Amtsgericht

Rees: Palette voller Fernseher bleibt verschwunden

Die Ware, die auf dem Lkw geladen war, bleibt verschwunden.

Die Ware, die auf dem Lkw geladen war, bleibt verschwunden.

Foto: Volker Herold / FUNKE Foto Services

Rees.  Wie eine Palette voller Fernseher, die an einen Supermarkt in Rees geliefert werden sollte, verschwunden ist, konnte das Gericht nicht klären.

Bis in den offiziellen Duden hat es diese Redewendung noch nicht geschafft. Und doch ist allgemein bekannt, was gemeint ist, wenn davon gesprochen wird, „das ist vom Laster gefallen“. Gerne wird das geflügelte Wort mit Markenelektronik in Verbindung gebracht.

TV-Apparate sind nie wieder aufgetaucht

Das Emmericher Amtsgericht musste sich nun mit einem Fall beschäftigen, bei dem eine komplette Palette mit neun Fernsehgeräten verschwunden ist. Der Schaden liegt im fünfstelligen Bereich. Aufgetaucht sind die TV-Apparate nie wieder. Zur Verantwortung für die Tat kann niemand gezogen werden. Denn der Angeklagte in dem Verfahren wegen schweren Diebstahls wurde freigesprochen. Auch der Staatsanwalt hatte auf Freispruch plädiert.

Auf der Anklagebank im Sitzungssaal des Emmericher Amtsgerichts saß ein 64-Jähriger aus Geldern, der im Sommer 2019 seine Brötchen als Lkw-Fahrer bei einer Spedition verdiente. Zu seinem Standardrepertoire gehörte die Belieferung von Supermärkten am Niederrhein aus einem Zentrallager in Marl.

Waren für Rees und Dinslaken waren auf dem Lkw

So kam es auch zu einer Fahrt in den frühen Morgenstunden nach Rees. Neben der Frischware hatte er auch Elektronik geladen. Unter anderem mehrere Paletten mit Fernsehern. Zudem waren auf dem Anlieger auch noch bestellte Waren für einen Supermarkt in Dinslaken.

Paletten wurden von Supermarkt-Mitarbeiter gescannt

Beim Abladen werden alle Paletten gescannt, erklärte ein Mitarbeiter des Reeser Supermarkts als Zeuge die Vorgehensweise. Auf dem Scanner wird dann angezeigt, wenn alle zu liefernden Waren abgeladen sind. Sowohl die Mitarbeiter des Reeser Supermarktes als auch der angeklagte Lkw-Fahrer bemerkten, dass noch eine Palette voller Fernseher auf dem Lkw verblieb. Die Beteiligten gaben an, dass sie sich keine Gedanken darüber gemacht hatten, da ja noch ein weiterer Stopp in Dinslaken erfolgte.

Angeklagter vermutet, Palette ist im Zentrallager abhanden gekommen

In Dinslaken wurde weiter entladen, doch die TV-Geräte waren nicht für diesen Supermarkt bestimmt. „Das kommt schon mal öfter vor“, meinte der Angeklagte. In diesem Fall sei es gängige Praxis, mit der übrig gebliebenen Ware nach Marl zurückzufahren und sie dort abzuladen. Genau das habe er auch gemacht. Eine irgendwie geartete Bescheinigung für diesen Vorgang gibt es nicht. Im 150.000 Quadratmeter großen Zentrallager sei dann die Palette samt Fernseher abhanden gekommen.

Fahrtenschreiber zeigte Zwischenstopp auf Betriebsgelände

Freilich verrieten die Telemetriedaten des Fahrtenschreibers, dass der Angeklagte zuvor auch noch den Betriebshof seiner Spedition angefahren hatte. Eine Reparatur am Kühlungsaggregat des Aufliegers sei der Grund gewesen. In der Zwischenzeit hatten die Mitarbeiter der Elektronikabteilung der Reeser Supermarkts festgestellt, dass ihnen eine Palette Fernseher zu wenig geliefert worden war. Wie es dazu kommen konnte, blieb im Dunkeln.

Ladung war immer verplombt

Entscheidend für den Freispruch war hauptsächlich die Tatsache, dass der Lkw immer verplombt war. Auch bei seiner Ankunft im Zentrallager im Marl nach dem zwischenzeitlichen Reparaturstopp.

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