Armenfonds

Rees: Armenfonds in Rees gibt es seit über 500 Jahren

Pfarrer Michael Eiden nennt den Armenfonds „einen Segen für die Menschen in Rees“, auch heute noch.

Pfarrer Michael Eiden nennt den Armenfonds „einen Segen für die Menschen in Rees“, auch heute noch.

Foto: Thorsten Lindekamp / Funke Foto Services GmbH

Rees.  Armenfonds in Rees gibt es schon mindestens seit 500 Jahren. Und damals wie heute „ist er ein Segen für die Menschen in Rees“, so Pfarrer Eiden.

Die zwölf Männer und Frauen waren bedürftig, lebten in Rees – und erhielten Anfang des 17. Jahrhunderts Gott sei dank eine „Leibrente“, um überleben zu können. „Das war vergleichbar mit der Sozialhilfe heute“, sagt Pfarrer Michael Eiden. Gestoßen ist er darauf, als er die Unterlagen des Armenfonds gesichtet hat.

Den gibt es schon seit über 500 Jahren in Rees. „Das älteste Dokument, eine Art Kassenbuch, ist von 1534“, weiß der Geistliche. Aber den Fonds, ist sich Pfarrer Eiden sicher, gibt’s schon länger. Und auch heute noch sind die Wohltaten für die Bürger nicht wegzudenken. So wird aus Erlösen des Fonds beispielsweise die Stelle der Schulsozialarbeiterin für die vier Grundschulen bezahlt.

Mehr als nur eine Armenspeisung

Vermutlich die Kirchengemeinde hat den Armenfonds, wie andernorts auch, gegründet, um notleidende Mitbürger zu unterstützen. „Nach Brandkatastrophen, oder wenn etwa Frauen plötzlich alleine mit den Kindern da standen und niemanden mehr hatten, der sie ernähren konnte“, glaubt Eiden. Es sei aber mehr als nur eine Armenspeisung gewesen, für die man sich engagiert hätten: Es gebe ja beispielsweise auch eine Waisenhaus-Stiftung in der Stadt.

Überwiegend wurde Land zur Verfügung gestellt

Wobei damals nicht nur Geld zur Verfügung gestellt wurde, sondern überwiegend Land, das dann verpachtet wurde, meist an Bauern. Verwaltet wurde der Fonds schon immer von der Kirchengemeinde, bis heute. „Es gibt ja auch noch die Armenfonds in Mehr und Bienen“, so der Geistliche. Zwar seien die selbstständig, die erzielten Erlöse würden aber in einen Topf fließen und zentral verteilt.

Aber an wen? Wer ist heute arm, wo es doch ein Sozialsystem gibt? „Die Frage wollten und mussten wir klären. Deshalb haben wir vor einigen Jahren die Unterlagen durchforstet, die übrigens alle in Münster im Diözesanarchiv liegen, um Klarheit darüber zu erhalten“, erzählt Michael Eiden.

Finanzielle Unterstützung ist ausdrücklich nur für Reeser gedacht

Das Problem war zum Beispiel, dass man mit Geld aus dem Fonds den Brunnenbau in der Partnergemeinde in Uganda unterstützt habe. „Was im Nachhinein laut Statuten nicht korrekt war“, sagt Eiden. Darauf habe die Innenrevision aus Münster aufmerksam gemacht. Eiden: „Mittel aus den Armenfonds der Kirchengemeinden dürfen nur für die Menschen vor Ort verwandt werden!“

Deshalb hilft der Armenfonds in Rees, wo er kann und darf. So wird beispielsweise in Rees das Personal der Sozial- und Schuldnerberatung des Caritasverbandes Kleve bezahlt. Weil die Spenden für das Jugendhaus JiM in Millingen geringer wurden, sprang der Armenfonds auch hier ein.

Armenfonds ist finanziell sehr gut ausgestattet

Auch übernahm er die Anschub-Finanzierung für den Mittagstisch am Markt, den das Theodor-Brauer-Haus betreibt, ebenso gab’s Geld für die Gründung des Vereins Ambulanter Hospizdienst Rees e.V..

Auch der Pfarrcaritas, die sich durch zwei Spenden-Sammlungen im Jahr finanziert und u. a. den Caritas-Shop betreibt, wird je nach Bedarf finanziell geholfen.

Zweck des Fonds ist es, Not in Rees zu beheben oder Maßnahmen zu unterstützen, die Notlagen vorbeugen, so Eiden. Der Fonds sei wirklich segensreich für die Stadt, und das seit über 500 Jahren. Und die Möglichkeit, Hilfe zu leisten, sei wirklich groß. Denn der Armenfonds in Rees verfüge über ausreichend finanzielle Mittel, um größere Hilfsleistungen zu bieten.

Erlöse stammen heute fast ausschließlich aus Land-Verpachtung

Die Gelder, die der Fonds ausgeben kann, stammen aus Erlösen von Verpachtungen. Eiden: „Für Rees und seine Menschen hier war und ist der Armenfonds jedenfalls wirklich ein Segen.“ Denn nach der Vergabe-Verordnung sei gewährleistet, dass die Mittel nur für soziale Zwecke ausgegeben werden dürfen.

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