Kunst

Rees: Thomas Dieckmann malt Bilder mit Lupe und Zahnstocher

Detailreich, farbstark, perfekter Aufbau: Die Bilder des Malers Thomas Dieckmann sind ein Hingucker. Das Besondere: Der Millinger hat nur noch weniger als drei Prozent seiner Sehkraft.

Detailreich, farbstark, perfekter Aufbau: Die Bilder des Malers Thomas Dieckmann sind ein Hingucker. Das Besondere: Der Millinger hat nur noch weniger als drei Prozent seiner Sehkraft.

Foto: Thorsten Lindekamp / Funke Foto Services GmbH

Millingen.  Thomas Dieckmann aus Millingen ist fast blind. Das hält den 59-Jährigen aber nicht davon ab, besondere Werke mit ungewöhnlichen Mitteln zu malen.

Wie Thomas Dieckmann zur Malerei gekommen ist? „Mit dem Tag meiner Geburt“, da ist sich der Millinger sicher. Denn seine kreative Ader, die stecke in seinen Genen.

Und so ist es auch kein Wunder, dass seine Veranlagung den heute 59-Jährigen bereits in frühen Jahren nicht nur zum Pinsel, sondern auch zur Gitarre greifen ließ. Die Gitarre hat er mittlerweile beiseite gestellt. Nicht aber den Pinsel.

Vor 20 Jahren nach Millingen gezogen

Was verblüffend ist. Denn der Mann, der im West-Harz geboren, in Köln aufgewachsen und vor über 20 Jahren nach Millingen gezogen ist, besitzt nur noch weniger als drei Prozent seiner Sehkraft.

Bereits als Kind malte Dieckmann sehr viel. Zum Lebensinhalt wurde die Malerei für ihn jedoch erst, als er wegen einer Netzhauterkrankung mehr und mehr fast blind wurde. „Mit dem Verlust meiner Sehkraft musste ich mich von vielen Dingen des Alltags verabschieden“, so Dieckmann. Dem Fahrradfahren zum Beispiel oder auch seiner Tierzucht. Geblieben ist aber die Malerei. Und diese ist detailreich und farbintensiv. Und noch dazu geprägt von einem perfekten Bildaufbau.

Malwerkzeug ist ein Zahnstocher

„Meine Bilder male ich mit Hilfe einer starken Lupe“, erklärt der Maler, der 15 Jahre als Beamter bei der Stadt Köln gearbeitet hat. Mit der Lupe setzt er sich im Abstand von etwa drei Zentimetern vor die Leinwand – und beginnt zu machen. Sein hauptsächliches Malwerkzeug ist ein Zahnstocher. „Den nutze ich, um den Widerstand der Leinwand zu fühlen“.

Da Dieckmann seine Umwelt nur noch schemenhaft sehen kann, entspringen die Motive, die er auf die Leinwand bringt, seiner Erinnerung an Dinge, die er in früheren Jahren gesehen hat. Diese kombiniert er zuweilen zu neuen Kompositionen. Oft spiegelt sich die Nostalgie in seinen Bildern wider. So zum Beispiel auch durch die Darstellung von Oldtimern, gerne auch dem Bulli T 1.

Comics für eine Gewerkschaftszeitung gezeichnet

Mit seinem inneren Auge lässt Dieckmann Kunstwerke entstehen, die allesamt Unikate sind. Nicht die Welt, die ihn heute umgibt, sondern die Welt, die er früher noch sehen konnte prägt seine Kunst. Gemalt wird diese auf Leinwand und zwar mit Öl und Acryl. Farben, so Dieckmann, könne er eigentlich kaum noch erkennen. „Außer ein kräftiges Rot“. Das Abmischen der Farben für seine Werke gelingt ihm dennoch.

Als Kind experimentierte Dieckmann bereits mit Wachsmalkreide, später zeichnete er mit 20 Jahren Comics für eine Gewerkschaftszeitung, später auch für eine Zeitung des Südwestfunks. Als die Sehkraft immer weiter nachließ, wurde Dieckmann zum Frührentner, konzentrierte sich auf die Malerei und zog 2000 mit seiner Frau Birgit in den Reeser Ortsteil Millingen.

Ehefrau Birgit unterstützt Thomas Dieckmann

„In der Großstadt hätte sich Thomas sonst kaum zurecht gefunden“, erzählt Birgit Dieckmann, die ihren Mann tatkräftig im Leben und mit seiner Malerei unterstützt. Und etwa auch seinen Instagram-Account oder seine Facebook-Seite managt.

Übrigens: Freudig überrascht war Dieckmann vor einiger Zeit über einen Radiobeitrag. „Dieser thematisierte, dass auch Leonardo da Vinci ein Augenproblem hatte. Der große Künstler soll wohl auch nur mit einem Auge auf die Leinwand geguckt haben. „Woraus sich eben die besondere Perspektive seiner Bilder ergab“, weiß Dieckmann.

Hier gibt es weitere Informationen

Fünf Werke von Thomas Dieckmann werden ein Jahr lang auf einer der weltweit zweitgrößten Kunstplattform Artsy präsentiert. Artsy verfügt über ca. eine Million verifizierte Käufer und nur Galerien können darauf Kunstwerke präsentieren.

Eine Galerie bzw. Geschäftslokal für seine Kunst hat Dieckmann nicht. Seine Gemälde werden nur in einer Online-Galerie sowie auf Ausstellungen präsentiert.

Einsehbar ist diese unter www.derdieckmann-malerei.de.

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