Stadtbücherei Rees

Nutzerverhalten in der Stadtbücherei Rees hat sich gewandelt

Büchereileiter Thomas Dierkes zeigt eine seiner neuen Kindermedien: die ,,Toniebox" und einige Tonies.

Büchereileiter Thomas Dierkes zeigt eine seiner neuen Kindermedien: die ,,Toniebox" und einige Tonies.

Foto: Konrad Flintrop

Rees.   Medienlandschaft und Nutzerverhalten haben sich in der Stadtbücherei Rees verändert. Als Treffpunkt gewinnt die Einrichtung an Bedeutung.

Seit der Renovierung und der Erweiterung der Stadtbücherei Rees sind schon über zehn Jahre vergangen. „Um es kurz zu fassen: Der Umbau hat sich gelohnt“, so Büchereileiter Thomas Dierkes. Wurden vor dem Umbau jährlich etwa 100.000 Medien entliehen, waren es in den Jahren nach dem Umbau jeweils über 120.000 Entleihungen. Dierkes gab im jüngsten Schulausschuss einen Überblick über die sich im stetigen Wandel befindenden Aktivitäten der Bücherei.

Einen Spitzenwert erreicht die Bücherei 2009 mit 135.000 Entleihungen, 2017 wurden über 125.000 Entleihungen gezählt. Damit hat jeder Reeser Bürger durchschnittlich 5,7 Medien im Jahr entliehen. Im vergangenen Jahr zählte die Bücherei 26.780 Besucher, damit kam jeder Reeser Bürger durchschnittlich 1,2-mal pro Jahr in die Stadtbücherei.

Änderung der Mediennutzung

Nichts desto trotz gibt es auch in Rees eine Änderung der Mediennutzung. Vor zehn Jahren wurden Smartphones eingeführt, heute ist mobiles Internet Standard. Und auch Standard bei der Suche. „Wofür wir früher in Büchern nachgeschlagen haben, wird jetzt gegoogelt“, erklärt Dierkes. Was sich auf die Nutzung des Medienbestandes auswirkt. „Deshalb ist unser Medienbestand nach dem Umbau nicht gewachsen, sondern in etwa gleich geblieben“, so der Büchereileiter. Der Büchereibestand werde ständig aktualisiert.

Dabei haben sich einige Bestandsgruppen stark gewandelt. Hatte die Stadtbücherei vor zehn Jahren noch ein breites Spektrum an Kochbüchern, z.B. „Wie bereite ich frisch geangelten Fisch oder Nudeln zu“, so habe man heute viel mehr Kochbücher zu speziellen Fragen: Veganes Kochen, Grillen, Thermomix oder Weight Watchers. Auch andere Sachgebiete haben sich stark verändert: Jetzt gibt es sehr viele Sprachkurse, auch zum Deutsch lernen.

Thema Kunstgeschichte ganz herausgenommen

Dafür mussten andere Bereiche reduziert werden. Wegen mangelnden Interesses wurden Bücher zum Thema Kunstgeschichte ganz herausgenommen. Sie sind in den Bestand des Gymnasiums Aspel.

Stark nachgefragt werden CDs für Kinder, Hörspiele für Jugendliche und Hörbücher für Erwachsene. „Wir bieten Ting- und Tiptoi-Stifte und seit Kurzem Tonies zur Ausleihe an. CD-Roms, die ich vor 20 Jahren als neue Medien angepriesen habe, sind dafür fast ganz verschwunden, ebenso Reisevideos“, so der Büchereileiter.

Onleihe Niederrhein

Videofilme gibt’s weiterhin. Über die Onleihe Niederrhein haben die Kunden Zugang zu eLearning. Damit können sie online Kurzfilme zum Lernen und Vertiefen einer Sprache anschauen. Seit fünf Jahren ist die Stadtbücherei Mitglied im Verbund Onleihe Niederrhein, einem Zusammenschluss von 18 Bibliotheken in der Region. Durch diese Kooperation können haben Reeser Kunden Zugriff auf über 23.000 Ebooks, EAudios oder EPapers. 2017 haben die Reeser Büchereinutzer fast 6000 Ebooks und andere virtuelle Medien ausgeliehen, Tendenz steigend. Allerdings wurden im vergangenen Jahr in der Bücherei vor Ort auch über 120.000 Medien entliehen.

Im Bereich der Lese- und Schreibförderung macht die Stadtbücherei viele Angebote – von Vorlesestunden, Lesewettbewerbe über eine Schreibwerkstatt bis zur Beteiligung am Tom-Sawyer-Preis. Zudem gibt es Autorenlesungen, in Zusammenarbeit mit dem Jugendhäusern und anderen Partnern wurden neue Gesellschaftsspiele ausprobiert.

Bedeutung von Büchereien

Die Bedeutung von Büchereien als Ausleihstelle nimmt ab. Nicht nur in Rees. „Stark zugenommen hat aber die Rolle der Bibliotheken als Aufenthaltsort“, so Dierkes. Büchereien würden zunehmend zu Treffpunkten, sei es zum Lesen, zum Lernen oder zum Zusammen sein.

„Die Benutzer von heute erwarteten eine Verfügbarkeit von digitalen Angeboten rund um die Uhr an sieben Tagen die Woche. Die sich verändernde Medienlandschaft und die geänderte Mediennutzung erfordern qualifizierte Mitarbeiter“, gab Dierkes den Politikern mit auf den Weg, der seinen Vortrag mit einem Goethe-Zitat schloss: „In Bibliotheken fühlt man sich wie in der Gegenwart eines großen Kapitals, das geräuschlos unberechenbare Zinsen spendet.“ Für diese Zinsen gelte es weiterhin seitens der Politik zu sorgen.

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