Kirche

Pfarrer Norbert Stephan wurde in Rees verabschiedet

Das Presbyterium hatte das Danke-Lied umgedichtet und überraschte damit Pfarrer Stephan am Ende des Gottesdienstes.

Foto: Klaus-Dieter Stade

Das Presbyterium hatte das Danke-Lied umgedichtet und überraschte damit Pfarrer Stephan am Ende des Gottesdienstes. Foto: Klaus-Dieter Stade

Rees.   Mit einer würdigen Feier wurde Norbert Stephan nach 16 Jahre als Pastor der Evangelischen Kirche in Rees verabschiedet. Was Weggefährten sagten.

„Das war sehr bewegend, eine Überraschung, ich wusste nichts davon“, schüttelte der 66-Jährige am Ausgang der Evangelischen Kirche in Rees nach dem Gottesdienst jedem einzelnen seiner Gemeindemitglider die Hand.

Ein paar Minuten zuvor hatte sich das Presbyterium beim Abschlusslied „Danke“ mit genau diesen Buchstaben auf den Altarbogen gestellt – und seine Gemeinde die Zeilen angestimmt: „Danke für diese sechzehn Jahre, danke, für diese gute Zeit. Danke, das wir erleben durften, dir ganz nah zu sein.“

Der Abschiedsgottesdienst fiel aufgrund von Terminfragen mit dem Erntedank zusammen. Norbert Stephan brachte dort zum Ausdruck, dass „diese Termine gut zusammenpassen – gute Gaben und der Abschied als Pfarrer“ – der Dank „für die Früchte des Lebens und der Arbeit“.

Er zitierte aus dem Kollektenbrief des Paulus, der für die Korinther sammelte mit den Worten: „Wer da kärglich sät, wird kärglich ernten. Aber wer da säet im Segen, der wird auch ernten im Segen.“

Menschen in Gefahr schützen

Dabei stellte er die Klammer zur Bedürftigkeit der Menschen heute her, die 60 Millionen Menschen auf der Flucht, erinnerte an die ganz praktische Hilfe für Flüchtlinge in Rees und verurteile die Debatte über Obergrenzen. „Wer tatsächlich in Gefahr ist, dem muss man helfen und ihn schützen. Mit Bedürftigen teilen sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Wir haben soviel, dass wir gut abgeben können.“ Gott sei dabei „die Quelle aller Zuwendung und Hilfe“.

Stellvertretend für den erkrankten Superintendenten Thomas Brödenfeld entpflichtete der Isselburger Pfarrer Michael Binnenhey als Generalassessor des Kirchenkreises Wesel Norbert Stephan von seinen Pflichten. „Ihr müsst nicht mehr, Ihr dürft arbeiten“, wünschte er ihm und seiner Frau Conny viel Freizeit. Nicht ohne seine Hinwendung an Alte, Kranke, Behinderte und Flüchtlinge ausführlich zu würdigen als einer, der wie Paulus für den Glauben und die Menschen „brenne“. „Du warst ein guter Seelsorger und hast Gottes Wort ausgesät. Du darfst dich freuen und ein wenig stolz sein, dass soviel Samen aufgegangen ist“, so Binnenhey.

Den Menschen zugewandt

Im Anschluss daran wurde Stephans Abschied mit vielen Reden, Gesang, Geschenken und Anekdoten im benachbarten großen Saal der Gemeinde gefeiert. „Ein Mensch – bescheiden, dem Menschen zugewandt“, beschrieb ihn der frühere Bürgermeister Dr. Bruno Ketteler.

Der heutige Amtsträger Christoph Gerwers beschrieb ihn als „humorvollen, zugänglichen Menschen“ und erinnerte sich an die gemeinsamen „anstrengenden Sprints zwischen den Pumpennachbarschaften, um wenigstens die Zeitlupe“ bei der Fußball-EM oder -WM zu sehen.

Stephans früherer Vikar Tobias Schneider unterstrich, dass er ihm in seiner Gemeinde in Württemberg nacheifere und wünschte ihm mit zwei Bioflaschen Wein einen schönen Lebensabend.

Eiden, Dahmen und Jellema sprachen

Der katholische Pfarrer Michael Eiden würdigte seine Verdienste um die Ökumene in Rees und übergab ihm ein Kirchen-Bruchstück mit kleinem Kreuz. Der frühere Pastoralreferent Ludger Dahmen hob hervor, wieviel man über die Gedenktage und -märsche in Erinnerung an Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter bewirkt und sich da „selbstverständlich ergänzt“ hat.

Stephans früherer Essener Pfarrer Olaf Jellema versinnbildliche mit Blumen seine Leidenschaften und Interessen – die Liebe zu den Menschen, zum Beruf, zu seiner Frau und zum Kaffee und zum Motorradfahren.

Stephan bleibt Rees erhalten

Und Gerda Friedrich vom Gustav-Adolf-Frauenwerk dankte ihm für seine „ natürliche, manchmal auch witzige Art“, ehe am Ende Claus Preuß für das Presbyterium in einer anschaulichen Rede Stephan dankte – für die Erneuerung der Westseite der Kirche, den Personenaufzug für den großen Saal, seinem Humor, seiner Präsenz, einfach für alles.

„Luther hat einmal gesagt: Man muss auch aufhören können“, drückte er seine Freude darüber aus, „dass Du der Gemeinde nicht verloren gehst“. Denn Norbert Stephan brachte mehrfach zum Ausdruck, dass er und seine Frau in Rees bleiben werden, er die Kontakte erhalten will und ab und an wird ihn seine Gemeinde vielleicht auch nochmal bei einer Predigt erleben.

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