Soziales

Stress und Gewalt: Notsignale aus Emmericher Familien

Familienberaterin Katja Kleinebenne berät im Emmericher Rathaus Familien.

Familienberaterin Katja Kleinebenne berät im Emmericher Rathaus Familien.

Foto: Thorsten Lindekamp / Funke Foto Services GmbH

Emmerich.  Nach der Corona-Zwangspause hat die Familienberatung der Caritas im Emmericher Rathaus wieder die Arbeit aufgenommen. Sie ist wichtiger denn je.

Gut drei Monate hat Katja Kleinebene ihre Familienberatung im Emmericher Rathaus nicht anbieten können – Corona hat die Türen geschlossen. Was während des Lockdowns in den Emmericher Familie passierte, kann die 58-jährige Psychologin der Caritas jetzt langsam erahnen. Katja Kleinebenne ist Ansprechpartnerin für familiäre Probleme aller Art: Erziehungsstress, Trennungsprobleme, Entwicklungsverzögerungen beim Kind, Schulden, Gewalt und Missbrauch. Und gerade jetzt, nachdem der normale Alltag wieder da ist, kommen die familiären Stressbilder zum Vorschein.

Häusliche Gewalt

Nahezu täglich registriert Gaby Niemeck von der Stadt neue Fälle häuslicher Gewalt. Im Lockdown haben Frauen oftmals nichts gesagt, doch jetzt trauen sie sich, das Gespräch zu suchen. Mituntern landen diese Fälle bei Psychologin Kleinebenne in der offenen Beratungsstelle im Rathaus.

Meistens seien es Frauen, die sich melden. Die Rollenbilder in Familien sind oft noch sehr traditionell. Stimmt was in der Familie nicht, dann ist es das weibliche Geschlecht, welches um Hilfe ersucht. Für Katja Kleinebenne ist jedes Gespräch wichtig. Sie unterscheide nicht zwischen Problemen und Problemchen: „Wenn jemand zu mir kommt mit einem Anliegen, dann ist das auch meine Sache“, sagt sie.

Probleme in der Kita

Da gibt es zum Beispiel die Mutter, die Probleme mit ihrem Sohn in der Kita hat. In der Gruppe verhält er sich aggressiv, zu Hause ist es das liebste Kind. Kleinebenne hört zu, fragt, analysiert und gibt Tipps, was man in der Erziehung besser manchen kann. Zur Beraterin kommen allerdings auch Frauen, die Gewalt erfahren oder deren Mann sich nicht mehr bei den Kindern blicken lässt. Da kann es durchaus sein, dass die Psychologin sich einschaltet und den Herren klar macht, dass es nicht nur ein Besuchsrecht, sondern auch eine Besuchspflicht gibt.

Hier gibt es mehr Artikel aus Emmerich, Rees und IsselburgGenerell sind Familien heute schneller bereit, Hilfen zu suchen. Die gibt es Dank eines guten Netzwerkes zwischen Jugendamt, Schulen, Kindergärten und Sozialeinrichtungen auch schnell.

Konfliktfalle Handy

In nahezu allen Familien ist das Mobiltelefon ein wichtiges Thema. Das Handy sorgt für Erziehungsprobleme und beschleunigt diese auch. Da werden auf einmal Chat-Verläufe mit Beleidigungen kopiert und in die Familiengruppe gestellt, damit es auch alle lesen können. Das Konfliktpotenzial vergrößert sich: „Das Handy wirft in der Erziehung viele Fragen auf“, sagt Edelgard Löchel von der Caritas-Erziehungsberatung.

Das Thema sexueller Missbrauch gehört zu den Schwerpunkten in der Arbeit von Katja Kleinebenne. Wenn es in Kindergärten oder Schulen Auffälligkeiten gibt, dann besucht sie diese Einrichtungen und beobachtet Kinder. Bei auffälligem Verhalten werden die entsprechenden Stellen eingeschaltet und das Gespräch mit den Eltern gesucht.

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