Betuwe-Linie

Sicherheitsstreit kann Betuwe-Planung blockieren

Die Projektmacher in der Übersicht: (von rechts) Stefan Ventzke, Michael Teitzel und Reiner Landgraf.

Foto: kai kitschenberg

Die Projektmacher in der Übersicht: (von rechts) Stefan Ventzke, Michael Teitzel und Reiner Landgraf. Foto: kai kitschenberg

Emmerich/Oberhausen.   Die Projektleiter der Bahn-Betuwe-Trasse und die Feuerwehr(en) streiten weiter über das Sicherheitskonzept. Emmerich gehört zur RRX-Planung, Elten bekommt doch einen Bahnhof.

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Einen Antrag auf Nebel bei der höchsten Instanz hatten sie bei der Deutschen Bahn zwar nicht eingereicht. Doch die zähe Wassertröpfchen-Ansammlung sorgte am Mittwoch in der Frühe, als die Projektleiter des Betuwe-Ausbauplans zur Streckenbereisung von Oberhausen nach Emmerich in den Regionalexpress 5 baten, für durchaus benebelte Blicke. Während nämlich das komplizierte Gesamtwerk aus 72,6 Kilometern Neu-, Aus- und Umbauarbeiten an mancher Stelle schon begonnen hat, etwa die Straßenüberführung an der Baumannstraße in Praest, bleiben dringliche Fragen nach der Sicherheit für Anwohner im Streitmodus stecken.

Gerade die Feuerwehr hat gegen die von der Bundesrichtlinie für Brand- und Katastrophenschutz legitimierten Bahn-Pläne erhebliche Bedenken. „Das könnte“, erklärten Bauprojektleiter Stefan Ventzke und sein Stellvertreter Michael Teitzel unisono, „die Planung aufhalten und blockieren.“

Im Grundsatz geht es darum, in den Orten nicht nur alle tausend Meter, wie es in der genannten Verordnung steht, sondern alle 250 Meter für Feuerwehr und Polizei einen Zugang zur Strecke verschaffen. Was aufgrund von Schallschutzwänden mit Bau- und Finanzaufwand verbunden wäre.

650 Meter Zugangsabstand

Laut Ventzke läge die Bahn bei der Betuwe-Linie derzeit bei rund 650 Metern Zugangsabstand. Im Schnitt, versteht sich. „Wenn es enger werden soll, müssen wir wohl neue Finanzierungsquellen aufmachen“, sagt der Projektleiter. Der auch den Vergleich mit den Niederlanden als eher populistisch betrachtet. „Da sind 250 Meter Zugangsabstand zwar Sicherheitsstandard. Dafür werden aber auch Wohnflächen, die 40 Meter oder näher an der neuen Strecke stehen, einfach rasiert. Ob das die Anwohner so toll finden, ist zu bezweifeln.“

Was neue Zufahrten oder Aufstellflächen für Feuerwehr (und Polizei), eventuelle neue Fahrzeuge für die Löschdienste sowie die mancherorts unzureichende Versorgung mit Löschwasser anbetrifft, da fühlt sich die Bahn (bisher) nicht als Geldgeber zuständig. Man verweist auf die Kommune(n). „Wir sind dennoch stark interessiert daran, den Dialog mit der Feuerwehr aufrecht zu erhalten“, betont Ventzke. Auch wenn dies eine Grundsatzdiskussion über die genannte Bundesrichtlinie heraufbeschwören könnte.

Gibt es auch gute Nachrichten im Zusammenhang mit Betuwe? Der Schallschutz für Anwohner ist in der Planung auf immerhin 80 Kilometer angewachsen. Ob das gängige Aluminium, reiner Beton, die mehr Platz benötigenden Steinkörbe (Fachbegriff: Gabionen) oder die schlechter absorbierenden transparenten Wände zum Einsatz kommen? „Das wird von Fall zu Fall entschieden“, sagt Ventzke. Und schiebt nach: „Wir machen keinen Städtebau.“ Wünscht sich ein Ort Transparenz durch Fenster im Schallschutz, beispielsweise auf Brücken oder an anderen attraktiven Stellen, müsse darüber geredet werden. Klar, dass da die Finanzierungsfrage wieder an Position eins gelistet werden würde.

Erörterung in Praest

Apropos: Ebenso wie der Bahnhof Empel/Rees gehört Emmerich zum neuen Streckenplan des Rhein-Ruhr-Express-Konzeptes. RRX, so die Abkürzung, erfordert einen 220 Meter langen Bahnsteig.

Am Mittwoch, 4. März, wird es einen Erörterungstermin für den Abschnitt in Praest geben, wo der Bahnhof im Zuge der Umbauarbeiten leicht an den Ort heranrücken wird. Gearbeitet wird bereits am jetzigen Bahnübergang Kerstenstraße im Osten von Praest, der zur einer Überführung umgebaut wird.

Übrigens:

Stefan Ventzke ist, was die Betuwe-Ausbaustrecke Oberhausen – Emmerich anbetrifft, ein detailgetreuer Experte. Der Bahn-Projektleiter stutzte vermutlich auch deshalb kaum eine Sekunde, als am Mittwochnachmittag im Rahmen eines informellen Treffens zum Dauer(streit)thema nach dem noch fiktiven Bahnhof in Elten gefragt wurde.

„Jaaahaaaa“, zog Ventzke seine spontane Zustimmung bewusst in die Länge, um für die folgende Antwort ein paar Sekunden zu gewinnen, „es scheint in der Finanzierung nun klar zu sein, dass es einen Haltepunkt Elten geben wird. Zumindest habe ich das im Finanzierungsplan erst vor Kurzem so gelesen.“

In den vergangenen Monaten schien das Projekt „Bahnhof Elten“ aus monetären Gründen durchaus in Frage gestellt. Auf der kompletten Betuwe-Strecke ist stets von den vorhandenen 14 Haltepunkten ab Oberhausen Hauptbahnhof die Rede. Elten wäre die Nummer 15.

Neben dem Vorteil für die Silberdörfler, dann direkt vor Ort in die Bahn steigen zu dürfen, steht auch ein konkretes Interesse der Bahn für die Strecke am Fuße des Eltenbergs dahinter. Gut fünf Kilometer vor der Grenze zu den Niederlanden soll ein Systemwechselbahnhof entstehen. Hauptgrund: Der Bahnhof soll technisch dafür sorgen, dass Lokomotiven dann zügig im niederländischen Hochspannungsnetz weiterfahren können. Geplante Bauzeit: April 2015 bis Jahresende 2016.

Zahlen der Einwände in der Übersicht:

Rund 2200 der gut 10 000 privaten Einwände gegen die geplante Betuwe-Linie entfallen aufs Emmericher Gebiet. 652 kommen aus Praest, gut 900 aus Emmerich, rund 700 aus Elten.

45 Prozent aller Betuwe-Schreiben befassen sich mit Lärmschutz, 15 Prozent mit möglichen Gesundheitsbeeinträchtigungen der Anwohner, zehn Prozent mit der Sicherheit.

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