Mordkommission

Mordermittler gibt zum Abschied emotionale Einblicke

Gerhard Hoppmann, Leiter der Mordkommission Krefeld, verabschiedete sich in Kleve in einer Presserunde. Er geht Ende des Monats nach 46 Dienstjahren und 35 Jahren als Mordermittler in Rente.

Gerhard Hoppmann, Leiter der Mordkommission Krefeld, verabschiedete sich in Kleve in einer Presserunde. Er geht Ende des Monats nach 46 Dienstjahren und 35 Jahren als Mordermittler in Rente.

Foto: Thorsten Lindekamp / Funke Foto Services GmbH

Kreis Kleve.  Gerhard Hoppmann blickt auf 35 Jahre als Mordermittler zurück. Nun geht er in Rente. Und gibt emotionale Einblicke. Auch zu Kreis Klever Fällen.

Wenn er bei der Klever Polizei über die Gänge geht, dann stoppt Gerhard Hoppmann fast an jeder Tür, um einen herzlichen Gruß auszutauschen. Der langjährige Leiter der Mordkommission in Krefeld, die auch für den Kreis Kleve bei vorsätzlichen Tötungsdelikten zuständig ist, pflegt gute, persönliche Kontakte zu den Kollegen in Kleve. Ab dem 1. Dezember wird er Erster Kriminalhauptkommissar a.D. sein. Der bundesweit bekannte Mordermittler geht wie berichtet in Rente .

Auf seiner Abschiedstour hielt der 61-Jährige nun in Kleve. Und lobte die Medien im Kreis Kleve, die bei der Aufklärung vieler Taten sehr hilfreich gewesen seien. Eine Abschiedsfeier kann er corona-bedingt mit den Kollegen nicht feiern. Auf elf Seiten hat er deshalb eine emotionale Abschiedsschreiben verfasst. Und gibt tiefste Einblicke: „Ich liebe es, Tatverdächtige zu vernehmen, mit ihnen zu weinen und zu lachen, Vertrauen zu erlangen, in ihre Seele zu blicken und sie letztlich zum Geständnis der Wahrheit zu bringen.“ Wahnsinn.

Wenn möglich immer zu den Beerdigungen gegangen

Auch seine Bodenständigkeit wird deutlich: „Soweit es mir möglich war, stand ich zur Beerdigung immer an den Gräbern der Tötungsopfer, um den Angehörigen unser Mitgefühl zu zeigen und mir selbst immer wieder klar zu machen, dass es sich nicht um ‘Leichensachen’ handelt, sondern um menschliche Tragödien, die wir bearbeiten.“

Rund 250 Mordermittlungen hat der Kreis Klever, die genaue Herkunft soll inzwischen wieder freien Straftätern nicht verraten werden, geleitet. Die Fälle sind ihm alle noch sehr präsent . So intensiv hat er sich damit befasst.

Ehrenmorde haben eine besondere Bedeutung

Als besondere Fälle gelten für Hoppmann Ehrenmorde. Der erste Fall für ihn geschah 1986 in Kleve, ein Doppelmord an zwei kurdischen Kindern. 2003 mussten auch in Kleve die Kinder miterleben, wie der Vater die Mutter erstach. Der älteste Sohn, damals 16, versuchte Jahre später vor der Schwanenburg den Vater zu erschießen, der in der Folge querschnittsgelähmt war.

Bundesweit wurde der Ehrenmord an Gülsüm Semin aus Rees wahrgenommen. Vater und Sohn verabredeten sich zum Mord, weil die Tochter ein Kind aus einer aus ihrer Sicht verbotenen Partnerschaft abtreiben ließ. Der Sohn und ein Asylbewerber übten die Tat aus, aber erstmals bundesweit konnte mit dem Vater der Auftraggeber überführt werden: „Er wurde zu lebenslanger Haft verurteilt “, schildert Hoppmann.

Der Fall Silke Büche bleibt „dramatisch“ für Hoppmann

2007 wurde Jens Targacz in einem Wohnwagen in Praest erstochen, dann wurde der Wohnwagen abgebrannt. Die Freundin des Opfers führte die Ermittler auf eine falsche Fährte ins Drogenmilieu. Am Ende war sie selbst die Täterin . Ihr Fehler: Sie hatte sein Handy mitgenommen. Die Spur, und wann es ausgeschaltet wurde, konnte verfolgt werden.

Ein Fall, der für Hoppmann heute noch „dramatisch“ sei, weil er der Familie nicht erklären kann, was passierte, ist das Verschwinden von Silke Büche aus Emmerich 2008. Anhaltspunkte für eine Tötung habe es nicht gegeben, aber für ein Suizid. Womöglich ist sie in den Rhein gesprungen.

Nur ein Fall mit dem Mordmerkmal Mordlust

Ein Einzelfall war für den Ermittler die Ermordung von Robert Christ in Elten 2017: „Es war der einzige Fall in meiner Karriere mit dem Mordmerkmal Mordlust.“ Der Täter wollte einfach mal wissen, wie es ist.

Hoppmann brachte 1986 einen 19-jährigen Soldaten zu einem Mordgeständnis. Er hatte in Goch einen alten Freund wegen Kleingeld mit einem Bundeswehrspaten erschlagen. Ohne Geständnis wäre der Fall nicht geklärt worden: „Er tötete sich selbst in der Haft“, so Hoppmann.

Als Halb-Kleve eine Speichelprobe abgeben musste

Als Verfechter der DNA-Reihenuntersuchung konnten Hoppmann und seine Kollegen erstaunliche Erfolge dieser Ermittlungsmethode vorweisen. Etwa der Fall Heidi Birkenfeld 2001 in Kleve, die in ihrem Bett von einem Einbrecher erschlagen wurde. Wochenlang mussten viele Klever Speichelproben abgeben. „Ich war drauf und dran ganz Kleve einzubeziehen“, verrät Hoppmann. Doch dann: Spur 399! Die war es. Ohne die Rasterfahndung wäre der Fall nicht aufgeklärt worden.

In einem Fall im Kreis Kleve musste sich Hoppmann übrigens als befangen vom Fall zurückziehen: 1998 wurde seinem Nachbarn die Kehle durchgeschnitten.

Vorgesetzte ließen Gerhard Hoppmann gewähren

Der baldige Pensionär hebt die Einstellung seiner „handverlesenen, hochmotivierten“ Kollegen hervor: „Der unbedingte Wille, jede Sache aufklären zu wollen, wurde von der ganzen Dienststelle fortgeführt“, schildert er über den Moment, als er die von Walter Seifert, seinem kriminalistischen Vorbild, die Leitung der Mordkommission vor 22 Jahren übernahm.

Hoppmann ist froh, dass Vorgesetzte ihn gewähren ließen: „Ob wir mal 60 Beamte für eine Mordkommission brauchten oder schon mal 100.000 Euro pro Woche bei Reihenuntersuchungen ausgaben.“

>> Thomas Wieck wird der Nachfolger

Wie hat Gerhard Hoppmann all diese Fälle verarbeiten können? Zunächst mal konnte er nach oft langen Ermittlungen mit 14 Stunden Arbeit am Tag endlich mal wieder richtig schlafen. Zudem habe er viel darüber gesprochen. „Psychohygiene“ nennt er es. Und viel Sport als Ausgleich: Marathon, Wandern, Bergsteigen. Den Kilimandscharo möchte er gerne als Rentner noch anvisieren.

Auf der Spitze angekommen wird er dann vielleicht an Thomas Wieck denken: „Ein exzellenter Kollege.“ Er wird sein Nachfolger als Leiter der Mordkommission.

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