Bildung

Schloss Bellinghoven bietet jungen Menschen eine Perspektive

| Lesedauer: 7 Minuten
Idyllisch liegt Schloss Bellinghoven umgeben von Feldern zwischen Haffen und Mehrhoog. Das Schloss ist umgeben von Betrieben, in denen junge Menschen eine Ausbildung absolvieren oder Einblicke ins Berufsleben bekommen können.

Idyllisch liegt Schloss Bellinghoven umgeben von Feldern zwischen Haffen und Mehrhoog. Das Schloss ist umgeben von Betrieben, in denen junge Menschen eine Ausbildung absolvieren oder Einblicke ins Berufsleben bekommen können.

Foto: Karl Banski / FUNKE Foto Services

Rees.  In Schloss Bellinghoven in Rees bekommen junge Menschen mit psychologischen Problemen Hilfe für einen neuen Start in die Normalität.

Idyllisch umgeben von Feldern zwischen Haffen, Mehr und Mehrhoog liegt die Einrichtung Schloss Bellinghoven des Caritasverbands Oberhausen. Aus der Ferne betrachtet sieht das Gebäude aus, als könnte es ein Hotel für Übernachtungsgäste sein, die ein wenig Abgeschiedenheit mitten in der Natur zu schätzen wissen. Tatsächlich wohnen in dem Schloss gut 30 junge Menschen mit psychischen Behinderungen, für die der Aufenthalt im Schloss verbunden ist mit einer neuen Perspektive fürs Leben.

„Wir bieten den jungen Menschen eine Tagesstruktur“, erklärt Einrichtungsleiter Klaus-Jürgen Monz. Die „Klienten“, wie er die Bewohner des Schlosses nennt, haben oft schwere Zeiten hinter sich, wenn sie dort ankommen. „Wir nehmen vor allem junge Menschen auf, die eine psychische Erkrankung oder eine Suchterkrankung haben“, erklärt der Einrichtungsleiter. Die geordneten Strukturen in der Einrichtung sollen helfen, einen Weg zurück Richtung Normalität zu finden.

Vom Einblick ins Berufsleben bis zur Ausbildung

Neue Bewohner absolvieren erst einmal eine Probephase. „Wir schauen dann erstmal, ob das, was wir anbieten, zu den Menschen passt“, sagt Monz. Was das ist? Vor allem, ein geordneter Alltag. Die Bewohner arbeiten in der Tagesstruktur in verschiedenen Bereichen. „Das dient eher der beruflichen Orientierung und dem finden einer Richtung“, erklärt Klaus-Jürgen Monz.

In den verschiedenen Betrieben, die sich alle in unmittelbarer Nähe des Schlosses befinden, können sich die jungen Menschen ausprobieren: Es gibt eine Gärtnerei, eine Tischlerei, eine Malerwerkstatt, eine Konstruktionswerkstatt für Metallbau und die Zweiradwerkstatt. Auch einen Bereich für Hauswirtschaft gibt es, für den es allerdings wenig Interessenten gibt und der deshalb als Arbeitsbereich ausläuft.

Seit Anfang August gibt es ein Ausbildungsangebot, das in Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit läuft. „Wir haben verschiedene Ausbildungsberufe, die wir anbieten“, erklärt Klaus-Jürgen Monz. So können die Teilnehmenden, die dem Schloss durch die Arbeitsagentur zugewiesen werden, etwa zu Zweiradmechatronikern, Konstruktionsassistenten für den Metallbau oder zu Tischlern ausgebildet werden. In den anderen Betrieben rund um das Schloss finden keine Ausbildungen statt. „Wir müssen uns immer an den Bedürfnissen orientieren, die von der Bundesagentur für Arbeit vorgegeben und gefördert werden“, sagt Klaus-Jürgen Monz.

Jungen Menschen eine Lebensperspektive bieten

Allerdings gibt es durchaus auch in der Gärtnerei oder in der Malerwerkstatt junge Menschen, die durch den Alltag und die Arbeit in der Einrichtung gefallen an ihrer Tätigkeit finden. „Wir haben eine junge Frau in der Gärtnerei, die das ganz toll macht, im Praktikum in einem Betrieb überzeugt hat und für die wir schauen, ob wir einen Ausbildungsplatz für sie bekommen“, berichtet Klaus-Jürgen Monz. Denn was am Ende des Aufenthaltes auf Schloss Bellinghoven stehen soll, ist eine neue Perspektive für die jungen Menschen.

Die müssen sich die jungen Menschen allerdings selbst erarbeiten. „Wir können nur eine Hand reichen und Hilfe anbieten“, sagt Klaus-Jürgen Monz. Die ist allerdings relativ umfangreich. Mehr als 50 Mitarbeiter kümmern sich im Schloss um die Bewohner und weitere Menschen, die in Wohngemeinschaften außerhalb des Schlosses leben. Insgesamt werden von dort aus rund 80 Menschen betreut. „Der Klient steht immer im Mittelpunkt“, sagt Monz.

Denn was die Bewohner machen können, ist ganz unterschiedlich. Die einen sind relativ fit, brauchen nur wenig Zeit, um sich wieder zu fangen. „Für viele ist der Aufenthalt hier das erste Mal ein Punkt, an dem sie zu sich finden“, sagt der Einrichtungsleiter. Dann geht es manchmal darum, erst Grundlagen zu schaffen: Pünktlichkeit, Eigenverantwortung, Selbstbewusstsein, einen Eindruck, wie ein normaler Arbeitsalltag aussieht. „Es macht unsere Mitarbeiter aus, dass sie immer mit den Bewohnern im Gespräch sind“, sagt Monz. Da geht es darum, realistische Perspektiven für die Zukunft zu entwickeln, aber auch positiv darauf zu schauen, was die Bewohner schon alles erreicht haben. Dabei müssen die Bewohner auch nicht immer direkt acht Stunden am Tag arbeiten. „Wir schauen, was möglich ist und versuchen dann, das zu steigern.“

Möglichst nah an der Normalität

Dass Schloss Bellinghoven etwas abseits liegt, hilft den Bewohnern oft dabei, sich zu konzentrieren. „Es gibt hier weniger Reize von außen und weniger Ablenkung“, sagt Klaus-Jürgen Monz. An eine Isolation von der Außenwelt aufgrund der abgeschiedenen Lage, möchte er dabei aber nicht denken. „Es ist wichtig, dass alle am allgemeinen Leben teilhaben“, sagt Monz. Auch wenn die Bewohner oft am Anfang relativ zurückgezogen sind. „Viele erleben das Schloss mit den dicken Mauern als Schutzraum“, sagt er.

Allerdings bekommt jeder Bewohner des Schlosses erstmal ein Fahrrad, um sich frei in der Umgebung bewegen zu können. Dazu gibt es eine eigene Fußball- und Laufgruppe, eine Foto AG und regelmäßige Fahrten Richtung Bücherei. „Wenn die Klienten andere Bedürfnisse haben, schauen wir, was möglich ist“, sagt Klaus-Jürgen Monz. Das können zum Beispiel Mitgliedschaften in lokalen Sportvereinen sein. „So nah, wie es geht an der Normalität“, fasst der Einrichtungsleiter zusammen.

Ein normales Leben, ein normaler Job – für die jungen Menschen im Schloss ist das die Perspektive, auf die sie hinarbeiten. Wie nachhaltig das Angebot der Einrichtung ist, kann aber auch Klaus-Jürgen Monz nicht sagen: „Wenn die Menschen aus unserem System raus sind, haben wir oft keinen Kontakt mehr“, erklärt er. Aber für ihn ist jeder junge Mensch, der mit einer neuen Perspektive das Schloss verlässt, eine Erfolgsgeschichte.

>>>Die Geschichte des Schlosses

1325 wird das Schloss Bellinghoven zum ersten Mal urkundlich erwähnt. 1598 wurde es im Achtzigjährigen Krieg erobert und geplündert. In ihrer heutigen Gestalt existiert die Anlage seit Ende des 18. Jahrhunderts.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kaufte die Bergwerksgesellschaft Walsum die Anlage, um mit dem Landbesitz Landwirte zu entschädigen. Das Schloss ging an das Katholische Jugendwerk in Duisburg-Hamborn, das es 1974 an den Verein „Die Brücke“ weitergab, der die Anlage renovierte.

Im Jahr 1983 hat der Caritasverband Oberhausen, bis heute Träger der Einrichtung, das Schloss vom Verein „Die Brücke“ übernommen.

Seit 1990 gibt es auf Schloss Bellinghoven Ausbildungsangebote für junge Menschen mit einer psychischen Behinderung.

Die Ausbildung vor Ort wird über die Agentur für Arbeit finanziert. Miete und Grundversorgung der Bewohner übernimmt der Sozialhilfeträger, die weiteren Leistungen trägt der LVR.

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