Sternekoch

Reeser Benedikt Voß ist Sternekoch im Schweizer Kräuterhotel

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Sterne-Koch Benedikt Voß aus Rees fühlt sich auf der Rigi in 1500 Meter wohl. Er arbeitet im Kräuterhotel.

Sterne-Koch Benedikt Voß aus Rees fühlt sich auf der Rigi in 1500 Meter wohl. Er arbeitet im Kräuterhotel.

Foto: Kräuterhotel Edelweiss

Rees/Weggis.  Der Reeser Benedikt Voß ist Sternekoch, lebt und arbeitet auf der Rigi in 1500 Meter Höhe. Von dort blickt er auf den Vierwaldstättersee.

Der erste Schnee ist gefallen, das Panorama wunderbar. Benedikt Voß schaut aus seinem Fenster – und blickt auf Viertausender, unten im Tal liegt der Vierwaldstättersee. „Es ist hier oben auf dem Berg einfach wunderbar“, schwärmt der Reeser. Seit gut zehn Jahren lebt er in der Schweiz, genauer gesagt im Kräuterhotel hoch oben auf der Rigi, wie man dort sagt. Wobei er hier nicht nur lebt, sondern auch arbeitet. Der 35-Jährige ist Koch, und zwar Sternekoch.

Dass er einmal eine Top-Küche mit fünf Mitarbeitern leiten würde, und das auch noch in den Schweizer Alpen, habe er nicht im Traum gedacht, erzählt Benedikt Voß. Sein Abitur hatte Benedikt, Sohn von Metzger Ernst-August und Mutter Agnes Voß, in Bocholt gemacht, am Kapu, wie das frühere Kapuzinerkloster genannt wird. „Eigentlich wusste ich nicht so recht, was ich danach beruflich einmal machen werde“, erinnert er sich.

Leidenschaft fürs Kochen hat Reeser vom Großvater geerbt

Nach dem Zivildienst versuchte er mehrere Jobs, landete schließlich in Dortmund, studierte dort vier Semester Raumplanung, weil er ganz gut in Erdkunde gewesen sei. „Ich habe dann aber sehr schnell gemerkt, dass ich nicht mein Berufsleben lang am Computer sitzen will“, erzählt der Niederrheiner. Wobei sich seine spätere Leidenschaft langsam anbahnte.

„Ich hab damals für unsere Studenten-WG mehrmals wöchentlich gekocht, und wohl nicht so schlecht“, lacht der gebürtige Reeser. Und in seiner Kindheit wäre er ja auch viel lieber bei Oma und Opa als in der elterlichen Metzgerei gewesen an der Dellstraße, erinnert er sich. Die Leidenschaft, am Herd zu stehen, müsse er jedenfalls wohl von seinem Großvater geerbt haben. Es folgte eine Ausbildung zum Koch im Haus Elmer in Marienthal.

Eigentlich wollte der 35-Jährige damals nach Florida auswandern

Nach der Trennung von seiner Freundin stand für den damals 24-Jährigen dann schnell fest, dass er jetzt flott in die weite Welt hinaus wollte. „Nach Florida“, weiß er noch. „Dummerweise habe ich meine Unterlagen für die Einreise eine Woche zu spät eingereicht“, bedauert der heutige Sterne-Koch aber nicht wirklich das Versäumnis. Was ja letztlich eine glückliche Fügung war. Denn so steuerte er direkt die Schweiz an, „weil ich da als Kind mit meinen Eltern immer wieder Urlaub gemacht habe“.

Die Karriere zum späteren Koch hatte jedenfalls an Fahrt gewonnen. Zunächst war geplant, dass er nur eine Wintersaison lang in der Schweiz arbeiten würde. Die Adresse konnte sich sehen lassen. Seine Erfahrungen in einem Top-Haus machte er im Fünf-Sterne-Superior-Hotel Lenkerhof im Berner Oberland, danach folgte dann doch der Sommer schon als Koch im exklusiven Parkhotel Vitznau.

500 verschiedene Kräuter wachsen auf 1500 Meter am Berg

Durch einen Zufall landete er schließlich im Kräuterhotel in Weggis, gut 1500 Meter oberhalb des Vierwaldstättersees. Und hier hat der Meisterkoch sein Glück gefunden, nicht nur beruflich. Seit vier Monaten sind seine Schweizer Ehefrau Eliane und er glückliche Eltern von Töchterchen Fjella, was norwegisch ist und so viel heißt wie „die, die vom Berg kommt“.

Und der Berg ist seit 2016 das Refugium von Benedikt Voß, es ist sein „Place to be“, wie er selber sagt. Hier oben zaubert er fast täglich exzellente Menüs, „nur mit Produkten aus der direkten Umgebung“, hebt er hervor. Das Besondere: Das Drei-Sterne-Hotel mit seiner Terroir-Küche, was so viel wie Erdküche heißt, hat einen Garten mit 500 verschiedenen Kräutern, „und das auf 1500 Meter. Das ist einmalig“, ist er von der Philosophie seines Hotel-Chefs total begeistert.

Die Rigi ist autofrei

Das Kräuterhotel mit seinen 19 Zimmer sei jedenfalls ein absoluter Gegenentwurf zu sonstigen Hotels, inklusive einer Top-Gastronomie „mit einem Michelin-Stern am Abend“. Das Restaurant hieße eben nicht umsonst Regina Montium, also Königin der Berge. Wobei das Essvergnügen natürlich seinen Preis hat. 179 Franken (derzeit rund 172 Euro) müsse man für ein großes Menü schon zahlen, pro Person. „Was aber für die Schweizer Sterne-Gastronomie sehr günstig ist“, findet Benedikt Voß.

Für den jedenfalls fest steht, dass das Kräuterhotel hoch oben auf der Rigi, der übrigens nur mit Zahnrad- oder Seilbahn zu erreichen ist, für lange Zeit seine neue Heimat ist. 2023, hofft der Koch, wird er dann auch die Schweizer Staatsbürgerschaft erhalten. Für Reisen nach Rees bleibt dem Küchen-Chef bei seinen vielen Arbeitsstunden jedenfalls kaum Zeit.

Im Sommer auf den Vierwaldstättersee

Seine Freizeit verbringt er dann lieber im Winter auf Skiern, im Sommer in seinem Ein-Mann-Kanu auf dem Vierwaldstättersee. „Mein neuer Lebensmittelpunkt ist hier. Und das wird er auch bleiben“, ist sich Benedikt Voß sicher. Der übrigens mit Freunden eine Schule, die es 25 Jahre nicht mehr gab, oben im kleinen Ort mit seinen 65 Bewohnern neu gegründet hat. Damit Töchterchen Fjella künftig auf ihrer Rigi auch unterrichtet werden kann.

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