Gericht

Rees: Angeklagter hetzt von der Baustelle ins Gericht

Ein 32-jähriger Reeser musste sich vor den Gericht verantworten.

Ein 32-jähriger Reeser musste sich vor den Gericht verantworten.

Foto: Kurt Michelis

Emmerich/Rees.  Erst 45 Minuten vor der Verhandlung erfuhr ein Reeser, dass er ins Gericht muss. Als Angeklagter. Schuld hat seine Lebensgefährtin.

So einen Fall gibt es nicht alle Tage. Ein Angeklagter aus Rees , der von den Beschuldigungen nichts wusste und erst „vor einer dreiviertel Stunde unter Tränen angerufen wurde, dass ich zum Amtsgericht kommen soll.“ Frisch von der Baustelle, wie an seiner Kleidung unschwer zu erkennen war. Eine Ladung habe er nie erhalten, sagte er dem Gericht in Emmerich.

Die sei aber nachweislich per Postzustellungsurkunde zugestellt und von seiner Lebensgefährtin quittiert worden, hielt ihm Richter Max Melssen vor. Auch die Anschuldigungen, die die Staatsanwältin vortrug, waren dem 32-jährigen Reeser völlig neu: „Aber ich ahne, was da gelaufen ist....“

Betrug mit Verkäufen auf ebay

Und damit lag er richtig: Denn es war seine 30-jährige Lebensgefährtin, mit der er seit zehn Jahren zusammen lebt und eine vierjährige Tochter hat, die bei ebay diverse Artikel wie Nähmaschinen, Legobausteine oder Tupperware-Sets angeboten und den Verkauf über sein Paypal-Konto abgewickelt hatte.

Über 1500 Euro kamen auf diese Weise auf ihrem Konto zusammen. Nachdem er Mitteilungen von Paypal über Geldeingänge bekommen habe, habe er bei seiner Freundin nachgefragt: „Die hat gesagt, das wäre alles geklärt. Ich habe ihr vertraut und bin wohl ganz schön blauäugig gewesen.“

Schuldige hatte Angst, dass ihr Lebensgefährte Wind von der Sache bekommt

Arg blauäugig war wohl auch die Lebensgefährtin, die die Post des Amtsgerichts abgefangen hatte - wie schon eine erste Vorladung, mit der beide angeklagt worden waren. Die 30-jährige Reeserin wollte verhindern, dass ihr Lebensgefährte Wind von der Betrugsmasche mit den Nähmaschinen bekam. Also begab sie sich alleine zur ersten Verhandlung und wurde wegen Betruges verurteilt. Das Verfahren gegen ihren Freund war abgetrennt worden.

Vermutlich hat die Frau gedacht, dass die Sache mit ihrem Geständnis und ihrer Verurteilung erledigt sei. Und so sagte sie jetzt als Zeugin klipp und klar aus: „Er hat keine Schuld. Ich habe es in meinem Namen gemacht. Er hat sich auf mich verlassen.“ Sichtlich aufgerührt war der Angeklagte, schüttelte immer wieder nur mit dem Kopf: „Ich muss jetzt nachdenken und das alles verarbeiten.“

Freispruch für den Angeklagten

Das Urteil überraschte dann nicht mehr. Den von der Staatsanwaltschaft geforderten Freispruch urteilte auch Richter Melssen: „Der Sachverhalt hat sich nicht bestätigt. Es handelte sich nicht um gemeinschaftlichen Betrug.“

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