Mordprozess

Mord in Elten - Gutachter vermutet Scham als Motiv

Am 15. Dezember 2017 wurde der 77-jährige Eltener getötet in seinem Haus aufgefunden.

Am 15. Dezember 2017 wurde der 77-jährige Eltener getötet in seinem Haus aufgefunden.

Foto: Klaus-Dieter Stade

Elten/Kleve.   Im Eltener Mordprozess sagte der Gutachter vor dem Landgericht aus. Als Zeuge der homoerotischen Kontakte sollte der 77-Jährige beseitigt werden.

Dr. Jack Kreutz, der psychiatrische Sachverständige, hatte mehrere Termine mit dem Angeklagten. Um herauszufinden, was der 25-Jährige im Innersten bewegt, sprach der Mediziner rund zwölf Stunden mit ihm. Er setzte Intelligenztests ein und andere Verfahren, die mit Buchstabenserien abgekürzt werden oder so klangvolle Namen haben wie „Freiburger Persönlichkeitsinventar“.

Über all das berichtete der Psychiater am Mittwoch, am dritten Verhandlungstag im Mordprozess um den 77-jährigen Eltener, vor dem Landgericht Kleve. Knapp zwei Stunden dauerte der Vortrag des Experten. Doch alle Expertise, alle psychiatrische Finesse prallten an dem Klever Angeklagten ab. „Irgendwas trägt er mit sich herum“, so Kreutz. „Was, konnten wir nicht herauskriegen.“

Der Angeklagte hat einen Intelligenzquotienten von 92, ist also durchschnittlich intelligent. Doch schon da begann für den Gutachter das Dilemma, denn ein anderer Test kam nur auf einen Wert von 72, was der Mediziner aber eher als Folge einer flüchtigen Vorgehensweise verbuchte. „Er war ein Mensch, der mir sehr komplex erschien“, fasste Kreutz seinen ersten Eindruck zusammen. Das war die diplomatische Ausdrucksweise dafür, dass sämtliche Tests mit widersprüchlichen Resultaten endeten. Immerhin, so Kreutz, sei eine „erhöhte Erregbarkeit“ deutlich geworden, und auch die Aggressivität liege „im oberen Durchschnitt“.

Verschiedene Drogen konsumiert

Die Aggressivität äußerte sich am 14. Dezember 2017 in einer Bluttat von bemerkenswerter Grausamkeit. Nach einigen vergeblichen Versuchen, das Leben seines 77 Jahre alten Opfers mit roher Gewalt zu beenden, zertrümmerte der Kraftsportler aus Kleve den Kopf des Mannes mit einem Feuerlöscher.

Drogen spielte nach Auffassung von Kreutz bei dem Tatgeschehen keine Rolle. Der 25-Jährige kann zwar auf eine persönliche Drogenhistorie zurückblicken, bei der u.a. Alkohol, Kokain, Heroin, Cannabis, Amphetamine und Chrystal Meth konsumiert wurden, doch das meiste habe er nur „ab und zu“ oder „sehr unregelmäßig“ zu sich genommen, wie er dem Gutachter anvertraute. Als er anfing, Bodybuilding zu betreiben, trank er weniger, spritzte sich dafür Testosteron. Wenige Tage vor der Tat nahm er Ketamin, ein Betäubungsmittel aus der Tiermedizin. Doch das hatte sich nach Auffassung des Gutachters weitestgehend abgebaut.

Recht rational schilderte der Angeklagte dem Arzt die Motivlage für sein Verbrechen. Demnach habe er Geld gebraucht, um vernünftig zu essen und um Drogen zu kaufen. Außerdem habe er wissen wollen, wie es ist, jemanden zu töten. Und schließlich sei er mit dem Opfer sexuell intim gewesen, was Kreutz zufolge für den 25-Jährigen mit großer Scham besetzt war. Der einzige Zeuge dieser homoerotischen Kontakte habe gewissermaßen aus dem Weg geräumt werden sollen. Was also ein Motiv wäre.

Brief an den Adoptivsohn

Insgesamt bescheinigte Kreutz dem Angeklagten eine dissoziale Persönlichkeitsstörung mit „akzentuierten Persönlichkeitszügen ohne großartigen Krankheitswert“: „Man kann aus der Grausamkeit einer Handlung nicht auf eine Krankheit schließen.“

Für den Klever wird es wohl keine Unterbringung in einer psychiatrischen Anstalt geben. Er selbst hat wohl auch nicht damit gerechnet. In einem Brief an den Adoptivsohn des Opfers, der vor Gericht verlesen wurde, schrieb er: „Ich hoffe, es ist ein kleiner Trost für Sie, dass ich ab jetzt mein Leben im Gefängnis verbringen muss.“

Der Prozess wird am 2. Juli mit den Plädoyers fortgesetzt.

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