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Rees: Initiative „Kindern eine Stimme geben“ kritisiert SPD

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Der elfjährige Felix Nölscher organisiert mit seinem Onkel Bastian Tenholter die Initiative „Kindern eine Stimme geben“ in Rees.

Der elfjährige Felix Nölscher organisiert mit seinem Onkel Bastian Tenholter die Initiative „Kindern eine Stimme geben“ in Rees.

Foto: Thorsten Lindekamp / Funke Foto Services GmbH

Rees.  Die Initiative „Kindern eine Stimme geben“ kritisiert das Maßnahmenpaket der SPD. Für Sommer ist der Nachholtermin der Demo geplant.

Mit großem Interesse hat die Initiative „Kindern eine Stimme geben“ in den vergangenen Wochen die Reeser Politik verfolgt und genau hingehört, welche Ideen und Ansichten zum Thema Kinder und Jugendliche besprochen wurden. Zum Ende des Jahres besuchten die beiden Hauptorganisatoren Felix Nölscher (11) und Bastian Tenholter (33) auch die öffentliche Sitzung des Rates der Stadt Rees.

Eine der zentralen Forderungen der Initiative ist ein Kinder- und Jugendbeirat, den in der Ratssitzung auch die FDP angeregt hat. „Zwar zeigten die Redebeiträge beispielsweise der CDU, dass die Ausgestaltung dieses Beirates für einige Ratsmitglieder nur symbolisch gehalten werden soll“, heißt es von Seiten der Initiative. Dennoch sei es erfreulich, dass der Rat einstimmig für die Weitergabe des Antrages an den zuständigen Ausschuss gestimmt habe. „Ein guter erster Schritt“, kommentiert Felix Nölscher die Entscheidung.

Kritik am Maßnahmenpaket der SPD

Einige Wochen sind seitdem vergangen und in einer Online-Besprechung der Initiative machte sich Ernüchterung breit. Das Thema Kinder und Jugendliche drohe einmal mehr in der Versenkung zu verschwinden, so die Initiative. Ein sinnhaftes Beispiel sei die Vorstellung eines Haushaltsmaßnahmenpaketes durch die SPD in der vergangenen Woche. „Die SPD beweist, dass sie beim Thema Kinder und Jugendlichen nichts verstanden hat und, ähnlich wie die CDU und Bürgermeister Gerwers, das Thema sträflichvernachlässigt“, sagt Bastian Tenholter.

Die SPD möchte nach eigener Aussage „den Bürgern in schwierigen Zeiten etwas zurückgeben“ und plant dafür verschiedene Maßnahmen ein (die NRZ berichtete). Wer sich die Pläne genauer anschaut, könne zu dem Schluss kommen, „dass Kinder und Jugendliche aus Sicht der SPD keine Bürger dieser Stadt sind“. So formuliert es die Initiative, die lediglich eine Maßnahme als positiv für Kinder und Jugendliche bewertet: die Durchführung von Spiel und Sporttagen auf dem Marktplatz.

Anlaufstelle für Kinder und Jugendliche gefordert

Viele Reeser Kinder nehmen die Sportangebote in den zahlreichen Vereinen wahr, weshalb sich die Initiative fragt, „warum die SPD ausgerechnet hier Bedarfe sieht und hier ihre einzige Maßnahme für Kinder und Jugendliche ansiedelt. Viele andere Bereiche, die konkret die Lebensqualität der Kinder in der Stadt verbessern können, bleiben unbedacht.“ Es sei völlig unzureichend, dass eine der großen Parteien in unserer Stadt ein derartig großes Maßnahmenpaket vorschlagt und die Zukunft der Stadt, also ihre Kinder und Jugendliche, quasi gar nicht bedenkt.

„Das ist einfachste Klientelpolitik und vernachlässigt fahrlässig die Kinder dieser Stadt“, fasst Bastian Tenholter die Reaktion der Initiative zusammen. Ein nicht kleiner Teil der Maßnahmen würde darüber hinaus für Personalkosten verwendet, wie für Mitarbeiter für das Ordnungsamt. Aus Sicht der Initiative, wäre zusätzliches Personal aber vor allem in der Jugend- und Sozialarbeit nötig: „Eine Anlaufstelle für Kinder, Jugendliche, Familien aber auch für die in der Jugendarbeit tätige Vereine wird in der Stadt schmerzlich vermisst.“ So könnte die hervorragende Arbeit der Vereine durch die Stadt ergänzt werden und das Angebot für Kinder, Jugendliche und Familien ausgebaut und besser koordiniert werden.

Digitalisierung in Schulen

„Auch das Thema Digitalisierung in Schulen wird überhaupt nicht benannt“, ist Felix Nölscher enttäuscht, dass dieses zu Homeschooling Zeiten drängende Thema komplett ignoriert wird. „Kinder, Jugendliche und Familien gehören zu den großen Verlierern der Corona-Krise.“ Dass sie nun in der Wahrnehmung der SPD derartig vernachlässigt werden, zeige, dass weiterhin kein Umdenken in der Reeser Politik stattgefunden habe.

„Kinder haben keine Stimme und werden nicht als Teil der Gesellschaftwahrgenommen“, heißt es. Daher sei es unabdingbar, dass Kinder in unserer Stadt endlich Gehör finden und sich an der Politik beteiligen dürfen. Die Initiative ruft auch die Politik dazu auf, aktiv auf Kinder und Jugendliche zuzugehen und sie zu beteiligen. Während der Bürgermeister beispielsweise auf die Bewegung „Fridays for Future“ zugegangen sei, verschließe er sich bisher einem Dialog auf Augenhöhe mit der Jugend der Stadt.

Demo für Sommer geplant

Die Initiative fordert deshalb einen Politikwechsel. „Kinder sind die Zukunft dieser Stadt und wir werden uns weiter für sie einsetzen“, gibt sich Bastian Tenholter kämpferisch. Sie werden ihre Bemühungen, sobald es die Corona-Lage zulässt, wieder intensivieren. Auch ein Ersatz für die im November ausgefallene Demonstration ist für den Sommer geplant. „Wir arbeiten bereits an kreativen Lösungen wie man Kindern eine hörbare Stimme geben kann“, ist sich Bastian Tenholter sicher, dass sich viele Reeser hinter den Kinder dieser Stadt versammeln und ihnen eine Stimme geben werden.

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