle des falschen Alarms keine Folgen fürchten. Gern dürfen die Bürger auch verdächtige Autos und Personen heimlich mit dem Handy fotografieren – das hat mit Datenschutz nichts zu tun. Die Polizei kann mit den Informationen allerdings oft viel anfangen, wenn es tatsächlich Verbrecher sein sollten. „Die Masse an Hinweisen macht’s. Wir setzen das Puzzle zusammen“, sagt Schmickler.

Übrigens: Wenn Einbrecher tagsüber einbrechen, ist es durchaus nicht unüblich, dass sie erstmal schellen, um zu prüfen, ob jemand zuhause ist.

Einer südosteuropäischen Tradition entstammen die Gaunerzinken, so Sprecherin Manuela Schmickler. Ursprünglich wurden sie nicht nur in verbrecherischer Absicht genutzt. Noch in den 1950ern und 60ern gab es Zinken, die anzeigten, in welchem Haus man übernachten kann. Oder wo es für Arbeiten Geld zu verdienen gab.

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