EU-Gesetz

So denken Imbissbetreiber über die neue Acrylamid-Verordnung

Der Emmericher Imbissbetreiber Peter Röttger hat wenig Verständnis für Regulierungen wie die neue Acrylamid-Verordnung. Die Auflagen für Hersteller findet er aber problematischer als die für Gastronomen selbst.

Foto: Thorsten Lindekamp

Der Emmericher Imbissbetreiber Peter Röttger hat wenig Verständnis für Regulierungen wie die neue Acrylamid-Verordnung. Die Auflagen für Hersteller findet er aber problematischer als die für Gastronomen selbst. Foto: Thorsten Lindekamp

Emmerich.  Seit Mittwoch gilt die Acrylamid-Verordnung der EU. Auch in Emmerich dürfen Imbisse ihre Pommes nicht mehr so heiß frittieren wie zuvor.

Wer liebt sie nicht: Goldbraune, knusprige Pommes, gewürzt mit viel Salz und der Lieblingssoße obendrauf. Frittierte Sonnenstrahlen, sagen manche sogar. Doch damit könnte jetzt Schluss sein. Denn seit Mittwoch gilt die neue EU-Verordnung zur Reduzierung des Acrylamidgehalts in Lebensmitteln. Die neuen Regeln besagen unter anderem: Frittieren nur noch bis zu einer Temperatur von 175 Grad. Das gilt natürlich auch für die Gastronomen in Emmerich.

So wie Peter Röttger, der den Stadion-Grill am Nollenburger Weg betreibt. Darauf angesprochen, schüttelt er missmutig den Kopf. „Die Leute haben über Jahrzehnte Pommes gegessen und bislang ist noch keiner dran gestorben“, begegnet er dem Thema mit Sarkasmus. An der Zubereitungsweise seiner Pommes muss er zwar nichts ändern. „Wir frittieren hier schon seit Jahren nicht mehr heißer als 175 Grad.“ Doch sieht er einen drohenden Qualitätsverlust durch die Auflagen für Hersteller, die das Amtsblatt der EU ebenfalls enthält. Die Produzenten müssen künftig den Stärkegehalt in ihren Kartoffelprodukten minimieren. „Stärke ist bei Pommes und Kroketten der wichtigste Geschmacksträger. Irgendwann schmeckt unser Essen dann eben nach gar nichts mehr“, erklärt Röttger seine Bedenken.

Gefühl für die ideale Garzeit trainiert

Acrylamid ist ein Stoff, der im Jahr 2002 von der schwedischen Lebensmittelbehörde entdeckt wurde und als möglicherweise krebserregend gilt. Im November 2017 hat die EU-Kommission die neue Verordnung auf den Weg gebracht. Nach einer fünfmonatigen Übergangsfrist ist sie jetzt in Kraft getreten.

Unter Imbissbetreibern gibt es auch Stimmen, die solche Regulierungen begrüßen. Gaby Ketelaer zum Beispiel, seit kurzem Inhaberin der Grill Station 7 in Elten: „Wenn es der Gesundheit der Gäste dient, leiste ich dazu gerne meinen Beitrag.“ Sie frittiere die Pommes nicht mehr so heiß, dafür aber etwas länger als vorher. „Die schmecken so ohnehin viel besser“, sagt die Gastronomin. Sie hat längere Zeit experimentiert, um unter den neuen Bedingungen ein Gefühl für die ideale Garzeit zu bekommen. Einen Qualitätsverlust durch die Stärkereduktion sieht sie nicht.

Regeln auch für andere Lebensmittel

Sowohl Röttger als auch Ketelaer wurden durch ihre Lieferanten über die neue Verordnung informiert. Röttgers Großhändler aus Bocholt hat im Februar einen „Leitfaden zur Kontrolle von Acrylamid-Gefährdungen“ an seine Kunden verschickt.

Kontrollen erfolgen durch die Lebensmittelüberwachung des Kreises. Dabei ist auch die Entnahme von Proben zur Bestimmung des Acrylamidgehaltes vorgesehen. Bei Verstößen drohen Bußgeld- sowie Strafverfahren.

Neue Regeln gibt es übrigens nicht nur für die Zubereitung von Pommes, sondern auch für Backwaren, Frühstückscerealien oder auch Kaffee. Die Emmericher Kaffeerösterei van Gülpen muss an ihrem Herstellungsprozess aber nichts ändern. Geschäftsführer Lutz Reinhard van Gülpen erklärt: „Wir sind davon überhaupt nicht betroffen und waren von den Grenzwerten immer schon meilenweit entfernt.“ Er betont dagegen die gesundheitsfördernde und lebensverlängernde Wirkung, die gemäßigter Kaffeekonsum entfalten kann. In Bezug auf Acrylamid weiß er zu berichten: „Man müsste schon fünf Liter Kaffee trinken, um den Acrylamidgehalt von einer Schale Pommes zu erreichen.“

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