Apotheke

Millinger Apothekerin sorgt sich um Nachwuchs

Das Team der Apotheke Millingen: Lena Horsmann (von links), Ute Herhold, Katharina Strutmann, Dorothee Nienhaus, Karin Gal, Bianca Graaf, Uta Schürholz, Barbara Fischer und Miriam Schnelting.

Das Team der Apotheke Millingen: Lena Horsmann (von links), Ute Herhold, Katharina Strutmann, Dorothee Nienhaus, Karin Gal, Bianca Graaf, Uta Schürholz, Barbara Fischer und Miriam Schnelting.

Foto: Apotheke Millingen

Millingen.  Vor zehn Jahren übernahm Uta Schürholz die Apotheke. Ihre Mitarbeiterinnen arbeiten seit Jahrzehnten hier. Nur der Apothekernachwuchs fehlt.

Als Uta Schürholz die Apotheke in Millingen vor genau zehn Jahren übernahm, war sie nicht frei von Sorgen, wie die Zukunft des Ortsteils in Blick auf die Betuwe entwickeln wird. Kommen die Kunden jenseits der Gleise, wenn die Ortsdurchfahrt geschlossen wird?

Bis heute ist das nicht geschehen und die Apothekerin erfährt täglich, wie dankbar ihre Kunden sind, dass es die Versorgung vor Ort gibt. Dabei beschleicht Uta Schürholz eine andere Sorge, die sie mit ihren Kollegen teilt. Es fehlt der Nachwuchs. Was für sie bedeutet, dass sie sechs Tage in der Woche und an den Notdiensten persönlich anwesend sein muss. So sieht es der Gesetzgeber vor.

Schwere Turbulenzen im Apothekenwesen

Dass das Apothekenwesen schwerste Turbulenzen im vergangenen Jahrzehnt durchlebt hat, können besonders die langjährigen Mitarbeiterinnen bestätigen. Wie Dorothee Nienhaus, sie seit 1984 als PTA in der Apotheke arbeitet, ihre Kollegin Barbara Fischer hat hier bereits 1976 bei der damaligen Inhaberin Lilo Budde ihre Ausbildung als PKA begonnen, Bianca Graaf arbeitet über 25 Jahre als PTA in Millingen und Ute Herold seit 2003, ebenfalls als PTA.

Quantensprung durch Digitalisierung

„Mit der Digitalisierung haben wir einen Quantensprung vollzogen“, resümiert Dorothee Nienhaus. „Die Dokumentationspflicht bindet viel Zeit, die Beratungen sind intensiver geworden, es gibt mehr Ärger mit den Krankenkassen, aber auch massive Lieferengpässe von Medikamenten belasten aktuell alle Apotheken. Nur die Kunden sind nett geblieben“, betont Dorothee Nienhaus. Was auch ein Grund dafür ist, dass die Mitarbeiterinnen der Apotheke treu geblieben sind. Sie kennen die Kunden, oftmals schon in der zweiten und dritten Generation.

„Wir sind ein eingespieltes Team, wenn auch die Mitarbeiterinnen in Teilzeit arbeiten“, freut sich Uta Schürholz über das gute, familiäre Klima in ihrem Betrieb. Die jungen Kolleginnen, die die neuen Kommunikationssysteme leicht bespielen, sind ausgesprochen hilfreich und beleben das Team.

Eine gute Lösung: die kaufmännische Angestellte im Gesundheitswesen

So ist die Apothekerin durch Zufall auf Lena Horsmann gestoßen, die nach ihrer Elternzeit eine Anstellung als kaufmännische Angestellte im Gesundheitswesen suchte. Zwar war sie mit der Nomenklatur von Apotheken nicht vertraut, aber sie hat sich zügig eingearbeitet. „Wir ersticken in Verwaltungsarbeit. Da kann sie uns viele Aufgaben abnehmen“, ist Uta Schürholz erleichtert.

Im Reeser Ortsteil Mehr musste die Apotheke schließen

Sie weiß, dass sie selbst nicht langfristig krank werden darf. „Ein Apotheker in meinem Alter hatte eine große OP mit anschließender Reha etc. vor sich. Er fand keine langfristige Vertretung, so dass er die Apotheke schließen musste. Für immer!“ Auch für die Apotheke in Mehr fand sich kein Pharmazeut, so dass diese schließen musste.

Uta Schürholz schätzt die Arbeit auf dem Land. Überbrückt weite Wege zur Apotheke mit Botengängen, einer Bestell-App, sie beliefert Altenheime und die Lebenshilfe. Aber Vertretung findet sie nur für ihren Urlaub. „Ich habe eine Freundin, die einmal im Jahr nach Millingen reist, in meine Wohnung zieht und mich vertritt.“

Die Arbeit nimmt zu, die Vorschriften verschärfen sich

Seit Februar gibt es in der EU eine neue Verordnung. Jede verschreibungspflichtige Packung ist mit einem Sicherheitscode versehen. „Wenn wir ein Medikament herausgeben, muss es erst eingelesen und dann ausgebucht werden. Was zwei zusätzliche Arbeitsschritte ausmacht. Noch schlimmer sind die Vorgeben der Krankenkassen, nur eines der jeweils vier günstigsten Medikamente herausgeben zu dürfen. Was tun, wenn es nicht zu bekommen ist? Wir kooperieren mit den umliegenden Apotheken, aber das Problem sind Lieferschwierigkeiten der Hersteller. Wenn wir also ein anderes Präparat abgeben, müssen wir nachweisen und umfangreich dokumentieren, dass das günstigere nirgendwo zu erhalten ist“, beschreibt sie aktuelle Probleme, die den Kunden oftmals gar nicht bekannt sind.

Es gibt immer weniger Apotheken

Kein Wunder, dass das Apothekensterben in Deutschland eingesetzt hat. Unter 20.000 sind nur noch deutschlandweit gelistet. Das soll im Dorf nicht geschehen. Uta Schürholz ist froh über die gute Zusammenarbeit mit Dr. Ryan in Millingen, „dem seine Arbeit immer noch viel Freude bereitet und der, wie er mir sagte, noch lange nicht vorhat, aufzuhören. Was bestimmt auch an den wunderbaren Patienten in Millingen liegt“, schlussfolgert Uta Schürholz, die ihren Beruf auch heute noch überaus spannend und abwechslungsreich findet und weiterhin für ihn wirbt.

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