Wirtschaft

Reeser Druckerei wurde zukunftsfähig gemacht

Drucker André Schalnaß beim Auswechseln des Waschwickels an der 16 Meter langen Druckmaschine.

Drucker André Schalnaß beim Auswechseln des Waschwickels an der 16 Meter langen Druckmaschine.

Foto: Diana Roos

Rees.   Vor 15 Jahren haben die Brüder van Beek die Carl Bonert GmbH in Rees übernommen. Wie sie das Unternehmen zukunftsfähig gemacht haben.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Colin (40) und Daniel van Beek (37) haben vor 15 Jahren den Betrieb, die Druckerei Carl Bonert GmbH, übernommen. Seither hat sich vieles verändert. „Gerade im Druckgewerbe muss man am Puls der Zeit bleiben. Jeder verschlafene Trend könnte die Existenz kosten“, ist sich Colin van Beek sicher. Die Brüder, beide Geschäftsführer, haben in den vergangenen eineinhalb Dekaden zahlreiche neue Maschinen angeschafft, das Team verjüngt und die Abläufe innerhalb des Unternehmens optimiert. „Und weil wir weitermachen möchten, schauen wir jetzt genau hin, wie sich der Digitaldruck weiterentwickelt“, sagt er. Diese Maschinen würden jetzt marktreif, erklärt Geschäftsführer van Beek. Ob sie auch hier investieren, entscheide sich innerhalb der nächsten zehn Jahre.

Druckmaschine ist 16 Meter lang

Vor 15 Jahren, mit der Übernahme des Betriebs von ihrem Vater Hans van Beek, schafften die Brüder zwei neue Druckmaschinen an. Gebraucht. „Die haben wir schon nicht mehr“, sagt Daniel van Beek. Sie sind längst ersetzt durch neue vollautomatisch arbeitende Druckmaschinen, die noch effektiver sind. Seither können Lack und sechs Farben gleichzeitig gedruckt werden. „Außerdem kann die Druckmaschine das Papier automatisch wenden, um die Rückseite ebenfalls bedrucken zu können“, so Daniel van Beek.

16 Meter lang ist die größte Druckmaschine bei der Carl Bonert GmbH und bringt satte 30 Tonnen auf die Waage. Mit einem Kaufpreis von 1,2 Millionen Euro war die Anschaffung für den mittelständischen Betrieb ein Kraftakt. Immerhin noch 630.000 Euro hat ihre kleinere (Druck-)Schwester gekostet.

Mit den leistungsstärkeren Druckmaschinen wurden auch weniger Mitarbeiter benötigt. „Meist war es so, dass zeitgleich mit der alten Druckmaschine auch Drucker in Rente gingen“, sagt Colin van Beek. Beschäftigten die beiden Geschäftsführer zu Beginn ihrer Übernahme noch 20 Mitarbeiter, so sind es heute nur noch sieben. Somit arbeiten heute fast nur noch junge Leute im Unternehmen.

Alles geht vollautomatisch

Neueste Errungenschaft im maschinellen Bereich ist die Broschürenfertigung. Die Maschine wurde im Februar vergangenen Jahres angeschafft. Hier werden die fertig gedruckten Einzelseiten geschnitten, genutet, geheftet – natürlich alles vollautomatisch. Aber auch die technischen Oldtimer sind noch „im Dienst“ wie der Heidelberger Zylinder. War er einst für den Buchdruck im Einsatz, wird hiermit jetzt damit noch geprägt, perforiert, gestanzt, nummeriert...

Die Bonert GmbH druckt vorrangig Akzidenzen, also Gelegenheitsdrucksachen, wie beispielsweise Prospekte, Broschüren, Flugblätter, Visitenkarten, Kofferanhänger, Trauer- und andere Familiendrucksachen, Einladungen sowie amtliche und nichtamtliche Formulare.

Zahlreiche Stammkunden lassen in Rees drucken

Die Kunden reichen vom Ein-Mann-Betrieb bis zum Großkonzern, beispielsweise einer international agierenden Spedition. Zwischen 300 und 400 Stammkunden lassen regelmäßig am Grünen Weg drucken.

Dass das Reeser Unternehmen trotz heutiger Dumping-Preis-Politik — mit der Folge eines Druckereisterbens, auch rundum am Niederrhein – überleben konnte, hängt laut Colin van Beek auch damit zusammen, dass die Geschäftsführer viel Herzblut in ihre Arbeit stecken. „Überstunden der Mitarbeiter werden bezahlt, ganz klar, aber mein Bruder und ich sind auch oft lange nach Feierabend noch in der Firma“, sagt er.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben