Soziales

Neues Zuhause für „Familie in Not“ in Emmerich

Marianne Lorenz (links) und Ingrid Fricke von „Familie in Not“ helfen jetzt zu festen Sprechzeiten im Seniorencafé am Neumarkt.

Marianne Lorenz (links) und Ingrid Fricke von „Familie in Not“ helfen jetzt zu festen Sprechzeiten im Seniorencafé am Neumarkt.

Foto: FUNKE Foto Services

Emmerich.   In der Vergangenheit war das Geschäft von Marianne Lorenz auf der Steinstraße Anlaufstation für Hilfesuchende. Das macht zu, und dann hieß es: Wohin?

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Unschlüssig geht Marianne Lorenz im Seniorencafé auf und ab, mal zu diesem, mal zu jenem Tisch. Dann hält sie an der Fensterfront zum Neumarkt inne und sagt zu ihrer Mitstreiterin Ingrid Fricke: „Ich denke, das ist ein guter Platz.“ Ab Montag befindet sich die Anlaufstelle für Emmericher mit kleinen und großen Sorgen im Seniorencafé, wo Lorenz, Fricke und die „Nothelferinnen“ Gisela Schäfer und Monika Wynands zu festen Sprechstunden parat stehen. Bis dahin dürfte auch der Telefonanschluss verlegt sein. Dechant Bernd de Baey und Ulrich Bergmann hatten Lorenz auf die Lokalität aufmerksam gemacht und Birgit Offergeld dann den Zeitplan mit den neuen Mitbenutzern abgesprochen.

Marianne Lorenz hatte die Aufgabe bei „Familie in Not“ 1994 von der inzwischen verstorbenen Ursula Romen-Naegel übernommen. Seitdem war ihr Schreibwarengeschäft an der Steinstraße die erste Adresse für Hilfesuchende. Doch am gestrigen Donnerstag schloss das Traditionsgeschäft nach über 100 Jahren seine Pforten. 22 Jahre leistete Lorenz bei laufendem Betrieb bestimmt und couragiert ihren ehrenamtlichen Dienst am Nächsten. Nun also im Café.

Meist geht es ums Geld. „Vom Ersten bis zum Zehnten eines Monats ist es relativ ruhig“, erzählt Lorenz, „ab dem Zehnten geht es dann los. Dann kommen am Tag fünf, sechs oder sogar sieben Leute.“ Dabei geht es dann um Mietrückstände, um Stromkosten, die nicht bezahlt werden können. Oder das Geld, das für Schulsachen der Kinder eingeplant war, wurde für andere Dinge ausgegeben. „Vielfach sind es Familien, wo die Ehen auseinander gegangen sind und die Mütter mit ihren Kindern alleine dastehen“, ergänzt Ingrid Fricke, die sich um die Buchhaltung kümmert. Sie ist von Anfang an dabei und hob mit Ülle Romen-Naegel, Brigitte Muhl und Pfarrer Paul Seesing Ende der 80er Jahre „Familie in Not“ aus der Taufe. Auch ältere Frauen, die Grundsicherung beziehen und bei denen das Geld nicht reicht, klopfen an.

Die geleistete Hilfe besteht in der Aushändigung von Lebensmittelscheinen, die bei Discountern und Vollsortimentern eingelöst werden können, und von Bargeld. Vom Mittagstisch im Aldegundisheim bekommt man Bons, die gegen ein Mittagessen eingetauscht werden können. Die Unterstützung weiß auch das Sozialamt zu schätzen, auch mit der evangelischen Diakonie arbeite man gut zusammen.

Meist geht es friedlich zu. Wenn nicht, weiß Marianne Lorenz sich wohl zu helfen Nur einmal habe ihr eine rabiate Frau im Laden einen Ständer mit Schlüsselanhängern über den Kopf gehauen.

Die finanziellen Mittel stammen ausschließlich aus Spenden. „Um es knallhart zu formulieren: Wir hatten zwei größere Beerdigungen“, so Lorenz. Sie würde sich freuen, wenn noch mehr „Geburtstagskinder“ auf Geschenke verzichten und dafür „Familie in Not“ unterstützen würden (Konto-Nummer 121681 bei der Stadtsparkasse Emmerich-Rees).
Und hier die Sprechzeiten von „Familie in Not“ im Seniorencafé am Neumarkt: montags 10 bis 12 Uhr, dienstags 10 bis 12 Uhr und donnerstags 14.30 bis 16.30 Uhr.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben