Beleidigung

Reeser Landwirt erhält eine Strafanzeige wegen Beleidigung

Mit einer flammenden Rede ist der Reeser Landwirt übers Ziel hinausgeschossen. Die Landwirtschaftskammer hat wegen Beleidigung nun eine Anzeige gestellt.

Mit einer flammenden Rede ist der Reeser Landwirt übers Ziel hinausgeschossen. Die Landwirtschaftskammer hat wegen Beleidigung nun eine Anzeige gestellt.

Foto: Andreas Gebbink / NRZ

Rees/Kalkar.  Die Landwirtschaftskammer wehrt sich gegen die Beleidigung, dass sie eine „Neuzeit-Gestapo“ sei. Ein Landwirt aus Rees hatte sie so bezeichnet.

Die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen hat im Zusammenhang mit der Bauern-Demonstration beim Wunderland in Kalkar am 29. Oktober eine Strafanzeige gegen einen Landwirt aus Rees wegen Beleidigung gestellt. Dieser hatte auf einem Podium vor 400 Berufskollegen eine flammende Rede gehalten und dabei unter anderem die Landwirtschaftskammer als „Neuzeit-Gestapo“ bezeichnet, die sich fürstlich bezahlen lasse und die Landwirte verrate.

Die Kammer will sich nicht mit Kriminellen vergleichen lassen

Ein Sprecher der Landwirtschaftskammer bestätigte der NRZ gestern, dass man die Anzeige in dieser Woche bei der Staatsanwaltschaft in Kleve gestellt habe. „Wir können überhaupt nicht einsehen, dass unsere Mitarbeiter öffentlich so beleidigt werden“, sagte Sprecher Bernhard Rüb gegenüber der NRZ. Es seien am 29. Oktober auch Mitarbeiter der Kammer in Kalkar vor Ort gewesen, denen sei die Kinnlade heruntergefallen als sie das hörten, so Rüb.

Der Sprecher betont, dass die Kammer die Düngemittelkontrolle im Auftrage des Landes NRW durchführen muss und damit eine hoheitliche Aufgabe übernehme, die auch vom Land bezahlt werde. „Wir gucken, wenn Landwirte was falsch gemacht haben, aber wir arbeiten nicht mit Gestapo-Methoden und müssen uns auch nicht gefallen lassen, mit Kriminellen verglichen zu werden“, so Rüb.

Das Nitratproblem sei nur zu lösen, wenn kontrolliert werde: „Auch Landwirte können nicht machen, was sie wollen. Sie können sich nicht selbst kontrollieren“, sagte Rüb.

Diskussion über die Kammer erwünscht

Der betroffene Landwirt aus Rees bestätigt noch einmal seine öffentliche Aussage. Im Gespräch mit der NRZ sagte er: „Was ich gesagt habe, da stehe ich auch zu.“ Er wunderte sich, dass er von der Anzeige über die Zeitung erfahren muss: „Die haben ja noch nicht einmal den Schneid, mir das persönlich zu sagen. Ich weiß noch gar nichts von einer Strafanzeige“, sagte er. Er hätte sich gewünscht, dass man mal ins Gespräch kommt und über den Unmut spricht.

Die Kontrollen seien ja in Ordnung, aber er wünsche sich, dass die Landwirtschaftskammer häufiger an der Seite der Landwirte stehen würde: „Die Betriebe können nicht mehr. Wir sind am Ende.“ Die Kammer teile immer nur mit, was nicht gehe. Die Landwirte würden immer mehr in eine Ecke getrieben. Die Diskussion um CO2-Ausstoß und Stickstoffeinträge gehe an der Realität völlig vorbei. Frustriert sagte er gegenüber der NRZ, dass er mit dem Gedanken spiele, seinen Hof aufzugeben.

Josef Peters, Vorsitzender der Kreisbauernschaft, kann die Landwirtschaftskammer verstehen: „Da ist der Landwirt über das Ziel hinausgeschossen“, sagt Peters. „Ich bin mit einer Anzeige auch einverstanden.“ Der überwiegende Teil der Bauern habe kein Problem mit den Kontrollaufgaben der Kammer.

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